Wirbel um Betriebsratswahl bei Firma Wild Kartoffeln

Eppingen  Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten meldet fristlose Kündigungen von Wahlvorständen bei zwei Betrieben der Firmengruppe aus Eppingen. Die Geschäftsführung weist einen Zusammenhang mit den Wahlen aber zurück.

Von Heiko Fritze
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Wirbel um Betriebsratswahl bei Firma Wild Kartoffeln

Kartoffeln sind das Hauptprodukt der Firma Wild aus Eppingen. Das Unternehmen ist regionaler Marktführer.

Foto: Archiv/Boxheimer

Beim größten regionalen Kartoffelverarbeiter gibt es Konflikte im Zusammenhang mit geplanten Betriebsratswahlen. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) berichtet, wollten Mitarbeiter erstmals diese Gremien wählen, und zwar in den Firmen Wild Kartoffelverarbeitung und Wild Kartoffel- und Zwiebelmarkt. In der Kartoffelverarbeitung gibt es etwa 100 Mitarbeiter, beim Kartoffel- und Zwiebelmarkt etwa 180.

Nach Darstellung der Gewerkschaft stoße die Betriebsratsgründung auf wenig Gegenliebe bei der Geschäftsleitung des Familienunternehmens. Allerdings seien die Versammlungen, in denen die Wahlvorstände für die Betriebsratswahlen gewählt wurden - am 2. März bei der Kartoffelverarbeitung und am 16. März beim Kartoffel- und Zwiebelmarkt - völlig problemlos verlaufen, berichtet NGG-Sekretärin Lisa Baumeister. "Es hatten alle Beschäftigten Zugang."

Geschäftsführer Jürgen Wild hält auch entgegen: "Wir haben grundsätzlich gar nichts gegen Betriebsräte." Den Fortgang des Wahl-Prozederes wolle die Geschäftsführung auch nicht behindern, versichert er.

Initiatoren wurden fristlos gekündigt - Whatsapp-Status als Begründung

Die Gewerkschaft berichtet hingegen, dass Initiatoren der Betriebsratswahlen Schwierigkeiten bekommen hätten. Bereits im Februar sei dem Gewerkschaftsmitglied, das die Wahl in der Kartoffelverarbeitung angestoßen hatte, fristlos gekündigt worden mit der Begründung, Mitglieder der Geschäftsführung seien bedroht worden. Am 15. April sei dann auch dem Mitorganisator der geplanten Wahl beim Kartoffel- und Zwiebelmarkt fristlos gekündigt worden.

Die Begründung - laut Gewerkschaftsdarstellung - habe sich auf Statusmeldungen bei Whatsapp bezogen, die die Geschäftsleitung ebenfalls als Drohungen gegen sich ausgelegt habe. Der türkische Staatsbürger habe aber nach seinen Angaben mit kämpferischen Äußerungen seine Verwandten in der Heimat in ihrer Haltung gegen Staatschef Erdogan bestärken wollen, berichtet Lisa Baumeister. "Es ist nicht zu erkennen, dass sich das auf die Familie Wild bezieht."

Die Kündigung sei inzwischen wegen eines Formfehlers zurückgezogen worden. Die beiden Betroffenen hätten zudem Hausverbot erhalten.

Geschäftsführung verteidigt sich gegen Vorwürfe

Jürgen Wild bestätigt die Hintergründe. "Die Androhungen sind gegen mich gerichtet", sagt er. "Solche Arbeitnehmer haben bei uns nichts zu suchen." Das Familienunternehmen setze sich gegen Gewalt und Diskriminierungen ein. Ein Zusammenhang mit den Wahlen bestehe nicht, bekräftigt Jürgen Wild.

Die Gewerkschaft will nun mit einer Kündigungsschutzklage und einstweiligen Verfügungen reagieren, kündigt die NGG-Sekretärin an. Jürgen Wild bleibt gelassen. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen." Der Fall gehe nun eben vor das Arbeitsgericht. "Und da wird entschieden."

 


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