Pforzheimer Brauerei kauft Palmbräu (26.02.09)

Eppingen/Pforzheim - Die Privatbrauerei Palmbräu hat einen neuen Besitzer. Die Brauhaus Pforzheim erwirbt Grundstück, Immobilien, Inventar, Leergut und Vorräte des insolventen Unternehmens. Am Donnerstagnachmittag ist in Heilbronn der notarielle Kaufvertrag unterzeichnet worden. Mit den Beschäftigten hat Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz einen Interessensausgleich ausgehandelt. Die Gespräche über einen Sozialplan laufen noch.

Von Peter Boxheimer

Im Brauereigebäude an der Ludwig-Zorn-Straße soll schon bald wieder Leben herrschen. Der Neuanfang ist mit dem Kaufvertrag besiegelt. Foto: Peter Boxheimer


Eppingen/Pforzheim - Die Privatbrauerei Palmbräu hat einen neuen Besitzer. Die Brauhaus Pforzheim erwirbt Grundstück, Immobilien, Inventar, Leergut und Vorräte des insolventen Unternehmens. Am Donnerstagnachmittag ist in Heilbronn der notarielle Kaufvertrag unterzeichnet worden.

„Das ist eine Rettung für das Unternehmen“, freut sich Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz. Damit werde eine Brauerei in Eppingen an der jetzigen Stelle erhalten. Branz selbst wäre dazu nicht in der Lage gewesen: „Mir hätte dafür das Geld gefehlt.“

Übernahme im April

Zunächst einmal gut eine Million Euro zahlen die Pforzheimer für die Palmbräu-Vermögenswerte. „Wir werden den Betrieb auf 1. April übernehmen“, kündigt Brauhaus-Geschäftsführer Wolfgang Scheidtweiler an. Im März führt Branz zunächst die Geschäfte weiter, und die Pforzheimer gleichen entstehende Verluste aus.

Ob es eine kleine oder große Lösung gibt, hängt von den Gesprächen über die Markenrechte ab, die Scheidtweiler mit dem Chef des bisherigen Palmbräu-Hauptgesellschafters Welde, Hans Spielmann, führt. Hier ist nach einer Denkpause für diesen Freitag der nächste Termin angesetzt. Kommt es zu einer Einigung, erhöht sich auch der Verkaufspreis, den der Insolvenzverwalter erzielt.

„Auf jeden Fall wird in Eppingen Bier gebraut“, erläutert Scheidtweiler seine Pläne. Schon übernächste Woche soll der erste Sud gekocht werden. Wenn das Brauhaus die Palmbräu-Markenrechte bekommt, wird die 1835 gegründete Kraichgauer Traditionsbrauerei mit zwölf bis 16 Mitarbeitern fortgeführt; bei einer kleinen Lösung sind es sieben bis acht.

Mit den Beschäftigten hat Branz einen Interessensausgleich ausgehandelt. Die Gespräche über einen Sozialplan laufen noch. Sollte es zu einer großen Lösung kommen und die Geschäftstätigkeit der Eppinger Brauerei ausgeweitet werden, decken die Pforzheimer ihren Personalbedarf zuerst aus den Reihen der bisherigen Belegschaft.

Zügig will der neue Palmbräu-Besitzer die notwendigen Investitionen angehen. Dabei genießt die veraltete Energiezentrale Priorität. Sie verschlingt täglich mehr als 300 Liter Heizöl. Kosten, die Scheidtweiler unbedingt verringern will: „Das müssen wir machen.“ Der gesunkene Ölpreis wird seines Erachtens anziehen, wenn die Konjunktur wieder anläuft. Zudem ist das Gebäude in städtischem Besitz, und die Brauerei muss für die Nutzung Miete zahlen. „Dafür können wir uns zwei neue Dampfkessel kaufen“, betont der Brauhauschef.

Prüftermin

Am Donnerstag wurden im Heilbronner Insolvenzgericht auch die Forderungen geprüft, die von den Palmbräu-Gläubigern angemeldet worden waren. Sie belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro. Ein Posten ist dabei besonders bemerkenswert: Bestritten hat der Insolvenzverwalter eine Forderung, die die Anwälte des früheren Palmbräu-Geschäftsführers Werner Polster eingereicht haben. Er macht 168.000 Euro für ihm durch den Bankrott entgehendes lebenslanges Wohnrecht im ehemaligen Palmbräu-Verwaltungsgebäude geltend. „Das ist instinktlos“, findet nicht nur ein langjähriger Ex-Mitarbeiter, dem wegen der wirtschaftlichen Schieflage gekündigt wurde.



Hintergrund: Familienunternehmen Brauhaus

Seit 1889 stellt das Brauhaus Pforzheim am Nordhang der Stadt Bierspezialitäten her. Gegründet wurde der Betrieb von vier örtlichen Geschäftsleuten. Seit 1941 gehört das Unternehmen der Konstanzer Brauerfamilie Ruppaner, heute repräsentiert durch Andrea Scheidtweiler-Ruppaner und Wolfgang Scheidtweiler. Der Jahresausstoß liegt bei 30.000 Hektolitern. Der Anteil der Gastronomie am Umsatz macht mehr als 60 Prozent aus.