Hohenlohe
Lesezeichen setzen Merken

Harald Ebner: Grünäugig in die Politik

Harald Ebner tritt für Bündnis 90/Die Grünen an. Der Agraringenieur kämpft für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Von Christine Faget
  |  
Grünäugig in die Politik
Der Ochsengarten in Forchtenberg ist Harald Ebners Lieblingsort in Hohenlohe: Direkt neben dem Biergarten weiden dort die Ziegen. Foto: Christine Faget

Um drei Jodler geht es da. Jahrelang hat sich Harald Ebner für das Programmkino in Kirchberg an der Jagst engagiert, sogar in einer Jury der Berlinale saß er. Ein Film hat ihn besonders fasziniert. Er heißt "Heimatklänge" und steht symptomatisch für das, was den Grünen-Kandidaten, der seit 2011 im Bundestag sitzt, bewegt. "Wir sind traditionell verhaftet, aber wir wollen nicht einfach so weitermachen", hätten sich die Schweizer Jodler in der Doku vorgenommen. Genauso wie Ebner: "Tradition hat eine Berechtigung, weil man aus Erfahrung lernt und sich Dinge bewährt haben. Aber Klimaveränderungen und sonstige Veränderungen zeigen auch: Man muss Traditionen anpassen können."

Die Jodler zaubern aus traditionellen Klängen Neues − Ebner will die "beste Landwirtschaft machen, die geht", als er sein Studium der Agrarwissenschaften in Hohenheim beginnt, nachdem er den Zivildienst auf einem Demeterbetrieb bei Gerabronn absolviert hat. Für den 53-Jährigen bedeutet das die "nachhaltigste und ökologisch verträglichste" Landwirtschaft. Er fordert: "Wir müssen das System verbessern und mit den biologischen Prozessen arbeiten." Dieses Ziel führt ihn durchs Leben bis in den Bundestag.

Biologie wird zu seinem Steckenpferd

Grünäugig in die Politik
Harald Ebner (links) im Kreise seiner Cousins und Cousinen.Foto: privat

Bereits als Jugendlicher will Ebner verstehen, wie in der Natur alles zusammenhängt: Bei einem Kumpel findet er ein Botanikbuch auf dem Dachboden. Stundenlang studieren es die Schüler und sind der Biologielehrerin so stets einen Schritt voraus, erinnert er sich lachend. Die Leidenschaft kommt nicht von ungefähr: Bis zu seinem elften Lebensjahr tobt der Bundestagsabgeordnete über den Bauernhof seiner Eltern bei Göppingen, ehe diese den Betrieb aufgeben. Auch auf dem Demeterbetrieb und im Studium kennt er die Namen aller Unkräuter. Anhänger der konventionellen Landwirtschaft wussten hingegen stets, mit welchen Mitteln man sie vernichtet, bedauert er. Glyphosat ist das politische Herzensthema des leidenschaftlichen Naturschützers. Er gesteht: "Die Agrar- und Chemiekonzerne sind nicht begeistert von dem, was ich da mache."

Nach seinem Studium kartiert er sieben Jahre lang als freiberuflicher Landschaftsökologe die Unterwasservegetation im Bodensee, dann arbeitet er in verschiedenen Ämtern in der staatlichen Naturschutzverwaltung Baden-Württembergs und kehrt zurück nach Kirchberg.

Seit 2011 im Bundestag

"Ein bisschen blauäugig, könnte man heute sagen", ist sein Sprung in die Politik. Obwohl er sich zunächst wehrt, überreden ihn die Kirchberger, sich auf die Unabhängige Liste der Grünen zu setzen. Schnell wird er in den Kreistag gewählt und ist überzeugt: "Wenn ich es mache, dann möchte ich es ganz machen." Denn er habe ein Angebot an die Partei: "Ich bin gekommen mit einer ökologischen, soliden Grundausstattung − sowohl von der Überzeugung als auch von der Berufserfahrung her."

2011 rückt er in den Bundestag nach, seitdem führt Ebner ein Leben zwischen Kirchberg und Berlin − wenn es geht, mit der Bahn. Im Wahlkreis ist er mit dem Auto unterwegs. Von seinen Berliner Erfahrungen berichtet er, Optimismus sei das, was man brauche, um im politischen Leben durchhalten zu können.

Viel Zeit für seine Oase, den Garten in Kirchberg, hat er als Bundestags-Politiker nicht. Am 24. September tritt er auf Listenplatz acht an und hat damit gute Chancen, in Berlin zu bleiben: "In den letzten 30 Umfragen war ich dabei." Dann wird sich zeigen, ob er seinen Garten weiterhin vernachlässigen muss. Fest steht: Ebner wird kämpfen. Denn: "Freizeit ist ja nicht alles. Es geht ja um was, es geht ja um Themen, es geht ja um Inhalte."

 

Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
  Nach oben