Landtagswahl 2021

Wie die Pandemie-Wahl im Hohenlohekreis läuft

Hohenlohe  Es ist ein Wahltag, wie es ihn in der Geschichte des Landes noch nie zuvor gegeben hat: Trotz des hohen Anteils an Briefwählern strömen zehntausende Hohenloher in die Wahllokale. Dort tun die Verantwortlichen alles, um Corona-Infektionen möglichst zu verhindern.

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Vorwärts immer, rückwärts nimmer: Im Öhringer Hohenlohe-Gymnasium gibt es nicht nur Spuckschutz aus Plexiglas, sondern auch ein "Einbahnstraßen-Konzept".

Die grauen Wolken fliegen tief übers Hohenloher Land, so mancher Regentropfen perlt vom Himmel, und frischer als die Temperaturen ist nur der Wind, der durch die Straßen pfeift.

Dennoch ist es trotz schlechten Wetters und Pandemie die Mehrheit der rund 100.000 im hiesigen Wahlkreis 21 zum Urnengang Berechtigten, die ihr Votum nicht schon längst im Briefumschlag abgeschickt haben, sondern ganz klassisch den Gang ins Wahllokal antreten.

Und so ist auch bereits am späten Vormittag im Künzelsauer Rathaus schon einiges los, als die HZ zu einer kurzen Stippvisite vorbeischaut. FFP-Maske auf, Kamera und Block gezückt. Los! Drinnen sitzt, ebenfalls bestens maskiert, Wahlvorsteherin Birgit Muth mit ihren Kolleginnen. "Stoßweise" käme das Wahlvolk. Das macht es denn auch gar nicht so einfach, auf die Einhaltung der Abstandsregeln zu achten, berichtet sie. Aber es klappt: Zügig werden die orientierungslosen Neuankömmlinge an die entsprechenden Stationen verwiesen. "Aber das, was sonst so eine Wahl ausmacht, auch mal ein Schwätzchen halten, fällt diesmal total weg", bedauert Muth, im Zivilberuf Dienstleiterin in einem Pflegeheim.

Helferinnen und Helfer zeigen sich unerschrocken

Als solche ist sie nur durch wenig zu schrecken: Ob sie ein mulmiges Gefühl habe bei so viel "Kundenkontakt" an jenem Pandemie-Wahlsonntag? Denn knapp 100 Personen wurden schon durchgeschleust, als die HZ reinschaut: Überhaupt nicht, sagt Muth. Und ihre Kollegin Annette Wenk sekundiert: "Wenn die Mitarbeiter im Handel das jeden Tag können, dann kann ich das auch an einem Tag."

Wie die Pandemie-Wahl im Hohenlohekreis läuft

Ab in die Urne mit dem Stimmzettel! Marianne und Jovan Babijak haben ihre Kreuze im Wahllokal im Künzelsauer Rathaus gerade gemacht.

Fotos: Christian Nick

Die Verantwortlichen tun bei dieser Jahrhundert-Wahl jedenfalls alles, um Infektionen möglichst zu verhindert: Masken, Spuckschutz, Lüften, Desinfizieren - selbst fürs Kreuzchen bekommt jeder Wähler seinen eigenen Stift, den er danach behalten kann.

Und so gehen auch Marianne und Jovan Babijak mit zwei neuen Plastik-Kulis nach Hause. Ob ihre Wahlentscheidung denn schon lange feststeht - oder eher spontan an der Urne getroffen wird?, will der Reporter vorher von ihnen wissen: "Wir wissen beide ganz genau, wen wir wählen", sagen die zwei Senioren. Sie glaubten jedenfalls an die Vereinbarkeit von Wirtschaft und Klimaschutz. Und die Masken-Affäre der Union? "Man darf das nicht auf die ganze Partei übertragen", sagt Jovan Babijak.

Angst vor Virus-Übertragung indes hat das Paar nicht - auch, weil wenigstens die Ehefrau schon zweimal geimpft wurde.

Ausirkungen der Masken-Affäre werden verschieden interpretiert

Wie die Pandemie-Wahl im Hohenlohekreis läuft

Kein Hygienekonzept ohne Desinfektion: Nachdem die Hände keimfrei sind, bekommt Alexander Weber seinen eigenen Stift von Wahlhelferin Julia Annuss.

Etwas anders schätzt wenig später Alexander Weber die Folgen des Krisengewinnlertums mancher Abgeordneter ein: Das werde der CDU im Wahlergebnis wohl "einen Dämpfer" verpassen. "So etwas darf einfach nicht sein", findet er klare Worte. Die Partei werde dafür den Preis zahlen müssen, ist er sich sicher: "Ich denke, die CDU büßt massiv ein."

Ein paar Kilometer und rund eine Stunde später läuft ebenfalls alles nach Plan: "Die Wähler sind sehr diszipliniert, halten sich an die Regeln und passen gegenseitig auf sich auf", sagt Michael Walter, heute in Personalunion Wahlvorsteher und Pressesprecher, im Öhringer HGÖ.

24 Prozent Briefwähler für die gesamte Stadt vermeldet Walter - auch das ist ein Unikum des Corona-Urnengangs 2021: Denn bei der vergangenen Landtagswahl im Jahr 2016 hatte der Anteil noch lediglich 10,1 Prozent betragen. Es gibt einiges zu tun für Walter und Kollegen: In einem anderen der 24 städtischen Wahllokale ist gerade die Heizung ausgefallen - und bei einem neu Zugezogenen muss erstmal sichergestellt werden, dass jener nicht doppelt zur Stimmangabe befähigt ist.

Auf der Einbahnstraße zur Urne

Auch hier ist das Hygienekonzept elaboriert - und wie auch in Künzelsau konnten sich die Wahlhelfer am Tag zuvor auf Corona testen lassen, um die Sicherheit für die Wählerschaft nochmals zu erhöhen.

Nachdem das "Einbahnstraßen-Konzept" den Redakteur wieder ins Freie befördert hat, draußen noch ein kurzes Zusammentreffen mit Alexander und Kathrin Dalke. Ihr Wahl-Tipp? "Schwierig vorherzusagen", findet Alexander. "Ich hoffe, es wird nichts mit dem Grünen-Wahlsieg." Warum er wählt, was er wählt? "Ich bin konservativ, mag das populistische Gehabe in der Gesellschaft nicht." Der "demokratische Gedanke" gehe immer mehr verloren. "Das macht mir etwas Angst."

 

Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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