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Michael Link: Mit Leib und Seele Parlamentarier

Michael Link will für die FDP den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen und dort bürgerliche Freiheiten verteidigen.

Von Bärbel Kistner
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Mit Leib und Seele Parlamentarier
Heilbronn ist für Michael Link immer Heimat geblieben, diese Verbundenheit will er auch als Abgeordneter weiter pflegen: "Ich hänge sehr an der Stadt und an der Region." Auch deshalb fiel die Wahl fürs Foto auf das Stadtarchiv.Foto: Dennis Mugler

Seine Zeit in Warschau als Direktor des Büros für Menschenrechte der OSZE war für Michael Georg Link eine interessante Zeit − sein Herz aber gehört dem Deutschen Bundestag. Dorthin will der FDP-Politiker nach dem 24. September zurückkehren, mit den Liberalen als drittstärkster Kraft. Bevor die FDP 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, war Link acht Jahre lang Abgeordneter für den Wahlkreis Heilbronn, zuletzt auch Staatsminister im Auswärtigen Amt.

Auf eine Vertragsverlängerung bei der OSZE − als Chef von 185 Mitarbeitern aus 36 Ländern − hat Link verzichtet, für seinen eigentlichen Traumjob als Parlamentarier: "Das ist die spannendste Arbeit, die es für mich gibt." Er hätte die Option gehabt, in Warschau weiterzumachen, "Ich wollte aber nicht mit doppeltem Boden arbeiten", erklärt der 54-jährige Heilbronner, der sich nun ganz auf den Wahlkampf konzentriert.

Die Kommunalwahl 2014 war für Link der Gradmesser für seine politische Zukunft. Die neun Prozent für die FDP in Heilbronn sowie sein persönliches Abschneiden als Stadtrat auf Platz zwei der Partei waren ausschlaggebend, sich für ein Comeback in die Bundespolitik zu engagieren. "Wär’s daneben gegangen, hätte ich mich anders entschieden."

Dass die Freien Demokraten bei den jüngsten Landtagswahlen wieder bessere Ergebnisse erzielt haben, war ihm zusätzliche Motivation. "Ich hätte aber auch kandidiert, wenn wir bundesweit bei nur fünf Prozent gestanden hätten", betont der Politiker.

Die FDP habe es schon öfter geschafft, wieder nach oben zu kommen. Link sieht in der zurückliegenden Niederlage auch eine Chance für die Liberalen, sich zu modernisieren und das Signal zu setzen, "dass wir nicht die Partei der Großindustrie, sondern der kleinen und mittleren Selbstständigen sind".

Besuche in der Sowjetunion

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Nach dem Abitur zur Bundeswehr zu gehen, war eine bewusste Entscheidung.

Dass Link in die Politik gehen möchte, hat sich erst herauskristallisiert, als er bei der Bundeswehr war. Die 80er Jahre mit den Demonstrationen gegen Aufrüstung und der Rede Richard von Weizsäckers zum 8. Mai haben ihn politisiert: "Es war eine aufgeladene Zeit, in der man gerne für etwas Partei ergriff." Zur FDP ist Link aber erst als Mittzwanziger gekommen, nachdem er sich vor seiner Entscheidung auch Parteitage von CDU und FDP angeschaut hatte. "Ich war ein politischer Spätstarter."

Geprägt haben ihn Politiker wie Genscher und Lambsdorff, ebenso die Besuche in der damaligen Sowjetunion. Link hatte als Schüler am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium Russisch als dritte Fremdsprache gewählt. Der damalige aggressive Kurs der Großmacht hat er als Bedrohung empfunden: "Ich ging auch deshalb zur Bundeswehr, um unsere Freiheit zu verteidigen."

Für den Erhalt der bürgerlichen Freiheiten

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Heute sieht Link in vielen Ländern die bürgerlichen Freiheiten auf dem Rückzug − in Deutschland den Rechtsstaat zu verteidigen, bleibt ihm daher ein wichtiges politisches Anliegen, damit "unsere Freiheit nicht zentimeterweise verschwindet". Mit der FDP ist er gegen die Vorratsdatenspeicherung: "Wir wollen keinen gläsernen Bürger."

Dass seine Partei unter verschärfter Beobachtung der Presse steht, ist Link bewusst. Weil die FDP weniger Stammklientel als die anderen Parteien habe, müsse sie sehr viel mehr um ihre Wähler, "die sehr kritisch sind", werben. Für ihn bedeutet der Wahlkampf 2017 deshalb auch: so oft wie möglich Präsenz zu zeigen, den ÖPNV zu nutzen, sich bei Veranstaltungen sehen zu lassen. "Wenn man nicht vor Ort ist, erzielt man auch kein gutes Ergebnis." Die Bundestagswahl sei auch eine Personenwahl "Wähler, die nur nach dem Programm gehen, werden immer weniger". Weil das gefühlte Misstrauen in der Politik größer geworden ist, sieht Link es als Daueraufgabe, dagegen anzugehen.

In den sozialen Netzwerken will der 54-Jährige aber nur dann unterwegs sein, "wenn es inhaltlich etwas zu sagen gibt". In Zeiten von Facebook und Twitter gilt für ihn nach wie vor: "Über komplexe Dinge will ich erst einmal nachdenken, bevor ich eine Stellungnahme abgebe."

 

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