Kandidatenporträt
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Kai Bock: Was Schwimmen mit Gerechtigkeit zu tun hat

Kai Bock ist Bundestagskandidat für die Linke. Ein Kernthema seines Wahlkampfs: die soziale Teilhabe - auch im Freibad.

Von Henry Doll
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Was Schwimmen mit Gerechtigkeit zu tun hat
Kai Bock bezeichnet sich selbst als Wasserratte. Einer seiner Lieblingsplätze ist daher das Öhringer Freibad H2Ö.Foto: Henry Doll

Als Treffpunkt für das Kandidateninterview hat Kai Bock das Öhringer Freibad H2Ö vorgeschlagen. Dafür gibt es zwei Gründe. Grund eins: Der in Zweiflingen wohnhafte Servicetechniker und Kreissprecher der Partei Die Linke ist begeisterter Schwimmer. Meist schwimmen seine beiden Söhnen im Alter von zehn und 13 Jahren mit.

Der zweite Grund für die Wahl des Freibades ist politischer Natur: "Die Frage, ob man schwimmen lernen kann oder nicht, ist eine soziale Frage", sagt Kai Bock und beruft sich dabei auf eine Kleine Anfrage seiner Partei in der Hamburger Bürgerschaft. Sie ergab, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien wesentlich seltener schwimmen können als Kinder aus wohlhabenden Familien.

Das liege, so Bock, an den Eintrittspreisen, aber vor allem daran, dass Grundschulen immer seltener Schwimmunterricht anbieten können. 25 Prozent der Grundschulen hätten inzwischen keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad. Schwimmen können sei aber unter Umständen lebensrettend. Bei einer Tasse Kaffee erklärt der 43-Jährige im Freibad-Biergarten sodann, wie er zur Politik und zur Partei Die Linke kam.

Aufgewachsen in der DDR

Was Schwimmen mit Gerechtigkeit zu tun hat
Kai Bock 1987 bei der Jugendweihe in der DDR.Foto: privat

Er wuchs in Stolberg auf, der so genannten "Perle des Südharzes". Als Jugendlicher in der DDR sei er in der Wendezeit politisiert worden. Er war Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und dort sogar zuständig für Agitation. Er habe aber "als einer der Allerersten" das FDJ-Mitgliedsbuch zurückgegeben. "Ich war kein Honecker-Fan." Die Grundidee des Sozialismus hält er auch heute noch für gut. "Aber er muss demokratisch sein."

Seine eigentliche Politisierung war dann aber wohl das Ergebnis eines längeren Prozesses und hat, wie Kai Bock erklärt, mit seiner beruflichen Laufbahn zu tun. Nach einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Niedersachsen kehrte er zurück nach Sachsen-Anhalt, schulte zum IT-Systemelektroniker um und versuchte, sich selbstständig zu machen.

Doch bald habe er feststellen müssen: "Es reicht nicht, um in der Region seinen Lebensunterhalt zu verdienen." Kurzzeitig war er Hartz IV-Empfänger, dann Leiharbeiter, und viel unterwegs. "Da habe ich meine Schlüsse gezogen. Die Linke ist die Partei, die noch ein soziales Gewissen hat. Sie hat prekäre Beschäftigung als Thema aufgegriffen. Es sind eigene Erfahrungen, die mich dazu getrieben haben, in die Politik zu gehen."

Programm der Partei bekannt machen

Was Schwimmen mit Gerechtigkeit zu tun hat

Seine Chance, über den Landeslistenplatz 19 in den Bundestag einzuziehen, schätzt er als "extrem gering" ein. "Mir geht es aber ganz einfach darum, unser Parteiprogramm bekannt zu machen", beschreibt er seine Motivation.

Das Beispiel von den fehlenden Schwimmkenntnissen bringt ihn zu einer Kernforderung der Linken: Das Kindergeld soll sofort auf 328 Euro erhöht werden. Außerdem fordere seine Partei eine Kinder-Grundsicherung von 564 Euro. Zur Finanzierung habe seine Partei ein Konzept vorgelegt. "Das beinhaltete natürlich, dass man die Reichen zur Kasse bittet. Wir können die Gesellschaft nur gerechter machen, indem wir umverteilen. In meinen Augen hat das nichts mit Neid zu tun." Zum Programm gehört auch eine Millionärssteuer ab der zweiten Million.

Im Wahlkreis hofft er auf "fünf Prozent plus" für seine Partei. Bundesweit sei ein zweistelliges Ergebnis möglich. Für rot-rot-grün wird es nach seiner Einschätzung aber nicht reichen, was an der Schwäche der SPD liege. Den anfänglichen Schulz-Hype habe er nicht verstanden.

Auch zum Streit um das Künzelsauer Krankenhaus hat er eine Meinung: "Ich war von Anfang an der Meinung, dass wir uns da einbringen müssen." Es scheiterte laut Bock aber an der fehlenden Manpower seiner Partei.

 
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