Kandidatenporträt
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Thomas Utz: Der Unparteiische ergreift Partei für die Schwachen

Der 28-jährige Thomas Utz aus Murr möchte für die SPD möglichst viele Stimmen holen und die Wirtschaft stärken

Von Reto Bosch
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Der Unparteiische ergreift Partei für die Schwachen
Thomas Utz auf dem Dorfplatz in Murr: Der 28-Jährige ist fest in der Gemeinde verwurzelt, Mitglied in mehreren Vereinen.

Schiedsrichter müssen unparteiisch sein, sich so gut wie möglich im Hintergrund halten, zuweilen diplomatisch agieren. Thomas Utz hat viele Fußballspiele geleitet − doch jetzt kommt es auf ganz andere Eigenschaften an. Er muss parteiisch sein, sich in den Vordergrund spielen, zuweilen zuspitzen. Der 28-jährige Banker aus Murr tritt für die SPD im Wahlkreis Neckar-Zaber an. Gegen den Platzhirsch Eberhard Gienger. Doch das macht Utz nicht bange: "Ich werde bis zum 24. September alles geben."

Thomas Utz, geboren 1989 in Dresden, gehört zu den Menschen, die im Elternhaus politisch sozialisiert werden. Sein Vater ist glühender Anhänger der SPD-Granden Willy Brandt und Helmut Schmidt. "Diese Faszination hat sich auf mich übertragen." Mit 16 Jahren gibt er seinen Mitgliedsantrag ab − nach der Abwahl von Gerhard Schröder. Bei dieser Entscheidung mag ein gewisser Trotz eine Rolle spielen, doch ein Strohfeuer ist das nicht. Thomas Utz engagiert sich weiter politisch, zum Beispiel als stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender im Landkreis Ludwigsburg. Er unterstützt Thorsten Majer bei dessen Bundestagskandidatur. Und nun ist er Majers Nachfolger. "Einige Ortsvereine sind auf mich zugekommen." Utz spürt großen politischen Rückhalt, die Familie und Freunde stehen hinter ihm, am Ende der Entschluss: Er macht es.

Freizeit-Fußballer und Bankberater

Der Unparteiische ergreift Partei für die Schwachen

Der 28-jährige Freizeit-Fußballer arbeitet bei der Deutschen Bank. Berät mittelständische Unternehmen. Das färbt auf seine politischen Schwerpunkte ab. Soziale Gerechtigkeit ist auch ihm wichtig. "Es kann nicht sein, dass 50 Prozent des Nettoeinkommens nur zehn Prozent der Bevölkerung gehören." Ein zu starkes Ungleichgewicht sei ein Risiko für demokratische Strukturen. Aber: Man könne nur das Geld verteilen, "das man über Steuern einnehmen kann". Deshalb sei eine florierende Wirtschaft von großer Bedeutung.

Aufgabe von Politik sei auch, Unternehmen in die Lage zu versetzen, zu investieren. Oder: Der Bund müsse sich stärker im Bildungsbereich engagieren können. Ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe sei auf gut ausgebildete Menschen angewiesen. Ungerecht sei zum Beispiel, dass angehende Meister ihre Ausbildung selbst bezahlen müssten, ein Studium aber weitgehend kostenfrei sei. Zu sozialer Gerechtigkeit und Wirtschaftssstärke gesellt Thomas Utz noch Zukunftsinvestitionen. Etwa in den öffentlichen Nahverkehr. Attraktivere Verbindungen seien dringend notwendig.

Aktiv in den Sozialen Medien

Der Unparteiische ergreift Partei für die Schwachen
Damals stand er im Tor, heute spielt Thomas Utz lieber Außenverteidiger.

Der 28-jährige Kandidat spielt auf der gesamten Klaviatur digitaler Medien. Internet, Facebook, Instagram. Er firmiert online unter "unserUtz". Klingt das nicht etwas anbiedernd? Er schüttelt den Kopf. "Ich bin ein offener Mensch, gehe gerne auf die Leute zu." Allein auf digitale Kommunikation zu setzen, wäre aus Sicht des Kandidaten ein Fehler. "Ein persönliches Gespräch ist durch nichts zu ersetzen."

Es gehört Mut dazu, sich mit 28 Jahren einer Kandidatur und damit der Öffentlichkeit auszusetzen. Vielleicht hat sich Thomas Utz auch in dieser Hinsicht an seinem Vater orientiert. Der Bauingenieur hat 1990 die Koffer gepackt und ist mit der Familie von Dresden nach Murr gezogen. Er hat das alte Leben verlassen, um ein neues zu beginnen. "Diese Entschlossenheit nötigt mir noch heute großen Respekt ab", sagt Thomas Utz − der mit seiner Kandidatur im Übrigen auch zeigen will, dass "uns jüngeren Menschen die Zukunft nicht egal ist". Bis zum Wahltag kommt es nun darauf an, dass der Murrer seine Positionen überzeugend vertritt und er darf sich von Kritik nicht allzu sehr beeindrucken lassen − genau wie ein Schiedsrichter.

 

 
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