Historisches Stellwerkhaus auf dem Abstellgleis

Vom ausgedienten Gemäuer in Eppingen bröckelt der Putz - Muckle: „Kein Dauerzustand“ - AVG: „Kein Handlungsbedarf“

Von Alexander Hettich

Historisches Stellwerkhaus auf dem Abstellgleis
Trauriges Bild an prominenter Stelle: Das alte Stellwerkhaus an der Heilbronner Straße prägt das Stadtbild, ist aber selbst vom Verfall geprägt.

Von Alexander Hettich

„Städtebaulich prägend, ortstypisch, von besonderer Dominanz“ - mit diesen Attributen bedenkt Eduard Muckle das kleine Stellwerkhaus am Bahnübergang beim Kreisverkehr Heilbronner Straße. Gerade deshalb, so der Eppinger Baubürgermeister, sei der derzeitige Zustand des Gemäuers an prominenter Stelle nicht akzeptabel: „Das ist kein Dauerzustand.“ Auch Stadträtin Carmen Probst hatte in der jüngsten Ratssitzung auf den Schandfleck aufmerksam gemacht.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde das schmale Gebäude an den Gleisen errichtet. Bis die Stadtbahn 1997 in die Stadt rollte, setzten die Bahnbediensteten vom Obergeschoss aus Weichen und Signale elektromechanisch in Bewegung. Das erledigt heute ein Computer. Die beiden Eppinger Weichenhäuschen, ein zweites steht östlich des Bahnhofs, wurden vernachlässigt. Am Stellwerk West hat der Zahn der Zeit besonders genagt. Kürzlich fielen sogar ganze Fassadenteile ab und gaben die darunter liegende Backsteinkonstruktion frei. Die städtische Baurechtsbehörde ist alarmiert, sorgt sich um die Sicherheit und will auf schnelle Abhilfe drängen, kündigt Muckle an: „Da werden wir dicke Bretter bohren.“

Besitzer des maroden Kleinods ist die Deutsche Bahn Netz AG. Als Pächterin der Stadtbahnstrecke muss sich jedoch die AVG um den Unterhalt des Gebäudes kümmern. Die Baumängel seien bekannt, bestätigt Georg Nowak-Hertweck, Sprecher des Karlsruher Verkehrsunternehmens auf KS-Nachfrage. „Es gibt aber keinerlei Verkehrsgefährdung.“ Das Gebäude sei umzäunt. Solange der von der Gebäudefront abbröckelnde Putz im Vorgarten lande, seien Fußgänger oder Autofahrer nicht beeinträchtigt. Unter Denkmalschutz steht das Stellwerk nach AVG-Informationen nicht. Das aber sieht Bürgermeister Muckle anders. Die gesamte Kraichgaubahnstrecke samt der alten Betriebsgebäude stehe „unter Denkmalvorbehalt“. Im Einzelfall müsse das Denkmalamt klären, ob an dem Gemäuer ein besonderes historisches Interesse besteht.

Ein besonderes Interesse am Stellwerk hat die AVG nicht, daraus macht Nowak-Hertweck keinen Hehl. Er sieht „keinen Handlungsbedarf“ und schließt „Verschönerungsmaßnahmen“ aus, „solange nicht geklärt ist, was mit dem Gebäude passiert“. Ideen kursieren in der Stadt genug. Ein Museum? Oder eine Szenelokal? Eine Kneipe direkt am Bahnübergang hält der AVG-Sprecher nicht für realistisch: „Das ist sehr kritisch mit der Verkehrssicherungspflicht.“

Historisches Stellwerkhaus auf dem Abstellgleis
Historisches Stellwerkhaus auf dem Abstellgleis