Im Expresstempo durch den Kraichgau

Seit drei Monaten verbinden Stadtbahn-Sprinter Heilbronn, Eppingen und Karlsruhe - "Ein Test"

Von Peter Boxheimer

"Sie sind ein Test", sagt Dieter Ludwig, Geschäftsführer der Karlsruher Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Täglich zwei Sprinterzüge pro Richtung verbinden seit Dezember die Käthchenstadt und die Residenz des Rechts. Weil sie unterwegs nur an den wichtigsten Bahnhöfen halten, verkürzt sich die Fahrzeit um ein Drittel auf eine Stunde.

Mit dem Versuch will sich die AVG einem zentralen Ziel nähern. "Wir müssen preiswerter und schneller als das Auto sein", betont Ludwig. Die kürzere Fahrzeit kommt bei den Kunden gut an. "Das finde ich super", meint Ellen Bock. Die Kinderkrankenschwester aus Eppingen-Adelshofen will sich mit einer Kollegin eine Klinik in Karlsruhe anschauen. Ein junger Möckmühler, der in der badischen Metropole Maschinenbau studiert, steigt an diesem Morgen zufällig in den Sprinter ein. Er hat seine Fahrt in Eppingen unterbrochen, um sich eine Karte des Karlsruher Verkehrsverbunds zu kaufen. Das neue Angebot begrüßt der 24-Jährige, doch die Fahrzeiten könnten seines Erachtens passender sein. "Sie entsprechen nicht der Marktlage", gibt Dieter Ludwig zu. Für den Berufsverkehr, den die AVG gerne ansprechen möchte, verkehrt der Morgen-Sprinter nach Karlsruhe zu spät.

Gut 30 Fahrgäste sitzen an diesem Tag im gelb-roten Wagen. Flehingen, Oberderdingen Industriegebiet, Bauerbach - mit 90, 100 Sachen passiert die schnelle Stadtbahn Stationen, an denen jeder Eilzug hält. Als komfortabel empfindet Helga Schwede die

Zugfahrt. Die Mitarbeiterin des Heilbronner Bürgeramts kann sich in aller Ruhe auf ein Arbeitstreffen in Karlsruhe vorbereiten, bei dem es ums Kommunalwahlrecht geht. "Die Einrichtung ist nicht schlecht", urteilt Jürgen Schmidt. Nach Ansicht des Pendlers aus Eppingen könnte der Sprinter aber ruhig öfter fahren.

Die AVG arbeitet daran. Zwischen dem Tunnel und dem Haltepunkt Gölshausen wird in den nächsten Monaten ein 1,7 Kilometer langer Abschnitt zweigleisig ausgebaut - eine Maßnahme für 3,5 Millionen Euro, die den Begegnungsverkehr auf der Kraichgaustrecke spürbar erleichtern soll. "Dann können wir zu den Zeiten fahren, wann wir fahren wollen", verspricht der AVG-Chef. Er würde den Sprinter am liebsten alle zwei Stunden auf die Reise schicken.

Bis zu 50 Fahrgäste pro Zug nutzen derzeit unter der Woche das Angebot. Samstags und sonntags ist die Resonanz größer. Die Zeitersparnis lockt Ausflügler. Ludwig: "Da ist der Sprinter wie für Gott geschaffen."

Lohnt es sich, dass er nicht durch die Karlsruher Innenstadt fährt, sondern direkt den Hauptbahnhof ansteuert? Eine Frage, über die bei der AVG noch nachgedacht wird. Vielleicht wäre die Schleife durch die City werktags doch sinniger.

Es bleiben Hausaufgaben. Auch für die Bahn. Die zeigt auf der großen Abfahrtstafel im Karlsruher Hauptbahnhof statt Heilbronn das Ziel Lichtenfels an. Dass der Sprinter auf Gleis 14 "verbannt" ist, gefällt Dieter Ludwig ebenfalls nicht. Er will näher ran ans Empfangsgebäude. Sein Fazit: "Da sind überall noch Kleinigkeiten zu machen."