Richener Spritfabrik geht in die Insolvenz

Eppingen - Die Hans Wiessner GmbH steht womöglich vor dem endgültigen Aus. Am Mittwoch musste Rudi Klär den bitteren Gang zum Insolvenzgericht antreten. Die Produktion in der Anlage, die im Volksmund Spritfabrik genannt wird, ruht seit mehr als einem Jahr.

Von Alexander Hettich



Eppingen - Die Hans Wiessner GmbH steht womöglich vor dem endgültigen Aus. Am Mittwoch musste Rudi Klär den bitteren Gang zum Insolvenzgericht antreten. „Die Hoffnung ist gering“, sieht der Geschäftführer wenig Chancen für einen Neuanfang am Standort Richen. Die Produktion in der Anlage, die im Volksmund Spritfabrik genannt wird, ruht seit mehr als einem Jahr. Die zuletzt noch acht Mitarbeiter waren bei anderen Unternehmen untergekommen.

Wie es weitergeht, liegt zunächst in Händen des Gerichts. „Wir sind nach allen Seiten offen“, sagt Klär. Ob sich viele Optionen eröffnen, ist allerdings fraglich. Seit Anfang 2008 die Produktion angehalten wurde, arbeiten die Wiessner-Verantwortlichen und das Kraichgau Raiffeisen Zentrum, das einen 25-Prozent-Anteil hält, an einer Lösung. Die Suche nach einem Käufer blieb erfolglos. Die Bankenkrise hat das Vorhaben zusätzlich erschwert. „Interessenten waren da“, erläutert Klär gegenüber unserer Zeitung, „die haben aber das Kapital nicht bekommen.“

Die Insolvenz ist der vorläufige Tiefpunkt in einer Firmengeschichte, die von viele Höhen und Tiefen gekennzeichnet war (siehe Hintergrund). Noch vor zwei Jahren hatte es so ausgesehen, als habe das Traditionsunternehmen die Kurve gekriegt. Mit Millionenaufwand stellte Wiessner den Betrieb um. Alkohol für die Industrie destillierten die Richener fortan nicht mehr aus Rüben, sondern aus Getreide, das Bauern der Raiffeisen-Zentrum-Genossenschaft lieferten. Zwei riesige Aggregate zur Stromerzeugung, befeuert mit Palmöl, gingen 2007 ans Netz.

Notbremse

Die Herstellung von Alkohol zur Beimischung in Biosprit sollte als zusätzliches Standbein aufgebaut werden. Doch dann kam alles anders. Die Rohstoffpreise schnellten nach oben, auf dem Absatzmarkt mussten sich die Richener gegen billigen Alkohol aus Übersee behaupten. Steigende Ausgaben, fallende Erlöse – Klär und seine Partner zogen die Notbremse. Auch der „wechselhafte Kurs der Regierung“ sei nicht hilfreich gewesen, unterstreicht der Geschäftsführer. Beispiel Beimischquote. In einen möglichst hohen Anteil Bioethanol, der Benzin beigemischt werden muss, hatte die Destillen-Branche große Hoffnung gesetzt. Hier sei die Politik weit hinter ehrgeizig formulierten Zielen zurückgeblieben.

Klär schließt nicht aus, dass die Anlage demontiert wird, wenn Teile davon einen Käufer finden. Die Fabrik in Richen eines Tages wieder anzuwerfen, sei „sehr schwierig“. Jürgen Freudenberger, Geschäftsführer des Raiffeisen Zentrums, macht sich wenig Illusionen. Die Investition in die Wiessner-Anteile, seinerzeit rund 600.000 Euro, seien komplett abgeschrieben. Für Richens Ortsvorsteher Giselbert Seitz ist der Insolvenzantrag keine Überraschung. „Es war klar, dass es irgendwann so kommt.“ Er befürchtet, im Stadtteil könnte eine zweite Industrieruine entstehen und Handlungsspielräume rauben. Die Hallen der ehemaligen Recycling-Firma Rekken verrotten im Gewerbegebiet Erlen vor sich hin.

Hintergrund: Wechselhafte Geschichte

Hans Wiessner gründet 1906 das Unternehmern, das Richener nur als Spritfabrik kennen. Die Industrieanlage prägt das Ortsbild aus Richtung Eppingen. Bis zum Jahr 2001 produzierte die Firma aus Zuckerrüben Alkohol, der für die Herstellung von Kosmetika, Arznei oder Genussmittel Verwendung fand. Eine erste schwere Krise führte dann zur Wende. Das Unternehmen, an dem das Kraichgau Raiffeisen Zentrum seit 2006 einen 25-Prozent-Anteil hält, investierte fünf Millionen Euro. Fortan produzierte die Spritfabrik Alkohol aus Getreide, Futtermittel aus den Reststoffen der Destillation sowie Strom und Wärme aus Pflanzenöl. Vor allem steigende Rohstoffpreise brachten die Firma mit ehemals 13 Mitarbeitern in Schieflage.