Mit der Rolle des Landespolitikers liebäugelt längst nicht jeder

Zweitkandidaten im Wahlkreis Eppingen unterstützen die Bewerber für das baden-württembergische Parlament - Nachrücken hat seinen Reiz

Von Heike Kinkopf

Von Heike Kinkopf

Zweitkandidaten im Wahlkreis Eppingen definieren ihre Rolle durchaus unterschiedlich: Mehr als nur „Wahlkampfmanager“, so sieht sich Thomas Donnerbauer hinter Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU). Axel Muth, der den FDP-Mann Richard Drautz unterstützt, zieht es zwar nicht mit aller Macht nach Stuttgart, aber reizen würde ihn die Aufgabe schon.

Hans Heribert Blättgen dagegen winkt ab: Er möchte seinem Frontmann Ingo Rust (SPD) ein paar Stimmen mehr bringen. Aber Stuttgart? Da geriete der Rappenauer OB in die Bredouille, und das nicht nur in der Familie. Offen für neue Aufgaben zeigt sich Stefanie Rech. Sie musste nicht lange darüber nachdenken, ob sie als Friederike Wilhelms Zweitkandidatin bei den Grünen mitmischt. Eine aktive Rolle zu spielen - ob in der Partei oder später einmal auf Landesebene - „das traue ich mir zu“, sagt die 29 Jahre alte Verwaltungsangestellte aus Brackenheim.

Unabhängig davon, wie die Wahl am Sonntag ausgeht und wer einen Sitz im Parlament ergattert: Den Wahlkampf erleben Zweitkandidaten hautnah. „Hochinteressant“ wertet der Eppinger Immobilienmakler Muth die Begegnungen mit der Polit-Prominenz, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. „Mir geht es aber vor allem darum, dass es Richard Drautz wieder in den Landtag schafft“, begründet Muth sein Engagement. Jeder Vertreter mehr in Stuttgart sei ein Gewinn. „Das ist grundsätzlich besser für die Region.“ Feuchte Hände bekam Muth, als er jüngst von Drautz’ Autounfall erfuhr. Der lief glimpflich ab, machte aber deutlich, wie rasch aus bloßer Unterstützung echte Verantwortung erwachsen kann. „Dann müsste ich überlegen, wie ich den Betrieb hier organisiere“, sagt Muth. Dass es funktioniert, dafür gebe es genügend Beispiele.

Zweitkandidaten halten sich für den Extremfall parat. Sie stehen für Demokratie. Dass die Wahlberechtigten überhaupt zur Stimmabgabe gehen, war ein Appell, den Rappenaus OB Blättgen den Besuchern eines Kabarettabends für Genossen und Kulturfans mit auf den Nachhauseweg gab. Auf eine „vernünftige Wahlbeteiligung“ hofft auch Axel Muth. Es könne nicht sein, dass nur 40 Prozent wählen gingen und damit über die übrigen 60 Prozent mitbestimmten.

Schleppend, so erlebt Thomas Donnerbauer den aktuellen Wahlkampf. „Vielleicht liegt es daran, dass eine Wahl die nächste jagt“, spielt er auf die vorgezogene Bundestagswahl im September an. Seine Rolle als zweiter Mann hinter Gurr-Hirsch? „Ich bin nicht nur Wahlkampfmanager, sondern ich bin auch in der Lage, sie zu vertreten“, erinnert der Steuerfachangestellte aus Nordheim selbstbewusst an eine Gesprächsrunde im Beilsteiner Jugendhaus. Jüngst sprang er dort für die verhinderte Staatssekretärin in die Bresche. Gurr-Hirsch als Abgeordneter einmal abzulösen, mit dem Gedanken spielt Donnerbauer zum jetzigen Zeitpunkt nicht. „Sie ist ja noch jung an Jahren.“ Gleichwohl er auch deshalb als Zweitkandidat antritt, weil die „generelle Bereitschaft“ vorhanden ist, Landespolitik mitzugestalten. So wie bei Stefanie Rech. Einmal in die erste Reihe zu treten, kann sich die Grüne durchaus vorstellen. Klar dagegen Blättgens Bekenntnis zu Rappenau: „Ich bin hier OB, und ich bin es gerne; ich habe keine Ambitionen, in den Landtag zu ziehen.“ Deshalb hat er sich die Entscheidung Zweitkandidat nicht leicht gemacht. So wie Axel Muth, den die Vorstellung allerdings kitzelt.