Wal-Rettung im Livestream: Tier war zeitweise in völliger Panik
Gibt es noch Hoffnung für den erneut gestrandeten Buckelwal vor Poel? "Timmy" hat sich über Nacht nicht bewegt. Nun sind Helfer und ein Boot vor Ort und bedecken das Tier mit Tüchern.

Kurzzeitig sah es so aus, als würde Buckelwal "Timmy" – oder auch Hope genannt – den Weg in die Freiheit schaffen. Doch das Tier strandete erneut vor der Ostsee-Insel Poel. Die private Rettungsinitiative gab am Dienstag jedoch nicht auf. Nachdem sie den ganzen Tag damit beschäftigt gewesen waren, Schlick unter dem tonnenschweren Tier abzusaugen und wegzublasen, lag der Wal am Abend wie erhofft tiefer im Wasser. Das lindert seine Not, weil der Wal in zu flachem Wasser von seinem eigenen Gewicht erdrückt werden könnte.
Am Mittwoch ist jedoch klar: Der Wal hat sich in der Nacht nicht bewegt. Das Niedrigwasser bleibt aber ein Problem. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie teilte am Morgen mit, dass der Wasserstand aktuell 20 Zentimeter unter dem normalen Niveau liege. Gegen 12 Uhr steigt der Wasserstand der Vorhersage nach um etwa 15 Zentimeter, bevor er gegen Abend wieder um rund 15 Zentimeter sinken soll.
Livestream zeigt Wal-Rettung in der Ostsee: Helfer kümmern sich um „Timmy“
Der Wal war – nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte – am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Bei der Geleitaktion für den Buckelwal vor Poel ist das Tier nach Angaben aus dem Team der Privatinitiative zu seiner Rettung zeitweise in völlige Panik geraten. Das sagte der zum Team gehörende Schriftsteller Sergio Bambaren auf Poel.
Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt. Das gesamte Vorhaben sei hochkomplex, sagte Bambaren. Nach Meinung des Schriftstellers hat der Meeressäuger eine Überlebenschance von 50 Prozent. "Der Wal will leben und ist ein Kämpfer."
Meeresbiologe rät zur Zurückhaltung: Zusätzlicher Stress könnte Lage des Buckelwals verschärfen
Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier angebracht – wenn es sich also befreien und davonschwimmen sollte, könnte sein Weg verfolgt werden.
Ob es dazu kommt, ist offen. Backhaus sagte, der Wal sei kurzatmig und in einem kritischen Zustand, aber dennoch vital und habe eine Chance. Der Walforscher Fabian Ritter plädierte erneut dafür, das Tier in Ruhe zu lassen, um es nicht weiterem Stress auszusetzen.
Unruhe im Rettungsteam: Personalwechsel und Differenzen belasten die private Initiative
Unterdessen verließen nach der gescheiterten Hilfsaktion vom Vortag mehrere Teammitglieder die private Initiative, teils nur zeitweise. Christiane Freifrau von Gregory, die als Pressesprecherin auftrat, trat zunächst zurück und begründete das damit, dass eine konstruktive und professionelle Zusammenarbeit unter den derzeitigen Rahmenbedingungen "für uns" nicht mehr möglich sei. Wenig später erklärte sie ihre Rückkehr. Unklarheiten seien geklärt worden.
Die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert wurde am Montag mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, wie Backhaus sagte. Auch eine weitere Tierärztin fällt demnach aus. "Ich habe natürlich auch mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin abgereist ist", sagte Backhaus am Morgen. Zuvor hatten Medien berichtet, dass Jenna Wallace wegen Differenzen im Team abgereist sei. Nach Angaben der Initiative beteiligt sich neu die Tierärztin Kirsten Tönnies.
Erste Sichtungen bereits vor rund sieben Wochen
Erste Sichtungen des Wals hatte es Anfang März gegeben. Am 3. März tauchte der Buckelwal im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Gegen Abend schwamm er wieder Richtung Ostsee. In den Tagen darauf wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesehen. Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.
Am 23. März strandete der Wal das erste Mal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Umfangreiche Rettungsversuche starteten, das Tier schwamm schließlich selbst los. Wenige Tage später strandete es auf einer Sandbank in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand schwamm der Wal in der Nacht kurzzeitig weiter, lag kurz darauf in der Wismarbucht wieder auf, schwamm erneut weiter. Seit 31. März saß er dann erneut fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht. Am Montag folgte die fünfte Strandung.

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