Wie das Einhorn ins Geschäft kam

Sinsheim  Trends in der Modebranche sind eine Mischung aus Beobachtung und Planung. Der Hype um das Einhorn dürfte vorbei sein - ein niedliches Tier aus dem asiatischen Raum dürfte hingegen bald im Trend sein. Das weiß auch das Sinsheimer Haarschmuck- und Kosmetikzubehör-Unternehmen Parsa.

Von Heiko Fritze

Wie das Einhorn ins Geschäft kam

Dass so etwas kommen musste, war schon lange klar. "Mystik" hatten die führenden Trendscouts bereits früh als das kommende Thema für das Jahr 2016 ausgemacht. Irgendwas mit Fabelwesen, Realitätsflucht, heiler, friedlicher Welt. Und die Modebranche begab sich fortan auf die Suche, beobachtete Blogs, Messen, kleine Shops in den hippen Vierteln der Metropolen dieser Welt. Bis sie fündig wurde. Der Rest ist Geschichte.

Woher kam der Einhorn-Hype?

"Als Ritter Sport die Einhorn-Schokolade auf den Markt brachte und diese innerhalb eines Tages ausverkauft war, war der Hype da", sagt Larissa Haury heute. Das war im Herbst 2016, als Einhörner schon seit einigen Monaten Pullis, Tassen, Postkarten und Bettwäsche bevölkerten. Plötzlich waren die fantastischen Tierwesen allgegenwärtig, in Kinderabteilungen und Spielwarenläden, bei Modeketten, Einrichtungshäusern und Lebensmittelhändlern. Jeder, der es rechtzeitig wusste, war auf den Trend aufgesprungen. Und ein Teil davon läuft bis heute gut: "Gerade im Kinderbereich ist es immer noch superpräsent", sagt Larissa Haury.

Seit mehr als zwei Jahren leitet sie den Bereich Trend beim Sinsheimer Haarschmuck- und Kosmetikzubehör-Unternehmen Parsa. Und hier ist es wie bei vielen anderen Handelsunternehmen: Um kommende Trends aufzunehmen, arbeiten Händler und Hersteller oft mit professionellen Trendportalen zusammen. Zum Beispiel WGSN. Oder Peclers aus Paris.

Diese wiederum haben Büros in den maßgeblichen Metropolen − in Paris, London und Madrid, in Los Angeles und New York, in Tokio und Seoul. Gerade Japan und Korea seien momentan die Vorreiter bei weltweiten Trends, sagt Larissa Haury. Vieles, was die jungen, hippen Großstädter dort ausprobierten, habe das Potenzial, sich weltweit durchzusetzen.

Wie das Einhorn ins Geschäft kam

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Ob das Einhorn freilich aus Japan nach Europa kam, ist in der Branche umstritten. Ein kleiner polnischer Designer, damals auf dem inzwischen eingestellten Portal Dawanda aktiv, nimmt für sich in Anspruch, schon 2015 die ersten Einhorn-Pullis angeboten zu haben. Das Fabelwesen an sich ist sowieso nicht neu in der kommerziellen Welt − der Film "Das letzte Einhorn" erschien 1982, die Kinder-Fernsehserie "Mia and me" läuft seit 2011, die Kinderbuchserie Sternenschweif besteht seit mehr als 20 Jahren.

"Trends sind ein Spiegel der Bedürfnisse"

Aus dem Kinderbereich schwappt aber immer mal wieder ein Trend in die Erwachsenenwelt. Gerade die Einhörner boten sich da seinerzeit an. "Sie sind ein Sinnbild für die Gesellschaft jener Zeit", sagt die Produktmanagerin: Sie stehen für Toleranz, Realitätsflucht, Magie und den Sieg über das Böse. Und sie kamen besonders bei den 20- bis 40-Jährigen gut an, der Generation Y − "viele fühlten sich an ihre Kindheit erinnert. Und viele wollen in diesem Alter noch nicht so richtig erwachsen sein." In der schnelllebigen Zeit der Smartphones, Blogs und sozialen Medien, in Zeiten von Terror und Flüchtlingskrise wirkten die Einhörner wie das Gegenstück, eine heile Welt. "Trends sind ein Spiegel der Bedürfnisse", sagt Larissa Haury.

Die Scouts von WGSN und Peclers beobachten unterdessen weiter. Aber auch das Parsa-Team selbst ist immer wieder unterwegs, besucht Leitmessen oder macht "store checks" in den großen Trend-Metropolen wie New York, London oder Tokio, schaut also in Läden in trendigen Vierteln vorbei, und trifft sich einmal pro Woche zur "Trendwatch". Schließlich seien die Trendagenturen nur Hilfen − "wir entscheiden, was wir machen", heißt es bei den Sinsheimern.

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Der Panda scheint sich als nächstes Trendtier herauszukristallisieren

Die Farben und Trendtiere für diesen Sommer und Winter stehen schon fest, momentan wird über 2020, für manche Artikel sogar schon über 2021 diskutiert. Allmählich scheint sich der Panda herauszukristallisieren, wird berichtet. Vergangenes Jahr war es das Faultier, momentan ist es immer noch das Lama. Beherrschendes Thema für die nächsten Kollektionen sei jedenfalls, was viele Menschen in den Industrienationen im Moment umtreibt: Nachhaltigkeit, Bio und Natur. Entsprechend sieht die Farbpalette aus, die von den Trendportalen vorgeschlagen wird, und entsprechend sind die Muster und Elemente.

Nicht alles lasse sich freilich bei Parsa in Artikel für Haarschmuck umsetzen, schränkt Larissa Haury ein. "Wir selektieren die Trends, die für unsere Zielgruppe relevant sind", umschreibt es die Trend-Expertin. Erste Hinweise auf Neuentwicklungen gebe es oftmals in Fernost zu sehen: Japan und Korea seien gegenüber Deutschland und Europa oft um etwa zwei Jahre voraus.

 

Neue Wirtschaftsstimme erscheint am Dienstag

Dieser Text stammt aus der neuen Ausgabe der Wirtschaftsstimme, die am Dienstag, 21. Mai, der Heilbronner Stimme, Kraichgau Stimme und Hohenloher Zeitung beilag. 

 

 

 


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