Südtirol
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Familienhotel mit Holzwerkstatt und Reiterhof

Das luxuriöse Feuerstein Nature Family im Pflerschtal am Brenner hat ein naturpädagogisches Konzept und sticht damit aus dem Gros vergleichbarer Hotels heraus

Stefanie Sapara
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Lesezeit 4 Min
Familienhotel mit Holzwerkstatt und Reiterhof
Ganz am Ende des Pflerschtals liegt das Hotel Feuerstein Nature Family.  Foto: Hotel Feuerstein/Hannes Niederkofler

Kreuzfahrtschiffe machen es schon lange vor und auch Urlaubshotels - nicht nur die All-Inclusive-Varianten der Pauschalreisewelt - ziehen nach: Sie werden zu einer ganz eigenen kleinen Urlaubsblase. Das trifft nie jedermanns Geschmack, dafür sind die Vorstellungen zu einer Auszeit zu unterschiedlich. Aber es trifft den Geschmack sehr vieler, wie man am Beispiel des Feuerstein Nature Family im Pflerschtal in Südtirol erleben kann. Das Fünf-Sterne-Haus ist ein Kinderhotel, das nicht nur übers ganze Jahr so gut wie ausgebucht ist, sondern aus dem Gros vergleichbarer Anlagen heraussticht.

Konzept steckt im Namen

Das Konzept steckt bereits im Namen. Natur - wenn auch ins Englische verpackt. Die Idee: Kindern das Draußen (wieder) näher bringen. Und das passt gut zur hiesigen Landschaft, denn im Pflerschtal, direkt am Brennerpass, unweit der Grenze zu Österreich, gibt es vor allem Wiesen und Berge. Es ist einsam hier und noch dazu liegt das Feuerstein ganz am Ende dieses schmalen Tals. Wer hierher fährt, ist tatsächlich: angekommen. Weiter geht es nicht. Und das ist schön. Das Auto kann in der Tiefgarage bleiben, bis es einen wieder nach Hause treibt. Denn die Wanderwege beginnen direkt am Haus.

Zum Höllen-Wasserfall

So erreicht der Naturfreund nach nur drei Kilometern schon den Cascata Inferno, den Wasserfall "Zur Hölle". Der ist natürlich deutlich schöner, als es sein Name vermuten lässt. Woher er kommt? Bei schönem Wetter "raucht" die Hölle - weil Wasserstaub aufsteigt. Laut Sage soll hier im frühen Mittelalter ein Pferd mit seinen scharrenden Hufen die erste Erzader freigelegt haben. Dies soll der Beginn des Bergbaus im Silbertal, wie Pflersch im Mittelalter genannt wurde, gewesen sein. Kurzum: Es braucht hier kein Auto, um direkt in einen auch für Kinder spannenden Wandertag starten zu können.

Familienwanderungen

Das Hotel bietet zudem selbst Touren hinaus ins Freie an, Familienwanderungen zum Beispiel, auch solche, die kinderwagentauglich sind. Oder das Team des Kidsclub geht auf Wasserfalltour mit den kleinen Entdeckern, falls die es cooler finden, mit den Betreuern als mit den Eltern loszuziehen.

Angelehnt an Montessori-Pädagogik

Allerdings ist das Angebot im Hotel selbst so reich, dass viele ihre Urlaubsauszeit vorwiegend auf dem Gelände des Feuerstein Nature Family selbst verbringen. Dort sucht man getreu dem Natur-Motto Videospielecken und Bällebäder vergeblich. Die Angebote sind schier grenzenlos und angelehnt an Grundzüge der Montessori-Pädagogik, wie Marketingleiterin Margit Haller erklärt. Die lautet bekanntermaßen: Hilf mir, es selbst zu tun. Für das Kinderangebot im Hotel bedeutet es: "Die Kinder sollen nicht nur irgendwie beschäftigt sein, sondern sich sinnvoll mit etwas auseinandersetzen, zum Beispiel, indem sie ihre Bastelmaterialien draußen selbst sammeln." 70 Stunden pro Woche gibt es für kleine Gäste das Angebot einer naturpädagogischen Kinderbetreuung - mit dabei ist Flammi, ein Feuersalamander, der im Pflerschtal natürlicherweise vorkommt. Das alles macht das Haus zum Ganzjahresbetrieb. Neben dem Hallenbad gibt es einen Naturbadeteich und ganz neu ist der angeschlossene Reiterhof, um auch Tiere - bekanntlich ein Lieblingsthema von Kindern - aufzugreifen. Hier wird mitgearbeitet, mitfüttert, mitgestriegelt - und klar: geritten.

Naturangebot (nicht nur) für Großstädter

"Wir haben viele Gäste aus der Großstadt", sagt Margit Haller. "Viele Kinder erleben damit hier etwas ganz Neues." Überhaupt merke man, dass die Gäste zunehmend ein Auge auf Nachhaltigkeit und ein bewussteres Leben hätten. Das ist hier zwar verbunden mit Fünf-Sterne-Komfort und viel Luxus, gleichzeitig holt man im Hotel ein wenig vom "Früher" zurück, wie es Margit Haller formuliert. "Bestes Beispiel ist die Holzwerkstatt." Die ist nicht nur räumlich ein Highlight in der sogenannten Scheune, einem großen Holzhaus, das einem traditionellen Südtiroler Bauernhof nachempfunden ist, sondern vor allem wegen des Angebots attraktiv. "Gehobelt und gefeilt, das haben die meisten Kinder noch nie", erklärt Margit Haller. Zwar kann es hier bei den vielen neugierigen Kindern auch mal wuselig-trubelig zugehen, aber das Angebot ist schön: Aus vorgeschnittenen Holzrohlingen - wie Gitarre, Katze, Elefant oder Ritterschwert - können sich die Kinder etwas aussuchen. Nach kurzer Einweisung geht es los: raspeln, feilen, schleifen, bei den Kleineren helfen noch die Eltern. "Die Kinder sollen mal das Material Holz kennenlernen", erklärt Günther Plattner, der nicht nur Werkstattmeister ist, sondern gelernter Bildhauer. "Mit einer Raspel und Schleifpapier kann man viel hinkriegen." Was genau, das sollen die Kinder - ganz nach Montessori - am besten selbst herausfinden. Das Konzept geht auch auf. "Die meisten Kinder sind schnell begeisterungsfähig. Da werden notfalls auch übereifrige Eltern, die es für die Kinder besser wissen, ausgebremst. "Wer seinem Kind sagt: ,Das musst du so machen", dem erkläre ich: Das Kind muss das selbst machen. Ob dann später irgendwo ein Loch ist oder nicht, ist egal. Aber für viele Eltern zählt nur noch Perfektion." Auf freundliche Art erfahren die Großen, dass es darum nicht geht. Es freut Plattner, wenn Eltern am Ende mit Lötkolben an der Werkbank sitzen und augenscheinlich nur noch bei dieser einen Sache sind. "Alles andere vergisst man dann." In der Holzwerkstatt schalten irgendwann auch die Großen ab.

Mit den eigenen Händen

Das passt zu Plattners Philosophie als Bildhauer. Ausdruck und Emotion, darum geht es ihm. "Proportionen spielen für mich keine Rolle." So ist es ihm wichtig, dass die Kinder erleben, wie sich mit den eigenen Händen etwas gestalten lässt, und "nicht nur Knöpfe und Schalter gedrückt werden können". Selbstgemachtes, das habe einen Wert. "Das fliegt nicht so schnell raus."

Es wird bei allem sehr viel, aber nicht nur an die Kinder gedacht. Das können Erwachsene bei Weinverkostung, im Spa und vor allem beim Abendessen erleben. Die Küche ist vorzüglich. Südtirolerisch eben.

Ein Ausflug ins hübsche Sterzing

Allerdings lohnt es sich - vor allem für die Großen -, in freien Minuten doch einmal das Auto aus der Garage zu holen. Sterzing ist nicht weit und ein wunderschönes, beschauliches Städtchen, das man auf der Fahrt über den Brenner und weiter gen Süden meist achtlos an der Autobahn liegen lässt. Aber die Altstadt mit ihren prächtigen Bürgerhäusern und dem mittelalterlichen Charme macht es einem leicht, sich auf Cappuccino oder Apero niederzulassen. Man tritt dann kurz heraus aus der Blase der ganz eigenen Feuerstein-Welt. Aber danach? Stellt man das Auto gerne bis zur Heimfahrt wieder in der Tiefgarage ab.

Familienhotel mit Holzwerkstatt und Reiterhof
Erst mal raspeln, dann kommt die Feile, zum Schluss das Schleifpapier. Am Ende haben die Kinder selbst etwas geschaffen − und das macht stolz. Fotos: Hotel Feuerstein/Social Ventures, Hannes Niederkofler, Herzlichkeit Photography, Sapara  Foto: Social Ventures
Familienhotel mit Holzwerkstatt und Reiterhof
Nach Sterzing ist es nicht weit − und ein Abstecher lohnt sich auf jeden Fall.  Foto: Sapara, Stefanie
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Werkstattmeister Günther Plattner ist gelernter Bildhauer.  Foto: Social Ventures
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