Eppinger Modell für Bad Rappenau

Wenn in den Bahnhöfen neues Leben einkehrt

Von Peter Boxheimer

 

Aufwertung angestrebt: Östlich des Eppinger Bahnhofs sollen die Abstellplätze für Radfahrer und motorisierte Pendler für dieses Jahr hergerichtet werden.  
Neue Nutzer hat das Empfangsgebäude in der Fachwerkstadt gefunden. Der Arbeiter-Samariter-Bund verteilt von hier aus "Essen auf Rädern" im westlichen Kreisgebiet. Nebenan ist das Reisebüro Benz mit Fahrkartenverkauf und städtischer Touristikinformation eingezogen.

Diese Woche werden im Eppinger Bahnhof die Bauarbeiten für den nächsten Mieter abgeschlossen. Im März soll ein Backshop eröffnet werden. Das Bahn-Tochterunternehmen DB ServiceStore hat offenbar den Pächter an der Hand: eine Frau aus Eppingen. "Wir wollen den regionalen Bezug herstellen", sagt der Heilbronner Bahnhofsmanager Manfred Stang.

Zeitungen, Zeitschriften, Tabakwaren, belegte Brötchen, Kaffee und andere Getränke sind im Laden zu haben. Angegliedert ist eine Toto-Lotto-Annahmestelle. Im neuen gläsernen Vorbau wird ein Stehcafé mit Bistrotischen eingerichtet.

Schwerer tut sich die Bahn, einen Betreiber für die Gaststätte im Ostturm zu finden. "Das gestaltet sich etwas schwierig, da hohe Investitionskosten vonnöten sind", räumt Stang ein. Zwei, drei Interessenten haben sich zwar gemeldet, aber Konkreteres ergab sich daraus nicht. Der Bahnhofsmanager: "Wir suchen noch."

Der Blick auf die Gleise ist gratis: Im neuen Glasvorbau des Eppinger Empfangsgebäudes wird ein Stehcafé eingerichtet.  
Gern hätte die Stadt die Gestaltung des angrenzenden Außenbereichs mit dem Wirt abgesprochen, nachdem es Pläne für ein Gartenlokal gibt. Doch jetzt wird nicht mehr gewartet, sondern das Gemeinschaftsprojekt mit Bahn und Albtal-Verkehrs-Gesellschaft dieses Jahr durchgezogen. "Die Maßnahme hat oberste Priorität", versichert OB Klaus Holaschke. Die Parkflächen für motorisierte Pendler sollen sauber hergerichtet und für Radfahrer schönere Abstellplätze geschaffen werden. "Eine städtebauliche Aufwertung", meint Holaschke.

Auch Bad Rappenau hat rund um den Bahnhof große Pläne. Südlich der Gleise wird eine zentrale Omnibusstation entstehen, eine Fußgänger-Unterführung soll die Verbindung zu den Zügen und der Stadtmitte herstellen. Den kommunalen Aktivitäten will sich nun offenbar auch die Bahn anschließen, nachdem sie den Fahrkartenschalter geschlossen hat. Manfred Stang: "Gerade in der Kurstadt Bad Rappenau müssen wir schauen, dass wir uns stärker engagieren und besser präsentieren." Gedacht ist an ein Konzept, das dem in Eppingen ähnelt. Mit einem Unterschied: Der Pächter soll Reisebedarf und Fahrkartenverkauf aus einer Hand anbieten. "Sobald wir einen kompetenten Interessenten gefunden haben, gehen wir mit ihm das Projekt an", versichert der Bahnhofsmanager.

Mit Reisebedarf können sich Fahrgäste in Bad Rappenau in der Bahnhofsbuchhandlung der Firma Karl Schmitt & Co eindecken. Die Bahn plant, den künftigen Laden mit dem Fahrkartenverkauf zu verbinden.  
Könnte dies die Heidelberger Firma Karl Schmitt & Co Bahnhofsbuchhandlungen sein, die im Rappenauer Empfangsgebäude eine ihrer bundesweit 41 Filialen betreibt? "Eher nein", gibt sich ihr Vertriebsleiter Ulrich Bender zurückhaltend und verweist auf die Kosten durch zusätzliches Personal.

Die Landesgartenschau 2008 nennt Manfred Stang als zeitliches Ziel für ein neues Ambiente im Bahnhof. Bad Rappenaus Hauptamtsleiter Wolfgang Franke sieht allerdings ein Haupthindernis: Noch braucht die Bahn einen beträchtlichen Teil des Erdgeschosses, um die Schranken am Ort per Hand zu bedienen. Und das geplante elektronische Stellwerk mit Automatikbetrieb wird wohl erst 2008 fertig.