Kandidatenporträt
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Thomas Fick: Braunkohlekraftwerke würde er abschalten

Für Grünen-Kandidat Thomas Fick sind Klimaschutz und Kampf gegen Altersarmut zentrale Anliegen.

Von Carsten Friese
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Braunkohlekraftwerke würde er abschalten
Der Lieblingsplatz von Grünen-Bundestagskandidat Thomas Fick im Wahlkreis Heilbronn: der genossenschaftlich von Bürgern organisierte Dorfladen in Jagsthausen.Foto: Ralf Seidel

Ob er gegen die Atommülltransporte auf dem Neckar von Obrigheim ins noch laufende Atomkraftwerk Neckarwestheim protestiert hat? Auf diese Frage kommt von Thomas Fick eine klare Aussage. Der Bundestagskandidat der Grünen im Wahlkreis Heilbronn sieht zu den Schiffstransporten "keine Alternative". Obwohl er seit seinen politischen Anfängen gegen Kernkraft war, stützt er das Vorgehen der grün-schwarzen Landesregierung. "Ein Castor-Standort ist besser als zwei.", sagt er. Der Ausstieg aus der Atomenergie müsse konsequent umgesetzt werden. Und Zwischenlager müssten klaren Sicherheitsstandards genügen.

60 Jahre ist der Diplom-Sozialpädagoge gerade alt geworden, der erstmals in den Wettstreit um ein Bundestagsmandat eintritt. Auch wenn er Kategorien wie "Realo" oder "Fundi" überzogen findet, fühlt Fick sich "eher der Realpolitik zugehörig". Dass Kandidaten kleinerer Parteien doch eh keine Chance hätten, mag er nicht hören. "Ich trete um das Direktmandat an", sagt er forsch. Die Landtagswahl, als die Heilbronner Grüne Susanne Bay den CDU-Favoriten Alexander Throm besiegte, habe gezeigt, "dass es keine Erbhöfe gibt". Eine noch größere Sensation wäre sein Wahlsieg, das weiß auch der Leingartener Fick. Aber: "Ich trete nicht an nur fürs Papier."

Gegen Aufrüstung und Kernkraft

Braunkohlekraftwerke würde er abschalten
Dichte Mähne, voller Bart: Mitte 20 war Fick auf diesem Bild. Fotos: privat

Die atomare Nachrüstung durch den Nato-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren führten ihn in die Politik. Bei einer großen Menschenkette der Friedensbewegung von Stuttgart bis Ulm war er dabei, Kernkraft bewertete er sehr kritisch. 1983 trat er in die grüne Partei ein. Sechs Jahre später zog der Sozialpädagoge erstmals in den Leingartener Gemeinderat ein. Heute ist er auch im Kreisvorstand der Grünen aktiv.

Ein festes politisches Vorbild hat Fick nicht. Aber: Willy Brandt mit seiner Ostpolitik und Erhard Eppler haben ihn früh geprägt, wie er sagt. Heute bewundert er Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann und dessen Politik des Dialogs. "Er ist ein Gewinn für dieses Land."

Klimaschutz und Linsen&Spätzle

Braunkohlekraftwerke würde er abschalten

Verheiratet, drei erwachsene Kinder, Geschäftsführer einer Behinderteneinrichtung bei Nürtingen, Linsen & Spätzle-, Müller-Thurgau- und VfB-Fan: Verwurzelt ist der gebürtige Creglinger im Unterland, auch wenn sein Wohnort Leingarten gar nicht zum Wahlkreis Heilbronn gehört. Er sei dort stärker verankert als im Zabergäu, erklärt er seine Kandidatur. Klimaschutz ist für Fick ein zentrales Wahlthema, weil der Erderwärmung "dringend" gegengesteuert werden müsse. Ausstieg aus der Kohle, einen dosierten Ausstieg aus dem Verbrennungmotor, ohne Industriebrachen entstehen zu lassen, führt er an. Altersarmut würde er durch eine höhere Rentenbasis bekämpfen − und auch Selbstständige und Beamte in den Rententopf einzahlen lassen.

Dass Europa mit einer gemeinsamen Außenpolitik auftritt, will er forcieren − und das EU-Parlament gegenüber Länderregierungen stärken. Als "Trauerspiel" bezeichnet er den Nahverkehr. Im High-Tech-Land Deutschland "muss man sich auf pünktliche Züge verlassen können". Mehr politischen Druck auf die Bahn ausüben, Taktzeiten und Zugmaterial verbessern, Ersatzzüge vorhalten, schweben ihm vor. "Es gibt Modelle, die funktionieren."

Bei der Frage nach einer denkbaren Koalition hält Fick sich diplomatisch zurück. Rot-Rot-Grün? Man sollte offen sein, nichts vorher ausschließen − "bis auf die AfD". Was er tun würde, hätte er einen Wunsch für eine konkrete politische Entscheidung frei? Fick überlegt nicht lange: "Die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke in Deutschland abschalten" und durch regenerative Energie ersetzen. Die Braunkohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen und Ostdeutschland stünden ganz vorne in der Liste.

 

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