Kandidatenporträt
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Catherine Kern: Sie will Ziele hoch stecken, um etwas zu erreichen

Die gebürtige Britin Catherine Kern steht für die Grünen zur Wahl. Sie will mehr sozialen Wohnungsbau vorantreiben.

Von Christian Gleichauf
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Sie will Ziele hoch stecken, um etwas zu erreichen
Catherine Kern mit dem Hollandrad am Bahnhof von Nordheim: Umweltbewusste Mobilität spielt auch privat eine große Rolle für die Öhringerin, die im Wahlkreis Neckar-Zaber für die Grünen antritt. E-Bike und E-Auto stehen zu Hause bereit.Foto: Dennis Mugler

Auf den Brexit wird Catherine Kern natürlich immer angesprochen, als gebürtige Britin muss sie damit leben. "Trotzdem ist die große Frage, ob er wirklich kommt", sagt die 55-Jährige, die inzwischen auch Deutsche ist, sich aber einfach als "Frau mit europäischem Hintergrund" bezeichnet. Als solche stellt sich die Grünen-Kandidatin am 24. September im Wahlkreis Neckar-Zaber zur Wahl.

Zum Gespräch kommt sie mit dem Rad. Also erst einmal ging es von ihrem Wohnort Öhringen mit der Stadtbahn nach Heilbronn, von dort mit Muskelkraft nach Nordheim − in den Wahlkreis, in dem sie nun antritt. Hier war sie erwünscht, in Hohenlohe gibt es mit Harald Ebner bereits einen grünen Abgeordneten. Nun will sie sich hier reinhängen, hat bis auf zwei oder drei schon fast alle Rathauschefs in den Kommunen besucht, sucht das Gespräch mit den Menschen.

Engagiert für den Nahverkehr

Bottwartal, Zabergäu − die Bahn-Initiativen im Wahlkreis will sie unterstützen, aber auch Verbesserungen auf den bestehenden Strecken erreichen. Der Bahnhof Nordheim ist für Kern ein gutes Beispiel, wie viel Nachholbedarf beim öffentlichen Nahverkehr besteht. "Es kann doch nicht sein, dass ein Land wie Deutschland hier so wenig tut." Schmutzige Treppenaufgänge, Automaten in der Sonne, wo man nichts erkennen kann. "Der Bahn geht es um die Dividende, aber das Kerngeschäft wird dabei vernachlässigt."

Sie will Ziele hoch stecken, um etwas zu erreichen

Auch bei anderen grünen Themen ist sie auf einer Linie mit ihrer Bundespartei − etwa beim Ausstieg aus der Verbrennungsmotoren-Technik bis 2030. "Dass Winfried Kretschmann als Ministerpräsident da eine andere Position hat, ist nachzuvollziehen", sagt Kern. Schließlich hängen viele Arbeitsplätze im Land dran. "Aber man muss sich manchmal die Ziele hoch stecken, um etwas zu erreichen."

Beispielsweise auch beim Thema Flächenverbrauch. Als Kind habe sie darüber nicht nachgedacht, obwohl sie schon früh mit dem Thema konfrontiert wurde. Das einschneidende Erlebnis: "Als die Slums von Liverpool niedergemacht wurden und die Leute in meinem Heimatort Runcorn umgesiedelt wurden. Tausende." Die Umgebung sei zugebaut worden, nur weil Immobilienunternehmer Kasse machen wollten, wie Kern beklagt. Obwohl auch Freundschaften in der neuen Nachbarschaft entstanden, hätten ihr die harten Jungs aus Liverpool damals das Leben ziemlich schwer gemacht: Zigaretten auf der Jacke ausgedrückt, den Kopf in die Toilette gesteckt. "Da lernt man fürs Leben, auch Durchsetzungsvermögen."

Gelernt habe sie damals auch, dass sich soziale Probleme nicht einfach in Luft auflösen, wenn man Menschen an einen anderen Ort bringt. Das Flüchtlingsproblem in Deutschland will sie damit allerdings nicht in Verbindung bringen. "In Liverpool herrschte kein Krieg", sagt Catherine Kern. Das Recht auf Asyl sei etwas anderes.

Aber: Man müsse investieren, wenn es soziale Problem gibt, und zwar in die Menschen. Damals wie heute. Zu wenig getan werde zudem im Sozialwohnungsbau, auch im Wahlkreis Neckar-Zaber.

Kämpferin für Europa

Sie will Ziele hoch stecken, um etwas zu erreichen
Auf der Terrasse des Elternhauses in Runcorn, England: Wenig später musste die Natur im Hintergrund Neubauten weichen.

Der Weg in die Politik war nicht schnurgerade. Anfangs in England vor allem gegen Thatcher, engagierte sie sich ab 2005 in Deutschland für die europäische Bewegung der "Newropeans" und kandidierte 2009 fürs Europaparlament. "Unser Ziel war, transnationale Parteien aufzubauen", erzählt Kern. Wegzukommen von nationalen Egoismen. Daraus wurde nichts: Auch wenn Catherine Kern mit ihrem Abschneiden als Unterschriften- und Stimmenkönigin zufrieden war, scheiterte die Partei. Dann kam die Bürgerliste UNS aus Öhringen auf Kern zu, seit 2011 sitzt sie für die UNS als Stadträtin im Öhringer Gemeinderat. Bei der Landtagswahl fehlten ihr nur wenige Hundert Stimmen für einen Einzug ins Parlament, jetzt soll es klappen. "Ich habe eine sportliche Chance", schätzt Kern.

Unterstützung erfährt sie dafür von ihrem Mann Bernd, den sie mit 19 Jahren kennenlernte und für den sie 1984 nach Deutschland kam. Die Familie war Ende der 90er Jahre schon einmal mit finanziell schwierigen Zeiten konfrontiert, und hat das überstanden. "Wir sind ein gutes Team", sagt Catherine Kern über sich und ihren Mann. Der hat bereits ausgesorgt, sie selbst hat noch eine kleine Firma mit vier Mitarbeitern, gibt Englischunterricht und übersetzt. Und bald möchte sie in Berlin Abgeordnete sein.

 

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