Staatsanwalt lässt Marke taxieren: Palmbräu war viel mehr wert (01.10.09)

Eppingen - Offenbar viel zu billig sind die Vertriebsrechte an der Eppinger Privatbrauerei Palmbräu im Frühjahr 2008 nach Schwetzingen verkauft worden. Im laufenden Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlichen Bankrotts hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis nun vorliegt. Insider sprechen davon, dass die Marke damals rund 1,7 Millionen Euro wert war. Verscherbelt wurde sie für 350.000 Euro.

Von Peter Boxheimer



Eppingen - Während die Eppinger Privatbrauerei Palmbräu unter der neuen Eigentümerfamilie Scheidtweiler einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, wird hinter den Kulissen die Vergangenheit aufgearbeitet.

Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Heilbronn gegen die früheren Geschäftsführer Andreas und Georg Polster sowie den Welde-Chef Hans Spielmann, den Holzgroßhändler Gerald Moll und den Rechtsanwalt Robert Baumert dauert an. Mit einem Abschluss ist frühestens Anfang Dezember zu rechnen. „Ob der Sachbearbeiter den Termin halten kann, bleibt abzuwarten“, schränkt Presse-Staatsanwalt Harald Lustig ein.

Vorsatz?

Konkret geht es um den Vorwurf des vorsätzliche Bankrotts, der Anstiftung und Beihilfe dazu. Im Frühjahr 2008 waren die Markenrechte der wirtschaftlich schwer angeschlagenen Palmbräu für 350.000 Euro nach Schwetzingen gegangen. „Man hat das Ding für ein Butterbrot hergegeben“, urteilte Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz im Dezember, als der Deal publik wurde.

Um den tatsächlichen Wert zu ermitteln, hat der Staatsanwalt ein Gutachten eingeholt und jüngst dazu auch noch eine ergänzende Stellungnahme bekommen. Lustig: „Das ist bedeutend für den Tatvorwurf selbst.“ Nach Informationen, die unserer Zeitung vorliegen, soll der Gutachter die Palmbräu-Vertriebsrechte auf 1,7 Millionen Euro taxiert haben – also etwa das Fünffache der Summe, die bei dem damaligen Deal gezahlt wurde. Diese Zahl würde auch erklären, warum die neuen Brauerei-Eigentümer für den Erwerb des Unternehmens und der Marke rund 2,4 Millionen Euro auf den Tisch gebättert haben.

Anklage?

Zwar will die Staatsanwaltschaft derzeit keine Prognosen abgeben, ob die Ermittlungen eingestellt werden oder es zu einer Anklage kommt. Doch halten es Juristen bei den im Raum stehenden Summen für sehr unwahrscheinlich, dass das Verfahren zu den Akten gelegt werden kann.

Sozialplan

Unterdessen war am Donnerstag der Stichtag für den Sozialplan, den Insolvenzverwaltung und Betriebsrat im Mai unterschrieben haben. Sein Volumen liegt bei 100.000 Euro. Betroffen sind 19 ehemalige Mitarbeiter, von denen die beiden neuen Palmbräufirmen zwölf übernommen haben.

Für jeden gibt es eine Fixsumme als Sockelbetrag. Bei der Aufteilung des restlichen Geldes werden Dauer der Betriebszugehörigkeit, Schwerbehinderung und Kinder berücksichtigt. Wer zum 1. Oktober arbeitslos war, erhält einen dreifach so hohen Zuschlag wie ein wieder Beschäftigter. „Ich denke, wir haben es so gerecht verteilt“, sagt Betriebsratsvorsitzender Reinhold Laub. „Da kann jeder mit leben.“ Karl-Heinz Branz erwartet, dass die einzelnen Auszahlungsbeträge bis Ende Oktober feststehen.

Längeres Verfahren

Viel länger wird das Insolvenzverfahren für die Palmbräu dauern, bei dem zahlreiche Forderungen zu prüfen und Steuerfragen zu klären sind. Branz: „Bis zum Schlusstermin vergehen noch zwei, drei Jahre.“

Guter Biersommer

„Wir sind absolut zufrieden und glücklich“, sagt Wolfgang Scheidtweiler. Der neue Palmbräu-Inhaber zieht eine rundum positive Bilanz des ersten Biersommers nach Übernahme der Traditionsbrauerei. MIt der Mannschaft klappe es, und auch die Nachfrage lasse keine Wünsche offen: „Im Moment kriegen wir mehr neue Kunden, als wir gehofft haben.“ Die Brauerei werde ihr wirtschaftliches Ziel deshalb „absolut locker“ erreichen. Angepeilt war ein Jahresausstoß von 30.000 Hektolitern. „Wir haben für den Winter genügend Speck angefressen, um die ruhigeren Monate zu überbrücken“, betont der Palmbräu-Chef.