Heilbronn/Langenburg
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Zeitreise mit zwei Porsche-Legenden

Eine kurvenreiche mit dem ehemaligen Rennfahrer Hans-Joachim Stuck im Porsche 911 Carrera RS 2.7. Route führt von Heilbronn nach Langenburg. Stuck erzählt aus seiner Karriere und trifft auf seinen Le Mans-Rennwagen Porsche 962.

Alexander Schnell
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Lesezeit 3 Min
Zeitreise mit zwei Porsche-Legenden
 Foto: Auto

Von einer Motorsport-Legende wie Hans-Joachim Stuck wird man nicht jeden Sonntagmorgen abgeholt. Schon gar nicht mit einem 50 Jahre alten Porsche 911 Carrera RS 2.7. "Komm, steig ein, dann starten wir durch", ruft Strietzel, wie er von vielen genannt wird, aus dem gelben Oldtimer, den Porsche aus seinem Museum am Stammsitz in Zuffenhausen bereitgestellt hat. "Herrlich, dass es solche Autos noch gibt", sagt Stuck, als er vom Hof des Porsche-Zentrums (PZ) in Heilbronn fährt. Hinter uns reihen sich etliche Kunden des PZ mit ihren Sportwagen ein und folgen dem gelben Elfer.

Erster Sportwagen mit Front- und Heckspoiler

Bei seiner Premiere 1972 ist das Fahrzeug der schnellste Seriensportwagen Deutschlands. Und der erste Elfer, dem Porsche den Titel "Carrera" mit auf den Weg gibt. Bis heute gilt der 911 Carrera RS 2,7 als Ikone. Damals ist er weltweit der erste Sportwagen mit einem Front- und einem Heckspoiler für mehr Fahrstabilität und einer gesteigerten Höchstgeschwindigkeit. 240 km/h, um genau zu sein. Vor allem der riesige "Entenbürzel" am Heck fällt sofort ins Auge.

Burgen, Schlösser und kleine Städtchen

Zeitreise mit zwei Porsche-Legenden
 Foto: Auto

So schnell geht es heute nicht voran in dem Schmuckstück. Mit flottem Landstraßentempo führt die Route in die Löwensteiner Berge. Weiter auf abwechslungsreichen Straßen. Vorbei an herrlichen Landschaften, die geprägt sind von Burgen, Schlössern und kleinen Städtchen im Hohenloher Land. Strietzel Stuck hinter dem Steuer strahlt mit der Sonne. Er nimmt den Beifahrer mit auf eine Zeitreise. Aber nicht nur im Hinblick auf das besondere Fahrzeug. Geschichten von und über ihn füllen ganze Bücher.

Zweifacher Sieger in Le Mans und DTM-Champion

Formel 1 ist er gefahren, zweimal hat er mit Porsche die 24 Stunden von Le Mans gewonnen, mit Audi wurde er 1990 Meister in der Tourenwagenserie DTM. "Wenn man ein guter Rennfahrer ist, muss man unbedingt mal das Indy 500, den Formel 1-Grand Prix von Monaco oder Le Mans gewonnen haben", sagt Stuck "Und in Le Mans ist mir das gelungen. Als ich da das erste Mal in der Mitte auf dem Stockerl stand, das werde ich in meinem Leben niemals vergessen."

Man könnte Stuck stundenlang zuhören

Stuck berichtet von den wilden Zeiten des Motorsports, in denen sich die Fahrer gegenseitig Streiche gespielt haben und die Sicherheitsstandards längst nicht so hoch waren wie heute. Wenn der 71-Jährige, der mittlerweile Motorsport-Repräsentant des VW-Konzerns ist, von seiner Karriere erzählt, könnte man ihm stundenlang zuhören.

Nach gut 75 Minuten naht das Ziel: Langenburg. Dort reihen sich rund um das Schloss etliche andere Oldtimer verschiedener Marken auf. Hans-Joachim Stuck trifft auf alte Weggefährten wie Prinz Leopold von Bayern, gegen den er in der DTM gefahren ist und mit dem ihn bis heute eine enge Freundschaft verbindet. Eines der Highlights bei der Veranstaltung "Castle & Cars" am vergangenen Sonntag ist der Porsche 962, mit dem Stuck 1986 und 1987 den Langstreckenklassiker in Le Mans gewonnen hat. "Das war der krasseste Rennwagen, den ich jemals bewegt habe", sagt der großgewachsene Bayer. "Jedes Mal, wenn ich irgendwo auf das Auto treffe, kribbelt es bei mir."

Sammler zahlen eine halbe Million Euro und mehr

Zeitreise mit zwei Porsche-Legenden
 Foto: Auto

Das tut es am Nachmittag auch beim Autor. Der Puls steigt, denn für die Rückfahrt nach Heilbronn darf er selbst ans Steuer des legendären Oldtimers. Wohl wissend, dass Sammler für einen der seltenen 911 Carrera RS 2.7 (Stückzahl: knapp 1600 Exemplare) eine halbe Million Euro und mehr hinblättern. Ganz behutsam geht es los, erst einmal vorsichtig rantasten und immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass im Gegensatz zu einem Elfer der Neuzeit das historische Gefährt über keine elektronische Helfer verfügt.

210 PS treffen auf nur 1075 Kilogramm Gewicht

Damals wie heute begeistert der sonore Sound des Motors im Heck. Kilometer um Kilometer wirkt der Carrera RS vertrauter. Das Fahrgefühl intensiver, der Auspuff lauter, bei 6300 Umdrehungen leistet der 2,7 Liter große Sechszylinder-Boxer 154 kW/210 PS. Früher sagte man gerne, dass die Pferdestärken eines Porsche doppelt zählen würden. In diesem Elfer versteht man hinter dem Lenkrad, warum das so erzählt wurde. 210 PS, aber der 911 Carrera RS 2.7 fühlt sich nach deutlich mehr an. Das liegt auch daran, dass der Wagen gerade einmal 1075 Kilogramm auf die Waage bringt. Raus aus der Kurve, drauf aufs Gas, der Elfer fühlt sich leicht an und fährt sich so - gleichwohl man hinterm Lenkrad mehr zu tun hat als heute. Die Zeitreise fasziniert. Mit einer Legende im Auto und auch allein mit einer Legende als Gefährt auf dem Heimweg.

 
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