Kandidatenporträt
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Eberhard Gienger: Aufgeschlossen sein, Gutes erhalten

Der 66-jährige Eberhard Gienger will wieder für die CDU in den Bundestag

Von Reto Bosch
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Aufgeschlossen sein, Gutes erhalten

Eberhard Gienger (CDU) hat sich als Hochleistungssportler und Weltmeister einen Namen gemacht. Damals schaute die Welt auf ihn, heute gehört er im Bundestag eher nicht zu den profiliertesten Politikern. Aber: Zu Beginn völlig fachfremd hat sich der inzwischen 66-Jährige durchgebissen. Seit fast 16 Jahren sitzt der Turner aus Bietigheim-Bissingen nun für den Wahlkreis Neckar-Zaber im Bundestag. Und wenn es nach dem Willen Giengers und seiner Parteifreunde geht, kommen vier weitere dazu.

Dem Sport hat Eberhard Gienger viel zu verdanken. Eine glänzende Karriere. Unzählige menschliche Kontakte. Das Gespür für Fairness. Disziplin. Mut. Und seine politische Laufbahn. Weil er einen prominenten Namen hatte, wurde die CDU auf ihn aufmerksam. "Matthias Wissmann hat mich gefragt, ob ich in die Politik will", erinnert sich der 66-Jährige. Er lehnte nicht kategorisch ab, Wissmann setzte nach. Am Ende sagte Eberhard Gienger zu, holte sich das Mandat. Die Anfangszeit? Hart. Aber der Sportler konnte kämpfen. Und er ist froh, durchgehalten zu haben.

"Bundespolitik hat mich vorsichtiger gemacht"

Aufgeschlossen sein, Gutes erhalten

"Die Bundespolitik ist ein Feld, das unheimlich viel zu bieten hat", findet Eberhard Gienger. Man lerne nie aus, erweitere ständig seinen Horizont. Das klingt gut, aber die Bundespolitik verändert doch auch den Menschen, oder nicht? Gienger denkt nach. Nickt. "Sie hat mich vorsichtiger gemacht." Spontane, emotionale Reaktionen verkneife er sich, atme erst einmal durch. "Erschreckend ist, wie man in Berlin zuweilen miteinander umgeht." Manche Debatten würden unter der Gürtellinie geführt. Der Bundestag, ein Haifischbecken? Der 66-Jährige zögert. Er entscheidet sich dann aber doch für das politisch Korrektere: "Es wird mit harten Bandagen gekämpft."

Auf dem Siegerpodest stand er regelmäßig ganz oben, als Ort für dieses Gespräch hat sich Eberhard Gienger einen Punkt mit Aussicht ausgesucht. Burg Stettenfels in Untergruppenbach. "Ich liebe diesen Ausblick." Die schöne Landschaft, das Bosch-Entwicklungszentrum, die Löwensteiner Windräder. Aus all diesen Puzzleteilen setzt Gienger eine in seinen Augen sehr attraktive Region zusammen. Eine Region, die Wirtschaft und Natur vereint. Und die Burg selbst? Ein Symbol für den konservativen Impuls, Bestehendes zu bewahren? "Man darf nicht einfach Altem nachhängen, man muss aufgeschlossen sein und dann das Gute erhalten."

Engagiert zum Thema Sport

Aufgeschlossen sein, Gutes erhalten

Eberhard Gienger ist Mitglied im Sportausschuss, sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Wahlkreis organisiert er Diskussionsveranstaltungen, etwa zum Thema Landwirtschaft, debattiert über die große Bedeutung des Ehrenamts. Viele Anfragen erreichten Gienger aber vor allem wegen der Flüchtlinge. "Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre das nicht zu schaffen gewesen." Die inzwischen oft kritisierte Entscheidung der Bundeskanzlerin, im September 2015 die Grenzen zu öffnen, hält er immer noch für richtig. Dass dadurch eine Sogwirkung entstanden sei und viele unregistrierte Menschen ins Land kamen, sei dagegen problematisch. "Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen, den Menschen eine Perspektive in ihrer Heimat geben."

Eberhard Gienger, der einstige Spitzensportler, ist heute in die Fraktionsdisziplin eingebunden. Eine Ausnahme gab es zuletzt bei der Abstimmung über die gleichgeschlechtliche Ehe − die Gienger ablehnt. "Der Begriff Ehe ist für mich besetzt." Würde er sich wünschen, häufiger frei nach seinem Gewissen abstimmen zu können? Da wird aus dem Einzel- ein Teamsportler: "Wie soll man so Politik machen. Man muss Mehrheiten in der Fraktion gewinnen."

 
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