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Wie unser Essen die Gesundheit der Gelenke beeinflusst

Nicht nur Übergewicht belastet die Gelenke. Auch falsche Ernährung mit zu viel Fleisch, Weißmehl, Zucker und Fett ist schädlich. Wie es besser geht, erklärt die Heilbronner AOK-Expertin Iris Baumann.

Valerie Blass
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Lesezeit 2 Min
Wie unser Essen die Gesundheit der Gelenke beeinflusst
 Foto: Vadym

Nicht nur zu hohes Gewicht belastet die Gelenke, auch falsche Ernährung mit zu viel Fleisch, Weißmehl, Zucker und Fett. Sie kann entzündliche und schmerzhafte Prozesse in den Gelenken begünstigen. Iris Baumann, Ernährungsberaterin bei der AOK für die Region Heilbronn, erklärt, wie das alles zusammenhängt.

Dass zu viel Last für die Gelenke nicht gut sein kann, ist mechanisch gesehen einleuchtend. Sie sagen: Auch die Art der Ernährung beeinflusst die Gelenkgesundheit.

Iris Baumann: Ja, das stimmt. Man kann zwar Gelenkerkrankungen durch Essen nicht heilen, aber man kann sich anti-entzündlich ernähren und damit zum Beispiel eine Arthrose, also Gelenkverschleiß, positiv beeinflussen.

Wie geht das?

Baumann: Die meisten Leute, die zu mir kommen, tun das wegen Übergewicht oder extremem Übergewicht, die sogenannte Adipositas. Auch um davon wegzukommen, empfehlen wir eine Ernährungsumstellung nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Beides hängt natürlich zusammen.

Wie sieht eine gesunde Ernährung aus, die sich positiv auf Gewicht und Gelenke auswirkt?

Baumann: Vereinfacht gesagt besteht sie aus viel Gemüse, Hülsenfrüchten − also zum Beispiel Linsen in allen Farben oder Kichererbsen − und Obst. Auch hochwertige reine Öle mit reichlich Omega-3-Fettsäuren wie Leinöl oder Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele sind empfehlenswert.

Was gilt es zu reduzieren?

Baumann: Nur in Maßen essen sollte man Fleisch, vor allem rotes Fleisch kann Entzündungen begünstigen. In stark verarbeitetem Fleisch oder Wurst ist zudem sehr viel Fett, das ist nicht gut − ebenso wie Zucker, Weißmehl oder Fastfood. Und was viele Menschen vergessen: Die Wirkung von Süßgetränken. In Limonaden oder Säften ist enorm viel Zucker. Der Konsum ist also weder für Gewicht, noch für Gelenke oder Zähne gut.

Im Prinzip predigen Ernährungsexperten das alles seit Jahren. Ist die Erkenntnis noch nicht in der breiten Bevölkerung angekommen?

Baumann: Doch, die meisten Leute wissen schon ziemlich viel über gesunde Ernährung. Die Schwierigkeit ist häufig die Umsetzung. Am besten ist es natürlich, frisch zu kochen, mit möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln, gern auch mit Tiefkühlware wie gefrorenem Gemüse, wenn wenig Zeit ist. Und wenn es unbedingt eine Pizza sein muss, rate ich dazu, sie aufzupeppen, also sich die Pizza zum Beispiel zu teilen und dazu einen großen Salat zu essen. Verbote bringen nichts, wir müssen versuchen, die Menschen da abzuholen, wo sie sind.

Was ist von Diäten zu halten?

Baumann: Nichts. Es geht darum, eine langfristige Veränderung der Essgewohnheiten in kleinen Schritten hinzubekommen. Auf Vollkornprodukte umstellen, die wegen der Ballaststoffe besser sättigen, eine breite Vielfalt in den Speiseplan einführen. Und sich klarmachen, dass man die Wochenration an Fleisch und Wurst eigentlich voll hat, wenn man beim Grillabend ein Steak und eine Knackwurst und zusätzlich noch eine Fleischmahlzeit isst. Viele Menschen haben auch noch eine falsche Vorstellung davon, was vegetarisch essen bedeutet.

Nämlich?

Baumann: Eben nicht nur süßen Reisauflauf, Pfannkuchen und Grießbrei. Vegetarisch kochen bedeutet viele Gemüsegerichte entsprechend der Saison. Couscous und Bulgur können eine Bereicherung sein, dazu Hülsenfrüchte, die viele Ballaststoffe haben und gut sättigen. Mein Tipp bei Beratungen ist: einen Wochen-Speiseplan machen und gezielt einkaufen gehen.

Wie sieht es mit dem Bedarf an Vitamin D und Kalzium aus?

Baumann: Wer gesund ist, sich abwechslungsreich ernährt und viel an der frischen Luft bewegt, kann den normalerweise auf natürlichem Weg decken. Bei Osteoporose-Patienten könnte man im Winter den Vitamin-D-Spiegel messen lassen und unter Umständen ein Vitamin-D-Präparat auf ärztliche Empfehlung einnehmen.

Wie unser Essen die Gesundheit der Gelenke beeinflusst
 Foto: Privat
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