Heilbronn
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Auf dem Weg zum Filmemacher: Heilbronner Video-Produzenten geben einen Einblick in ihre Arbeit

Die Zwillinge Jan und Jens Weiss und Hoang-An Do arbeiten als Video-Produzenten. Was man dabei so erlebt und wie die Arbeit aussieht? Unsere Redaktion hat nachgefragt.

Von Milea Erzinger
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Lesezeit  3 Min

Ob Produktvideos von einem neuen Getränk, Werbevideos für einen Club oder der neuste Clip von Mercedes: Wie läuft solch eine Produktion ab? Und wie sieht es hinter den Kulissen aus? Stimmt!-Schreiberin Milea hat sich mit Hoang-An Do (Instagram: @hoangsship_films) und Jan Weiss (Instagram: @dscvr.twins) zusammengesetzt und über ihre Passion gesprochen: Das Filmen und Produzieren von Werbevideos.

Das Sichten und Aussortieren von Filmmaterial ist ein wesentlicher Bestandteil einer Produktion. Fotos: privat

Der Werdegang, also wie die Jungs zu diesem Beruf gekommen sind, hätte unterschiedlicher nicht sein können. Damals hatte Hoang getanzt und sich und sein Team gefilmt, um seine Videos anschließend auf YouTube zu stellen. Die Zwillinge Jens und Jan dagegen hatten ein duales Studium angefangen, wobei beide schnell merkten, dass ihnen dieser Beruf ganz und gar nicht liegt. Somit begannen sie zu reisen: Drei Monate durch Asien – von Bali über die Philippinen bis nach Thailand. Schon damals bekamen sie von Canon eine Kamera gesponsert, mit der sie ihren Trip durch Asien festgehalten, ihre Bilder auf Instagram hochgeladen und sich so eine Community aufgebaut haben.

So haben sich die Jungs immer mehr in die Materie des Videoschnitts reingefuchst und bekamen bald darauf, sowohl über ihre Beziehungen in der Musikbranche als auch durch Kooperationen über Instagram, ihre ersten Aufträge. „Wir haben uns alles durch YouTube-Videos und andere Creator beigebracht“, erzählt Jan, FPV Drone Pilot aus Heilbronn.

Wie ein Sprungbrett zu weiteren Aufträgen

Die ersten Aufträge hatten Jan und sein Zwillingsbruder Jens in der Fitnessbranche. Mittlerweile arbeiten die 26-Jährigen mit Unternehmen wie Assenheimer und Mulfinger oder Mercedes allgemein zusammen.

Die Zwillinge Jan und Jens.

Hoangs ersten Aufträge waren im Club, auf Dance-Battles. „2016 war das mein Nebenverdienst als Schüler und quasi mein Sprungbrett zu weiteren Aufträgen. Nachdem ich mit The Rooms Club aus Heilbronn zusammengearbeitet hatte, bekam ich immer mehr Aufträge und finanzierte mir von meinem Verdienst mein erstes richtiges Equipment“, erzählt der 24-jährige Director of Photography (DoP).

Die Schwerpunkte ihrer Arbeit beschreiben die Jungs über den jeweils anderen wie folgt: „Hoang ist ein unglaublich guter Cutter“, schwärmt Jan. „Er ist super schnell, wenn es darum geht, Videos zu schneiden. Er ist super bei der Kameraführung und der beste Cutter, den ich bis jetzt kennengelernt habe.“ „Bei Jan und Jens sprechen die Shots für sich“, so Hoang. „FPV Drone Pilots sind bisher noch relativ unbekannt in Deutschland. Die Jungs haben bereits sehr viel Liebe, Zeit und Nerven in ihre Shots investiert, was besonders bei dieser teuren Art von Drohne ein riskantes Spiel ist. Die beiden riskieren eben viel für ein besonderes Ergebnis.“

Der 24-jährige Hoang hat seine Passion zum Beruf gemacht.

Die Frage, ob ihr Beruf manchmal unterschätzt wird, bejahen die Jungs. Besonders der Prozess hinter den fertigen Videos wird unterschätzt, sagt Hoang. „Oftmals sind es Privatpersonen, die mal eben schnell ein Video geschnitten bekommen wollen oder uns fragen, ob wir mal kurz einen Clip drehen können“, ergänzt Jan. „Das ist, als würde man einem Maler einen Eimer Farbe hinstellen und fragen, ob er mal eben das Wohnzimmer streichen kann – so leicht ist das nicht.“

Eine Produktion umfasst viele Bereiche

Um etwas besser hinter die Kulissen ihres Berufs schauen zu können, erzählen die Jungs von einem typischen Ablauf einer Produktion. „Sie umfasst verschiedene Bereiche: die Konzeption, den Dreh und die Nachbearbeitung“, erklärt Hoang. „In der Konzeption redet man mit dem Kunden darüber, was er sich vorstellt und wie es umzusetzen ist. Sobald das feststeht, drehen wir alles am Set. Der wohl aufwendigste Punkt ist dann die Nachbearbeitung: Hier werden viele, nicht brauchbare Dateien aussortiert. Das kann auch mal mehrere Tage in Anspruch nehmen. Ist dann der Roh-Cut fertig, wird sich im nächsten Schritt um das Colour Grading (Farbkorrektur) und zum Schluss um die Soundeffekte gekümmert.“

„Gehen wir von normalen Anforderungen beziehungsweise von einem normalen Clip aus, brauchen Jens und ich in der Regel eine halbe Stunde für ein TikTok (Filmen und Schneiden) und für eine High-End- Produktion (15-20 Sekunden-Clip) gut mal bis zu zwei Tage“, erzählt Jan. „Das hängt natürlich auch davon ab mit was gefilmt wird, also mit der Kamera oder dem Handy.“ Hoang ergänzt: „Das ist wie beim Kochen. Für ein 5-Gänge-Menü braucht man eben länger als für ein belegtes Brötchen.“

Mercedes-Dreh in Island als Highlight 

Das Projekt, das den Zwillingen bis jetzt am meisten Spaß gemacht hat, war der Dreh für Mercedes in Island. „Dort waren wir vier Tage für den Dreh des neuen EQE. Besonders wegen der atemberaubenden Landschaft war das wohl unser Highlight in der letzten Zeit“, so Jan. Für Hoang haben Produktvideos, bei denen er kreativ werden kann, einen hohen Stellenwert, wie er sagt. „Videos mit schnellen Cuts sind das, was ich liebe.“ Bei Problemen oder Herausforderungen unterstützen sich die Jungs gegenseitig. „Wir arbeiten viel zusammen, und je nachdem wie groß eine Produktion wird, buchen wir noch Leute aus unserem Freundeskreis hinzu. Jeder hat seine eigenen Skills“, erläutert Jan. „Es ist sehr wichtig, als Team kooperieren zu können, allein kommt man auf Dauer nicht so weit“, findet auch Hoang, denn: „Man kann eben nicht in allem perfekt sein.“

Wünsche für die Zukunft 

Für die Zukunft haben die Jungs konkrete Ziele: „Ich möchte mich noch weiter in Richtung Special/After Effects entwickeln und auch irgendwann für die High Production cutten“, erzählt Hoang. „Ich sehe mich und meinen Zwillingsbruder Jens irgendwann in der Filmproduktion, beispielsweise für Netflix. Außerdem möchten wir mit unserer Drohne in Zukunft für die großen Commercials fliegen“, so Jan.

 


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