Hohenlohe
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Annette Sawade: Politik ist mehr als Gesetze machen

Für Annette Sawade, Hohenlohes Bundestagskandidatin der SPD, steht der Mensch im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Von Barbara Griesinger
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Politik ist mehr als Gesetze machen
Waldenburg war der erste Ort im Hohenlohekreis, den Annette Sawade kennengelernt hat. Noch heute liebt sie die Stadt besonders.Fotos: Barbara Griesinger/privat

Ich bin niemand fürs stille Kämmerlein. Das ist nicht mein Ding", sagt Annette Sawade. Mit Menschen ins Gespräch zu kommen, ist ihr wichtig. Das ist sie von klein auf gewohnt. "Mein Vater war Pfarrer, meine Mutter Ärztin, wir waren nie ganz für uns in der Familie."

Auch 14-Stunden-Tage im Polit-Alltag wie im Wahlkampf können die Hohenloher Bundestagsabgeordnete der SPD nicht schrecken, die im Juni 2012 ins Berliner Parlament nachgerückt ist. "Ich bin neugierig, Menschen und ihre Biografien interessieren mich, und ich brauche wenig Schlaf", sagt sie.

Konflikt mit dem DDR-System hat sie geprägt

Politik hat in dem Thüringer Pfarrhaushalt, in dem Annette Sawade aufgewachsen ist, immer eine Rolle gespielt. "Bei den Nachrichten sind wir immer auf Zehenspitzen durchs Wohnzimmer gegangen", erzählt sie. Weit mehr hat der Konflikt mit dem DDR-System ihr Leben und ihre Weltsicht geprägt. "Demokratie ist ein Geschenk, das man nicht genug schätzen kann", erklärt sie.

Vor ihrem Chemiestudium musste sie ihre "politische Reife" als Hilfstierpflegerin unter Beweis stellen. Auf die Promotion hat sie dann verzichtet, "weil ich mich dafür hätte korrumpieren müssen". Als sie am 3. Oktober 1982 mit ihrer Familie in den Westen ausreist, ist die spätere SPD-Politikerin und Ministerin Regine Hildebrandt unter den Freunden, die sie in den Westen verabschieden. "Dass das der Wiedervereinigungsfeiertag wird, hab’ ich nicht geahnt", sagt sie.

 "Dass ich mal im Bundestag bin, das hätte ich damals nie gedacht"

Politik ist mehr als Gesetze machen
Neugierig schaut die kleine Annette (links) mit ihrer Schwester in die Welt.

Viele SPD-Leute hätten sie damals unterstützt. Deshalb sei für sie nie eine andere Partei in Frage gekommen. Doch erst 1990 wird sie Parteimitglied. Zuvor engagiert sich Annette Sawade in Stuttgart im Bürgerverein. "Die Kommunalpolitik hat uns nicht so richtig ernst genommen", erzählt sie, warum sie sich − mittlerweile Mitarbeiterin im Umweltministerium in Stuttgart − schließlich politisch engagiert und 15 Jahre lang SPD-Stadträtin in Stuttgart ist, etwas später obendrein SPD-Kreisvorsitzende, erst in Stuttgart, dann in Schwäbisch Hall. "Dass ich mal im Bundestag bin, das hätte ich damals nie gedacht", sagt sie heute und lacht.

Der direkte Kontakt zu den Bürgern ist ihr dabei bis heute wichtig geblieben. "Ich könnte nicht nur in Berlin sitzen und Gesetze schreiben", sagt sie. Die Mischung aus Wackershofen, wo sie mit ihrem Mann ein Bauernhaus renoviert hat, und Berlin, der direkte Kontakt zu den Menschen in ihrem Wahlkreis, mit denen sie − auch mal schnell beim Einkaufen − ins Gespräch kommt, ist nicht nur wichtig. Er ist auch Energiequelle und Ansporn zugleich. Denn es genüge nicht, Gesetze zu machen. "Man muss auch die Auswirkungen sehen", so die 64-jährige Politikerin.

Politik gut und verständlich erklären

Politik ist mehr als Gesetze machen

Dass die Menschen heute oft das Gefühl hätten, die Politik gehe über ihre Köpfe hinweg, ist für sie ein großes Manko. "Wir müssen es uns zur Aufgabe machen, Politik richtig und verständlich zu erklären", betont sie. Deshalb ist ihr auch die Arbeit im Petitionsausschuss so wichtig, den sie als "gute Möglichkeit, fehlgeleitete Gesetze zu verändern" sieht.

Ein Beispiel: Mit dem Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter in Krautheim sei es gelungen, Reisen mit dem Fernbus auch Menschen in Elektrorollstühlen zu ermöglichen, die für das Verkehrsministerium zunächst ausgeschlossen waren. Deshalb ist es Sawade auch ein Anliegen, öffentliche Petitionen leichter auf den Weg zu bringen.

Statt 50.000 Unterschriften sollten dafür künftig 15.000 bis 20.000 genügen. Auch ihre Arbeit im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur will sie gerne fortsetzen. "Da sind noch so viele Baustellen im Wahlkreis offen", sagt sie mit Blick auf die A 6, wie auch auf den Schienenverkehr.

Ob ihr der Einzug in den Bundestags wieder gelingt, ist allerdings offen. Annette Sawade steht auf Platz 19 der Landesliste. Damit sie ihr Mandat behält, benötigt die SPD 25 Prozent. "Dazu brauchen wir jede Wählerstimme", sagt sie. Schließlich hätten die Menschen im Wahlkreis auch weiterhin mehr als einen Vertreter im Bundestag verdient.

 

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