Palmbräu: Weg frei für große Lösung (12.03.2009)

Eppingen - Der Poker um Palmbräu ist beendet. Zum April kehren die Markenrechte nach Eppingen zurück. Damit endet das Insolvenzverfahren um die Traditionsbrauerei mit einer Großen Lösung. 16 Mitarbeiter werden künftig unter der Regie des neuen Eigentümers, des Brauhauses Pforzheim, den „Stolz des Kraichgaus" herstellen und vertreiben.

Von Peter Boxheimer

Wolfgang Scheidtweiler (links) vom Bayerischen Brauhaus Pforzheim und Weldebräu-Chef Dr. Hans Spielmann. Foto: Weldebräu

Eppingen - Am Morgen nach der spätabendlichen Einigung im Palmbräu-Poker ist Wolfgang Scheidtweiler vollauf zufrieden. „Wir haben eine Lösung gefunden, die der Brauerei eine gute Zukunft gibt“, sagt der neue Inhaber des Eppinger Bierproduzenten und der Markenrechte. Ab 1. April wird das Pforzheimer Brauhaus den Gerstensaft in der Fachwerkstadt unter dem Traditionsnamen herstellen und 16 Mitarbeiter mit ins Boot nehmen.

Verkauf

Zum zweiten Mal innerhalb von sechs Jahren endet damit eine Insolvenz für die Palmbräu mit einer Rettung. Nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen haben sich zwei Mittelständler der Bierbranche zusammengerauft. Scheidtweiler übernimmt von Hans Spielmann, dem Chef des bisherigen Palmbräu-Hauptgesellschafters Welde in Plankstadt, dessen Anteile und Beteiligungen. Mit diesem Verkauf kehren auch die Markenrechte in den Kraichgau zurück.

„Wir haben uns Palmbräu nicht unter den Nagel gerissen“, versichert Scheidtweiler. Der Erwerb sei auch kein Schnäppchen gewesen. Unter dem Strich bezahle das Brauhaus so viel wie für eine funktionsfähige Brauerei.

Weil sich jetzt die große Lösung verwirklichen lässt, steigt der an die Insolvenzverwaltung zu zahlende Verkaufspreis auf rund 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommen gut zwei Millionen Euro, die Spielmann erhält. „Es kann keiner sagen, wir hätten die Situation ausgenutzt“, meint Wolfgang Scheidtweiler. Er hat die Summe auch gesetzt, um den Rechtsstreit um die Marke zu beenden und Sicherheit für die anstehenden Investitionen zu haben.

Kooperation

Welde und Palmbräu haben eine Zusammenarbeit im Vertrieb vereinbart. Im Rhein-Neckar-Raum bekommen Kunden über die Plankstadter auch den Stolz des Kraichgaus. Im Gegenzug können die Welde-Biere rund um Eppingen und im Landkreis Heilbronn über Palmbräu bezogen werden. Spielmann sieht darin „eine zukunftsweisende Kooperation“. Mit seinem Kollegen ist er sich einig, dass die Verhandlungen immer unter dem Leitgedanken gestanden hätten, die Marke Palmbräu für den Kraichgau zu erhalten, den Brauereistandort in Eppingen zu retten und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern.

Zwölf Beschäftigte übernimmt Scheidtweiler vom insolventen Betrieb. Hinzu kommen vier Mitarbeiter der von ihm erworbenen Vertriebsgesellschaft Palmbräu Eppingen GmbH, die ihren Sitz bislang in Plankstadt hat.

„Das gibt da draußen eine Brauerei, die alle Chancen hat, die Zukunft zu bewältigen“, sieht sich Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz am Ziel seiner Bemühungen. Über die Frage, welches Maß an Gerechtigkeit zu walten habe, entscheide er Gott sei Dank nicht. Branz spielt damit auf das noch laufende Ermittlungsverfahren zum Palmbräu-Deal vor Jahresfrist an, bei dem es um vorsätzlichen Bankrott, Anstiftung und Beihilfe dazu geht. Die Marke soll weit unter Wert verhökert worden sein.

Mit dem Verkaufserlös von rund 1,5 Millionen Euro sieht sich der Insolvenzverwalter nun in der Lage, die sozialen Härten für diejenigen zu mildern, die in der neuen Brauerei nicht mehr unterkommen. Zudem erhielten jetzt die Gläubiger eine vernünftige Auszahlungsquote. Bis Ende des Monats soll der Sozialplan unter Dach und Fach sein. Branz’ Fazit: „Auch wir sind zufrieden.“