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Walter Kubach: Für ihn ist der Kapitalismus nicht das Ende

Zum dritten Mal sammelt Walter Kubach Stimmen für die Linke. Das wichtigste Thema für den 62-Jährigen: soziale Gerechtigkeit.

Von Christian Gleichauf
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Für ihn ist der Kapitalismus nicht das Ende
Walter Kubach zeigt vor dem Bietigheimer Krankenhaus mit Playmobil-Figuren, wie aus weniger Arbeitsplätzen mehr werden: Indem sie halbiert werden. Stattdessen müssten Gewinne gleichmäßig verteilt werden.Foto: Werner Kuhnle

Wenn Walter Kubach in Bietigheim-Bissingen Wahlkampf macht, dann dauert es nicht lange, bis man ihn anspricht. Zum dritten Mal tritt der Mundelsheimer inzwischen für die Linken an. Und wieder meint er es ernst. "So viele Stimmen sammeln wie möglich", sagt er und zeigt auf sein Wahlplakat: Zweitstimmen für die Bundespartei.

Um zu illustrieren, worum es ihm geht, nutzt er gerne originelle Ansätze. Diesmal hat er Playmobil-Figuren zur "Reise nach Präkeristan" aufgestellt. Anders als bei der Reise nach Jerusalem werden hier nicht nur Stühle weggenommen, sondern auch auseinandergebaut. "Das hat man mit den Arbeitsplätzen gemacht, als es weniger Arbeit gab: Man hat sie halbiert, damit es mehr werden." Jetzt könne man nur nicht mehr drauf sitzen.

Kubach hat Erfahrung bei diesem Thema. Als Betriebsrat bei Xerox hat er den Abbau von mehr als 3000 Arbeitsplätzen "begleitet", 2005 war er dann selbst an der Reihe und durfte sein Entlassungsschreiben entgegennehmen. Die Mitspracherechte von Betriebsräten und Gewerkschaften wieder stärken ist deshalb eines seiner Hauptanliegen. Und für Arbeitnehmer wichtig: Die "sachgrundlose Befristung" müsse wieder abgeschafft werden.

Die Gefahren des GKN im Blick

Der 62-Jährige stammt aus dem Wahlkreis, in dem er antritt. Aufgewachsen in Marbach, wohnt er heute in Mundelsheim. So beschäftigt ihn auch ganz persönlich, welche Gefahren vom wenige Kilometer entfernten Kernkraftwerk in Neckarwestheim ausgehen. "Das hat bei mir 1986 mit Tschernobyl angefangen. Da sind meine Frau und ich gerade nach Mundelsheim gezogen." Bei den Grünen fand er trotzdem keine Heimat. "Die haben nur mal so ausgesehen, als ob sie links wären. Aber das Thema Arbeit hat sie doch nie interessiert."

Für ihn ist der Kapitalismus nicht das Ende

Links ist für Kubach keine grobe Verortung im politischen Spektrum, sondern Marx, Sozialismus, die Internationale. Und das, obwohl er anerkennt, dass die Marktwirtschaft in der Lage sei, einen "unglaublichen Fortschritt" zu produzieren. "Ich glaube aber nicht, dass der ausbeuterische Kapitalismus das Ende der Geschichte ist." Auch in einer sozialen Marktwirtschaft lasse sich der Einfluss der Reichen nicht wirksam begrenzen. Deshalb glaubt er fest an das Ziel, die immer höheren Gewinne der Unternehmen, die mit immer weniger Arbeit erzielt werden, gleichmäßig zu verteilen. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Vorerst gehe es aber erst einmal darum, die "schlimmsten Missstände" zu beseitigen. So etwa im Gesundheitswesen. Als Platz für das Gespräch hat er sich deshalb einen Grünstreifen neben dem Bietigheimer Krankenhaus ausgesucht. Als Kreisrat hat er dagegen gekämpft, dass die Krankenhäuser in Vaihingen und Marbach geschlossen werden. Verhindern konnten es die vier Linken im Kreistag nicht. Genauso wenig wie im Landkreis Heilbronn die Schließung von Brackenheim und Möckmühl verhindert worden sei.

"Es geht hier doch nur noch darum, Gewinne zu machen", sagt Kubach. Und die Leute seien zwar froh, dass das Krankenhaus in Bietigheim-Bissingen mit seinen 200 Betten gestärkt wurde. "Aber in zehn Jahren wird das mit der gleichen Argumentation wie bei den anderen zugemacht", ist Kubach überzeugt. Was ihn besonders ärgert: "Dann gibt es auch noch eine Abwrackprämie für die kleinen Krankenhäuser." Geld für die Schließung.

Gegen die Hartz-Reformen aktiv geworden

Für ihn ist der Kapitalismus nicht das Ende
Hier ein Bild von Anfang der 70er Jahre. Kubach absolvierte eine Elektrikerlehre bei Siemens.Fotos: privat

Initialzündung für Kubachs Weg in die Politik war im Jahr 2002, als er in Berlin gegen die von Peter Hartz vorgeschlagenen Arbeitsmarktreformen demonstrierte. Es war die Gründungsphase der "Wahlalternative für soziale Gerechtigkeit", Vorläufer der Linkspartei. In dieser WASG, aus der dann "Die Linke" wurde, wollte er sich engagieren. Dann erlebte er 2005 den Absturz in die Arbeitslosigkeit, aus der ihm die Partei wieder heraushalf. 2007 holte ihn Ulrich Maurer, ehemaliger SPD-Fraktionschef im Landtag und später Bundestagsabgeordneter für die Linken, in sein Stuttgarter Büro.

Ein Glücksfall für Kubach. Bis heute arbeitet er dort, inzwischen für den Abgeordneten Michael Schlecht. Die Unsicherheit ist geblieben. "Ich habe mich gerade wieder arbeitssuchend melden müssen", sagt er. Als Mitarbeiter eines Abgeordneten bekommt man auch bei den Linken nur Vier-Jahres-Verträge. Gerne will er aber weiter gegen Ungerechtigkeiten kämpfen.

 

 

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