Kraichgau: Blättgen und Pretz machen das Rennen

Überraschung bei der Kreistagswahl im Kraichgau - Freie Wähler liegen im Raum Eppingen vor der SPD

Von Peter Boxheimerund Steffan Maurhoff

  Die Liste der FWV/FDP, die 1999 im südlichen Kraichgau nicht angetreten war, wirbelte die kreispolitische Landschaft kräftig durcheinander. Mit 14 104 Stimmen verdrängte sie die SPD (12 888) im Wahlkreis Eppingen vom zweiten Platz. Zugpferde der Freien Wähler waren die beiden Bürgermeister Timo Wolf aus Gemmingen (3641) und Achim Heck aus Ittlingen (3382). In beiden Gemeinden lag die Liste in der Wählergunst ganz vorn.

"In diesem Fall wurden Persönlichkeiten gewählt", freute sich Wolf und sprach von einem "großen Vertrauensbeweis". Zwar habe die Liste gewusst, dass ein gewisses Stimmenpotenzial vorhanden sei, doch sei das Ergebnis schon beträchtlich.

"Uns hat der SPD-Trend erwischt", bekannte der Eppinger Stadtverbandschef Hartmut Kächele für die Sozialdemokraten. Zudem habe die Partei Stimmen an die FWV/FDP verloren. Bürgermeister würden in ihren Orten einfach gewählt. "Wir sind natürlich nicht zufrieden", resümierte Kächele.

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Auch die CDU musste im Raum Eppingen Einbußen hinnehmen. Sie blieb mit 21 504 Stimmen aber klar stärkste Kraft. "Das Ergebnis ist in Ordnung", kommentierte Alt-OB Erich Pretz sein persönliches Abschneiden. Mit 5703 Stimmen erhielt er wie vor fünf Jahren den größten Zuspruch, wenn auch mit deutlichen Abstrichen. "Für einen Ruheständler ist kein Spitzenresultat zu erwarten", meinte Pretz. Überraschend landete Christdemokrat Herbert Meixner aus Rohrbach (3740 Stimmen) in der Wählergunst auf Rang zwei.

Den absoluten Spitzenplatz im Kraichgau nimmt der Bad Rappenauer Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen ein, der 9680 Stimmen auf sich vereinigte. "Das ist natürlich sehr erfreulich", meinte das Stadtoberhaupt, das nach eigenem Bekunden keinen besonderen Wahlkampf geführt oder sich intensivere Gedanken über das Ergebnis gemacht hatte. Einen gewissen Bürgermeister-Bonus glaubte Sozialdemokrat Blättgen auf seiner Seite und "auch ein Stück Stimmung" zu seinen Gunsten - entgegen dem Bundestrend seiner Partei.

Zufriedene Gesichter auch in Kirchardt und Siegelsbach. Seinen vierten Rang in der Gunst der CDU-Wähler erklärte sich der Siegelsbacher Bürgermeister Uli Kremsler, der seit 1989 im Kreistag sitzt, mit einer mangelnden Wahlbeteiligung, der Kandidatur des zweiten Siegelsbacher Bewerbers, Reinhard Hofmann, und nicht zuletzt der Bewerbung des populären Wimpfener Landtagsabgeordneten Bernhard Lasotta. Über ein vergleichbar gutes Ergebnis wie 1999 freut sich der Kirchardter Bürgermeister Rudi Kübler, der 2994 Stimmen erhielt. Er empfindet das als Bestätigung seiner Arbeit im Kreistag, dem er seit 1984 angehört. Augenzwinkernd verriet er seine Strategie: "Vielleicht hat sich's gelohnt, dass ich meinen Prospekt selbst ausgetragen habe."