Ingelheim/Regensburg (dpa/tmn)
Lesezeichen setzen Merken

Grillst du noch oder smokst du schon?

Smoken liegt 2022 im Trend. Dafür kommen Räucher-Holzchips zum Einsatz, die Fleisch, Fisch und Gemüse einen besonderen Geschmack verleihen. Räuchertools lassen sich dabei auch selbst herstellen.

Von Lorena Simmel, dpa
  |    | 
Lesezeit 4 Min
Rauch-Garung
Beim Smoken werden die Speisen nicht direkt über dem Feuer, sondern in Heißluft oder Rauch über längere Zeit indirekt gegart.  Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Welche Räucherchips aus welcher Holzart können für welches Grillgut verwendet werden? Und auf welchen Grills räuchert es sich am besten? Diese Fragen bekommt Bart Mus in letzter Zeit häufiger zu hören.

Und das hat einen Grund: Dem Koch und Grillmeister der Grill Academy Ingelheim zufolge erfreut sich das Smoken immer größerer Beliebtheit. «Wir merken das in unseren Grillkursen», so Mus. «Die Leute stellen Fragen, die sie bis vor einigen Jahren noch nicht gestellt haben.»

Ohne Deckel kein Räuchern

Aber wie funktioniert das Räuchern eigentlich genau? Beim Smoken liegen die Speisen nicht direkt über dem Feuer, sondern werden in Heißluft oder Rauch über längere Zeit gegart.

«Bei einem herkömmlichen Kugelgrill können die Räucherholzchips direkt auf das glühende Kohlebett gelegt werden», erklärt Bart Mus, der für einen großen Grillhersteller Grillkurse gibt. Das Grillgut werde auf den Rost darüber gelegt und nimmt so den Rauchgeschmack an.

Wichtig sei, dass man die Chips eine Stunde vor Grillbeginn in Wasser einlegt und dann abtropfen lässt. Das verzögert zwar das Anqualmen, intensiviert aber den Geschmack der Speisen. Und: Der Grill braucht einen Deckel. Ohne verfliegt der Rauch in alle Himmelsrichtungen, statt ins Grillgut zu gehen.

Bei einem Gasgrill kann zum Smoken eine Räucherbox verwendet werden. Diese kann mit den Räucherchips gefüllt und direkt in den Grill gelegt werden. Der Grillrost wird entfernt und die Räucherbox auf die Abdeckung der Brenner gestellt. Wo genau im Grill die Box steht, sei eigentlich egal, sagt Bart Mus. «Hauptsache, der Deckel ist zu.»

Räucherboxen-DIY

Im Fachhandel sind Einweg-Räucherboxen aus Alu erhältlich. Wer das Smoken erstmal ausprobieren möchte, kann den «Sizzlebrothers»-Youtubern zufolge die gewässerten, abgetropften Holzpellets oder Räucherchips einfach in Alufolie einpacken, ein paar Löcher in die Folie stechen und das Räucherpäckchen so in den Grill legen.

Für Pulled Pork nach dieser Methode braucht es dann gleichzeitig etwa zehn solcher Päckchen. Da die Chips schnell verqualmen, muss man sie im Smoke-Prozess immer wieder auffüllen.

Das Holz macht den Geschmack

Die nächste Entscheidung betrifft die Holzart. «Räucherholz vom Apfel-, Kirsch- oder Pflaumenbaum bildet einen fruchtigen, milden Rauch», erklärt Maximilian Böhm von der Webseite «Raeucherchips.de».

Das Holz dieser Obstbäume eigne sich für alle Fleischsorten und Geflügel sowie für Gemüse und Obst. Das Grillgut erhält eine tief gelbliche, leicht braune Färbung. Tipp des Räucher-Experten: Das Obst selbst kann als gegrillter Nachtisch verwendet werden.

«Buchen- und Erlenholzchips sind etwas stärker im Geschmack», sagt Böhm. «Sie eignen sich besonders für Fisch, Seafood und veganes Grillgut.» Die markantesten, stärksten Holzsorten sind Mesquite und Hickory. Sie würden verwendet, um dem Fleisch eine ordentliche BBQ-Note zu verleihen. Die Pellets kommen oft aus den USA, wo der Hickorybaum heimisch ist.

Zur Herstellung von Räucherchips, -mehl oder -pellets wird oft das Stammholz von ausgedienten Bäumen verwendet. Es ist also eine Art Recycling, das auch zu Hause durchgeführt werden kann. Maximilian Böhm rät, immer Hart- oder Fruchtholz zu verwenden, keinesfalls harzige Nadelhölzer oder behandeltes Holz.

Den Weg bis zum Steak mitbedenken

Oliver Pozsgai, Grill-Coach und Gründer der Grillzentrale Leipzig, empfiehlt, eine weitere Art des Räucherns auszuprobieren: Die Zubereitung von Lachs auf einem Zedernholzbrett direkt im Grill. Dafür wird das Räucherbrett circa zwei Stunden in Wasser eingeweicht und dann bei direkter Hitze auf den Grillrost gelegt. Man wartet, bis es zu knistern und zu rauchen anfängt.

Währenddessen wird der Lachs auf der Haut vorportioniert und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Das Brett legt man in die indirekte Zone, darauf kommt der Fisch. Für sechs Minuten lässt man ihn den Rauch annehmen. Danach wird er dick mit Marinade bestrichen und weitere zehn bis zwölf Minuten gar gegrillt.

Ein Zwiebelkuchen ohne Speck, aber mit Rauchgeschmack

Zum Schluss noch dies: Raucharoma von Speck kann täuschend echt imitiert werden, so Bart Mus. Und zwar mit geräucherten Zwiebeln. Bei einem Zwiebelkuchen: «Einfach den Grill auf kleiner Hitze einschalten, Holzchips rein, die Zwiebeln schälen, in Scheiben schneiden, mit etwas Öl bepinseln und 20-45 Minuten räuchern.»

Dann Zwiebeln in der Pfanne dünsten und auf den Kuchen geben. «Alle werden denken, dass in dem Kuchen Speck drin ist. Natürlich wird ihn niemand sehen können, aber der Rauchgeschmack ist schön drin.»

Rezept für «3erlei Maishuhn» aus dem Smoker

Das Rezept für «3erlei Maishuhn» stammt aus dem Fleischgrillkurs von Oliver Pozsgai («Grillcoach-Oli»).

Zutaten:

1 Maishuhn a 2 Kilo, 500 ml hausgemachte BBQ-Soße, 80 g Polenta, 400 ml Geflügelfond, 100 Kräuter (Thymian, Rosmarin, Lorbeer), 60 g fein geriebener Parmesan, 30 g Butter, 1 Knoblauchzehe, 500 g reife Tomaten, 100 g gewässerte Holzchips

Grund-Brine (Lake): 1 l Wasser, 250 g Salz, 2 EL Zucker Gewürze: Meersalz, schwarzer Pfeffer, Rohzucker, Paprikapulver, Chiliflocken

Zubereitung:

1. Alle Zutaten für die Brine vermengen. Eine Gewürzmischung aus den aufgeführten Gewürzen herstellen.

2. Das Maishuhn zerteilen in Brust, Keule und Flügel und für 1 Stunde in der Brine ziehen lassen.

3. Aus dem Rest des Huhnes mit kaltem Wasser und den Kräutern/Knoblauch eine Brühe ansetzen.

4. Die Tomaten längs halbieren und mit Zucker/Salz würzen.

5. Den Grill/Smoker auf höchstens 120 Grad vorheizen (Briketts sind empfehlenswert). Eine Schale mit Wasser auf den Kohlerost stellen. Die Hühnerteile aus der Brine nehmen und trocken tupfen. Fleischseite mit der Gewürzmischung würzen. Ungefähr 1 1/2 Stunden smoken unter Zugabe der Holzchips auf die glühenden Briketts. Die BBQ-Soße und die Tomaten können auch gesmokt werden.

6. Die Brühe filtrieren. In der noch heißen Brühe das Polentagrieß quellen lassen. Mit der Butter und dem Parmesan verfeinern und mit Salz/Pfeffer abschmecken.

7. Die fertig gesmokten Hühnerteile auf der Haut (auf dem heißen Rost) nachknuspern.

8. Die Hühnerteile mundgerecht zerteilen und zusammen mit den Tomaten und der Polenta sowie der BBQ-Soße servieren.

Grillkurs
In Grillkursen interessieren sich Teilnehmer immer mehr dafür, wie sie mit ihrem herkömmlichen Grill auch Smoken können. Das geht. Dazu kommen Räucherholzchips direkt auf das glühende Kohlebett und das Grillgut direkt darüber auf den Rost.  Foto: Paul Elledge/Weber.com/dpa-tmn
Lachsforelle auf Zedernholzbrett
Zum Smoken der Lachsforelle wird das Zedernholzbrett zunächst für rund zwei Stunden in Wasser eingeweicht. Dann kommt es bei direkter Hitze auf den Grillrost. Wenn es anfängt zu knistern, kommt die Lachsforelle darauf und wird in die indirekte Zone geschoben.  Foto: Oliver Pozsgai/dpa-tmn
Maishuhn im Smoker
Die Flügelteile des Maishuhns werden ungefähr 90 Minuten unter der Zugabe mit Apfelholzchips auf die glühenden Briketts bei 120 Grad und geschlossenem Deckel geräuchert.  Foto: Oliver Pozsgai/dpa-tmn
Räucherbox mit den Räucherchips
Zum Smoken kann bei einem Gasgrill die Räucherbox mit den Räucherchips gefüllt und auf dem Grillrost neben den Speisen platziert werden. Wichtig ist nur, dass dann der Deckel geschlossen wird.  Foto: John Anthony Rizzo/weber.com/dpa-tmn
Smoker
Beim Smoken ist es wichtig, dass der Grill einen Deckel hat. Denn ohne Deckel würde der Rauch in alle Himmelsrichtungen verfliegen, statt ins Grillgut zu gehen.  Foto: weber.com/dpa-tmn
Holzchips von Obstbäumen zum Smoken
Für alle Fleischsorten, Geflügel sowie Gemüse und Obst eignen sich zum Smoken Holzchips von Obstbäumen. Das Grillgut erhält eine tiefe gelbliche, leicht braune Färbung.  Foto: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
Kommentare werden geladen
  Nach oben