Mit den Polsters endet eine Ära (25.09.08)

Eppingen - Andreas und Georg Polster sind nicht mehr Geschäftsführer der Eppinger Privatbrauerei Palmbräu. Ihre Abberufung hat der Chef des Hauptgesellschafters Weldebräu, Dr. Hans Spielmann, beschlossen. Grund sei „die Uneinigkeit über die Geschäftspolitik“. Spielmann und der Wirtschaftsjurist Rolf Adler werden sich künftig die Leitung des Bierherstellers teilen. Der Brau- und Vertriebsstandort Eppingen soll ebenso erhalten werden wie die Marke Palmbräu. Allerdings ist mit vier bis fünf Entlassungen zu rechnen.

Von Peter Boxheimer

Palmbräu - 467 Georg und Andreas Polster vor dem Palmbräu-Verwaltungsgebäude in Eppingen. Foto: Peter Boxheimer

Eppingen - Oberbürgermeister Klaus Holaschke war „absolut überrascht und betroffen“. Wie ihm ergeht es vielen Eppingern: Mit dem Rauswurf von Andreas und Georg Polster als Geschäftsführer der Privatbrauerei Palmbräu endet für sie eine traditionsreiche Firmengeschichte.

Am Donnerstagmorgen war die Belegschaft über die personellen Veränderungen unterrichtet worden. Die Palmbräu Eppingen GmbH, die für die Bierqualität und die Vermarktung in der Region verantwortlich zeichnet, leitet Dr. Hans Spielmann, Chef des Hauptgesellschafters Weldebräu in Plankstadt. An die Spitze der Zorn Söhne GmbH & Co. KG, die den Brauprozess und die Logistik betreut, rückt Wirtschaftsjurist Rolf Adler, acht Jahre lang Bereichsleiter bei der Herforder Brauerei.

Grund für die Abberufung der Polster-Brüder sei „Uneinigkeit in der Geschäftspolitik“, teilte Spielmann mit. Diese Einschätzung wird von den Betroffenen geteilt. Georg Polster: „Wir haben so konträre Auffassungen gehabt, dass es zum Eklat gekommen ist und man sich getrennt hat.“

„Das Ziel ist ganz klar, die Marke Palmbräu zu stärken, den Standort zu halten und die Arbeitsplätze zu sichern.“

Hans Spielmann

„Nicht optimal“

Spielmann spricht von Managementfehlern: „Wir hatten das Gefühl, dass die Verwaltung und der Verkauf nach außen hin nicht optimal gemacht wurden.“ So seien beispielsweise beim Unterländer Volksfest auf der Heilbronner Theresienwiese rund 75.000 Euro für Spesen und Werbungskosten angefallen, während der Bierumsatz bei lediglich etwa 60.000 Euro gelegen habe. Das von Palmbräu angestrebte China-Geschäft sei eine Nullnummer gewesen. Großkunden habe die Brauerei zu Konditionen bedient, die unter den eigenen Kosten gelegen hätten. Und selbst Kleinmengen von zwei Kästen Bier seien mit großen Lkw ausgeliefert und dafür zwei Mitarbeiter eingesetzt worden.

Zu einzelnen Vorwürfen äußerte sich die bisherige Geschäftsführung nicht; es sei Stillschweigen vereinbart worden. Georg Polster betonte aber: „Dass ich irgendwelche schweren geschäftspolitischen Fehlleistungen eingestehe, kommt überhaupt nicht infrage.“

„Ich hoffe, dass sich jetzt manche Sachen schneller bewegen. Ich habe die Belegschaft angehalten mitzuziehen.“

Reinhold Laub

Spielmann dagegen spricht von einer „Schieflage“, aus der die Brauerei von der neuen Firmenleitung geführt werden müsse. Ein Wirtschaftsprüfungsbericht habe ergeben, dass Palmbräu ernstlich gefährdet sei: „Da mussten wir die Reißleine ziehen.“ Trotz vieler Bemühungen in den vergangenen Jahren sei der Betrieb nicht aus den roten Zahlen herausgekommen. Der Welde-Chef versicherte, dass Eppingen Brau- und Vertriebsstandort bleibe. Es gebe gute Chancen für authentische regionale Produkte wie Palmbräu. „Da lohnt es sich, um die Marke zu kämpfen“, bekräftigte Spielmann und versprach, auch künftig auf die Kraichgauer Goldgerste zu setzen.

Personalabbau

Unter anderem mit Entlassungen will die neue Geschäftsführung die Brauerei sanieren. Voraussichtlich vier bis fünf der knapp 30 Mitarbeiter werden ihre Stelle verlieren. Am Montag soll ein Sozialplan unterschrieben werden. „Wir müssen den Weg nach vorne suchen“, meinte Betriebsratsvorsitzender Reinhold Laub. Er ist optimistisch, dass sich gemeinsam etwas bewegen lässt.

Hat Palmbräu in Eppingen noch Zukunft? OB Holaschke setzt hier dicke Fragezeichen. Mit den Polsters gehe lokale Identifikation verloren: „Man muss befürchten, dass der Standort plattgemacht wird.“