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Urlaub mit gutem Gewissen

Kuckucksuhren und Schinken reichen schon lange nicht mehr aus, Touristen in den Hochschwarzwald zu locken. Der Tourismusverband setzt deshalb seit einigen Jahren auch auf Umweltthemen - mit ausgezeichnetem Erfolg.

Milva Klöppel
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Urlaub mit gutem Gewissen
Egal ob mit oder ohne elektrischem Antrieb: Mountainbiker finden im Hochschwarzwald tolle Tourenvorschläge. Foto: Klöppel  Foto: Gerhard Ledwinka

Thüringer Waldziegen sind wählerische Fresser. Wiesenkräuter und Co. oberhalb des Schluchsees scheinen Zita, Glöckli, Helga sowie den elf weiteren Ziegen von Johannes Till allerdings bestens zu munden. "Genau wie die Hinterwälder Rinder sind sie sehr gut an die rauen Bedingungen des Hochschwarzwalds angepasst", sagt der 33-Jährige, der den Bergbauernhof Till in Äule betreibt, einem Weiler, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. "Beide Tierarten sind alte Nutztierrassen, die wir auch zu Zuchtzwecken im Herdbuch halten." Dadurch leistet Till, der 2019 gemeinsam mit seiner Frau Anne-Kathrin den elterlichen Betrieb übernahm, einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft im Schwarzwald.

Milchproduktion

Aus der Ferne ist jetzt am späten Nachmittag ein mehrstimmiges Glockengeläut zu hören. Aufregung macht sich unter den Ziegen breit. Der tägliche Abtrieb beginnt gleich, später werden die Tiere im Stall gemolken. Für die Weiterverarbeitung der Milch ist Anne-Kathrin Till-Spatz zuständig. Der Ziegen- und Kuhkäse wird im Hofladen und auf Märkten als Berg-, Frisch- oder Schnittkäse sowie als Mozzarella und Feta verkauft - alles in Demeter-Qualität.

Schwarzwald - das klingt nach unberührter Natur, Ursprünglichkeit und langwährender Erholung. Auf dem Bergbauernhof von Familie Till ist alles drei greifbar. Doch wie kann die Partnerschaft von Natur und Tourismus in der gesamten Region bestmöglich gelingen? Dafür setzt sich der Tourismusverband Hochschwarzwald seit vielen Jahren ein. Seit 2016 ist die Ferienregion von "TourCert" als nachhaltiges Reiseziel zertifiziert. Hierbei fungiert der Tourismusverband als Impulsgeber, um nachhaltige Prozesse sowohl ökologisch wie auch ökonomisch anzustoßen.

Langsamreisen

Los geht das bereits mit der Anreise der Feriengäste. Wer sich aufs Langsamreisen mit der Bahn einlässt, für den beginnt das Abenteuer schon auf dem Weg zum Ziel. 45 Minuten dauert die Fahrt mit der "Höllentalbahn" von Freiburg bis zum Schluchsee - der steilsten Eisenbahnstrecke Deutschlands. Nicht nur Generationen von Kindern machen sich seit Jahrzehnten einen Spaß daraus, aus dem Fenster der Regionalbahn heraus das Hirschdenkmal auf einem Felsvorsprung zu erblicken. Die als Hirschsprung benannte Stelle ist die klammartige engste Stelle des Schwarzwälder Höllentals. Weiter geht es über eine Eisenbahnbrücke, die nicht nur Architekturfans begeistert - das Viadukt über die Ravennaschlucht. Das 36 Meter hohe und 224 Meter lange Viadukt ist der Nachfolger der bereits 1887 gebauten Brücke, die im zweiten Weltkrieg gesprengt wurde. In der Vorweihnachtszeit lädt traditionell unterhalb der Brücke ein Weihnachtsmarkt zum Glühwein in der wildromantischen Schwarzwaldkulisse ein. Coronabedingt fiel der Markt im vergangenen Jahr aus. Aktuell ist er für alle vier Adventswochenenden (Zugang mit 2G plus) geplant.

Nachhaltiger Weihnachtsmarkt

Auch beim Weihnachtsmarkt wird auf Nachhaltigkeit geachtet: Alle Anbieter von Speisen und Getränken stammen aus dem Schwarzwald - darunter auch Milchbauer Johannes Till mit seinem Food-Truck "Tolle Rolle". Der gesamte Strom für den Markt wird aus 100 Prozent Wasserkraft von Wasserkraftwerken am Hochrhein und den Kleinwasserkraftwerken im Schwarzwald gewonnen. Der Wärme- und Energiebedarf des am Fuße der Ravennaschlucht gelegenen Hofgut Sternen, wo man auch übernachten kann, wird seit 2016 durch das eigene Energie-Werk mit ausschließlich lokaler und erneuerbarer Energie versorgt.

Regionale Küche

Das Hofgut Sternen kann berühmte Übernachtungsgäste wie Marie-Antoinette, Tochter der Kaiserin Maria-Theresia, Johann Wolfgang von Goethe sowie den französischen Kaiser Napoleon III. aufzählen. Heute sind es vor allem Busreisen, die für Kuckucksuhren und regionale Küche Halt machen. Für den Hofgut-Inhaber Thomas Drubba ist "Nachhaltigkeit nicht nur ein Projekt". "Die Käsespätzle-Portionen haben wir in den letzten Jahren zum Beispiel verkleinert", erklärt Hotelier Drubba weiter. Davor seien regelmäßig große Mengen an Speiseresten im Müll gelandet. Heute würde der Koch die Menükarte gemeinsam mit dem örtlichen Metzger schreiben, um beispielsweise möglichst viel vom Schwein zu verwerten. Das Hofgut Sternen gehört zum Zusammenschluss "Naturpark-Wirte", der sich um die Jahrhundertwende im Naturpark Südschwarzwald formierte. Die Mitglieder haben sich die Verwendung von qualitativ hochwertigen, regionalen Produkten auf die Fahnen geschrieben. Durch die Kooperation mit lokalen Erzeugern wird die vielfältige, kleinräumig geprägte Landwirtschaft gestärkt.

E-Bike-Touren am Titisee

Bei Klaus-Günther Wiesler, Inhaber des Seehotels Wiesler sowie Vorsitzender der "Naturpark-Wirte", bekommen Gäste, die mit dem ÖPNV oder aber einem Elektro-Auto anreisen, einen Gutschein für einen sogenannten Klimateller - gesunde, klimafreundliche Küche. Beeindruckend: Ende vergangenen Jahres war der Betrieb des direkt am Titisee gelegenen Vier-Sterne-Hotels nahezu CO2-neutral. Apropos Titisee: Hier lohnt es sich, ein E-Bike auszuleihen und sowohl den See als auch die umliegenden dunklen, bis heute sehr ursprünglichen Wälder zu erkunden.

Zahlreiche kostenlose Wander- und Bike-Touren-Führer helfen bei der Wahl der Strecke - alle Heftchen sind klimaneutral und auf Umweltpapier gedruckt. Der Menzenschwander Wasserfall mit dem Geißenpfad als Rundwanderweg gehört zum Beispiel dazu.

Tipps und Infos

Anreise

Mit der Bahn geht es ab Heilbronn über Mannheim und Freiburg in rund vier Stunden umweltfreundlich in den Hochschwarzwald nach Titisee.

Übernachtungen

Seehotel Wiesler Übernachtung/Frühstück ab 95 Euro/Person (www.seehotel-wiesler.de); Kuckucksnester sind moderne Ferienwohnungen im Schwarzwald-Design ab 109 Euro/Tag (www.kuckucksnester.de).

Wandern und Radfahren

Im Hochschwarzwald gibt es ein Wegenetz von rund 2300 Kilometern, darunter zwölf ausgezeichnete Genießerpfade mit sechs bis 15 Kilometer langen Rundtouren. Auf zahlreichen Strecken kommen Mountain- und E-Biker auf ihre Kosten. Highlight ist der Gipfeltrail mit einer Länge von 140 Kilometern.

Weitere Informationen

www.hochschwarzwald.de

Urlaub mit gutem Gewissen
Der Menzenschwander Wasserfall ist zu jeder Jahreszeit ein gelungenes Ausflugsziel und Fotomotiv. Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH  Foto: Gerhard Ledwinka
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Johannes Till kennt jede seiner 14 Thüringer Waldziegen (links). Der Hochschwarzwald bietet tolle Möglichkeiten für Mountainbiker. Foto: Klöppel  Foto: Gerhard Ledwinka
Urlaub mit gutem Gewissen
Unter strengen Hygieneauflagen kann in diesem Jahr der Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht an den Adventswochenenden wieder öffnen. Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH  Foto: Gerhard Ledwinka
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Der Menzenschwander Wasserfall ist zu jeder Jahreszeit ein gelungenes Ausflugsziel und Fotomotiv. Fotos: Hochschwarzwald Tourismus GmbH  Foto: Gerhard Ledwinka
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