Kandidatenporträt
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Konrad Wanner: Den Finger in kapitalistische Wunden legen

Konrad Wanner von den Linken will für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen.

Von Ulrike Bauer-Dörr
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Den Finger in kapitalistische Wunden legen
Ein Ort mit Symbolkraft: Als junger Mann engagierte sich Konrad Wanner in der Friedensbewegung mit dem Ziel, die Heilbronner Waldheide atomwaffenfrei zu machen. Das Ziel wurde erreicht, sagt er.Foto: Andreas Veigel

Man findet ihn dort, wo Menschen unzufrieden sind: bei Gewerkschaftsveranstaltungen zu prekären Arbeitsverhältnissen. Bei Demos gegen Miethaie. Bei Aktionen frustrierter Pflegekräfte oder bei den Montagsdemos von Langzeitarbeitslosen.

Konrad Wanner ist auch da, wenn gegen Castortransporte auf dem Neckar oder gegen Stuttgart 21 protestiert wird oder wenn es um die Wiederbelebung stillgelegter Bahntrassen, einen besseren ÖPNV und mehr Radwege geht.

Als Bundestagskandidat für die Linken setzt er auf die Stimmen all derer, die sich in Deutschland sozial ungerecht behandelt fühlen. Schuld daran sind in seinen Augen ein Staat und eine Wirtschaft, die kapitalistisch geprägt sind und nach Gewinnmaximierung streben.

Das zu ändern, ist er angetreten. "Die Schere zwischen Arm und Reich muss geschlossen werden", das treibt den 60-Jährigen politisch an. Umverteilung von oben nach unten ist das Stichwort: Mieten runter, Mindestlohn rauf, sichere Arbeit, gute Bildung, auskömmliche Renten, Bekämpfung von (Kinder- und Alters-) Armut, Sozialtarife für Strom und ÖPNV, mehr Kindergeld, gerechtere Steuern.

Wahlkampf für linke Themen statt fürs Direktmandat

Den Finger in kapitalistische Wunden legen
Tempo, Tempo: Der 18-jährige Konrad bei den Bundesjugendspielen in Michelbach/Bilz.

Bei den Linken ist Wanner erst im vergangenen Jahr Mitglied geworden. Nach einem persönlich enttäuschenden Landtagswahlsergebnis als Parteiloser bei den Linken trat er noch am Wahlabend in die Partei ein.

Eine Chance, nach dem 24. September in den deutschen Bundestag einzuziehen, sieht er realistischerweise für sich keine. Er hat keinen Platz auf der Landesliste. Deshalb müsste er in Heilbronn das Direktmandat gewinnen. Den Linken räumt er am Wahltag zwischen acht und zehn Prozent der Stimmen ein.

Den Wahlkampf nutzt der Maschinenbautechniker, um linke Themen zu transportieren. Den Linken in Heilbronn (der Kreisverband hat mehr als hundert Mitglieder) möchte er ein Gesicht geben und in den kommenden Wochen ganz klassenkämpferisch "den Finger in kapitalistische Wunden" legen. So sei etwa das Jobwunder in Deutschland erkauft auf Kosten von zigtausenden prekär Beschäftigten, wozu er auch 450-Euro-Kräfte zählt: "Diese Jobs sind Gift fürs Steueraufkommen und die Sozialversicherungssysteme."

Feindbild: das Großkapital

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Die Zeitung lag im Elternhaus immer auf dem Wohnzimmertisch. Konrad (10) las viel und gerne darin.Fotos: privat

Das Großkapital ist linkes Feindbild. Deshalb möchten Wanner und seine Partei die geschätzt eine Million Millionäre in Deutschland härter besteuern: Von jedem Euro, der eine Million übersteigt, sollen fünf Prozent Vermögenssteuer fällig werden. Das sind dann die Milliarden, die in Krankenhäuser, Kitas und Schulen, in den sozialen Wohnungsbau, den öffentlichen Nahverkehr, ins schnelle Internet und in die Energiewende fließen könnten. Weniger Steuern sollen künftig auch all jene zahlen, die unter 7100 Euro brutto im Monat verdienen.

Mit seiner eigenen Arbeitslosigkeit hält der Heilbronner nicht hinterm Berg. 2015 hat er bei einer Ludwigsburger Firma aufgrund von Personalabbau einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Seitdem lebt er von Arbeitslosengeld I und bewirbt sich regelmäßig bei Firmen um einen neuen Job. Bisher vergebens. Ab 2020 möchte er mit 63 und nach 45 Versicherungsjahren eine ungekürzte Rente beziehen. Beim Stichwort Langzeitarbeitslosigkeit bekräftigt Wanner seine zutiefst ablehnende Haltung gegen die Hartz-IV-Gesetze. Sie würden von der Arbeitsverwaltung als Druckmittel eingesetzt und führten geradewegs in die Verarmung. Der Erfolg der Links-Partei sei eng mit diesem ungerechten Gesetzeswerk verknüpft.

Den Finger in kapitalistische Wunden legen

Dass der junge Pfarrerssohn Konrad Wanner nicht zur Bundeswehr wollte, war klar. Seinen Ersatzdienst machte der überzeugte Kriegsdienstverweigerer im Heilbronner Jugendhaus Schillerstraße. Dort engagierte er sich in der Deutschen Friedensgesellschaft, bekam Kontakt zum Widerstandskämpfer und Antifaschisten Walter Vielhauer. "Dieser Mann stand zu seinen Überzeugungen, und er konnte die Jugend begeistern. Der hat mich vollends politisiert".

Dass er sich in den achtziger Jahren der Friedensbewegung anschloss, gegen Aufrüstung und die Stationierung der US-Pershing-Raketen auf der Heilbronner Waldheide kämpfte, war eine logische Folge. Auch die Linken sind Aufrüstungs- und Waffenexportgegner.

 

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