Ein eigenes Haus für damals 700 Katholiken

100 Jahre Grundsteinlegung der katholischen St.-Cyriak-Kirche Obergimpern - Gedanken und Diskussionsrunde über den Glauben

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Ihm gehe es nicht darum, ein Gebäude aus Stein zu feiern, sagt der katholische Pfarrer. Vielmehr wollte er während der Fastenzeit eine inhaltliche Diskussion anstoßen. Dazu hatte er im Vorfeld des Jubiläums zwei Gäste gebeten, ihre Gedanken zum Glauben im Rahmen eines Gottesdienstes zu äußern: den Bad Wimpfener Pfarrer, Weihbischof Franziskus Eisenbach, und Hans Heribert Blättgen; einen Kirchenmann und das weltliche Oberhaupt der großen Kreisstadt Bad Rappenau.

"Kirche sollte nicht im eigenen Saft schmoren", meint Roland Merz, "sondern über die eigenen Grenzen hinausgehen." In dem Satz steckt der Wunsch, voneinander zu lernen und nicht zu richten über jene, die den Weg zum Glauben nicht über die traditionelle Kirche finden. In seiner Festpredigt am vergangenen Sonntag fasste Merz das, was bei der Diskussion mit Eisenbach und Blättgen deutlich wurde, zusammen. "Unsere Aufgabe ist es, eine einladende Gemeinde zu sein", sagt er. Und lobt die Veranstaltungen: "Das schöne war, dass es wirklich um den Glauben und nicht um eine Kritik an der katholischen Kirche ging." Der Pfarrer denkt darüber nach, die Gespräche mit Personen aus dem kirchlichen und dem öffentlichen Leben zu einer festen Einrichtung zu machen. Die Gottesdienste wurden umrahmt von den Black Diamonds, vom katholischen Kirchenchor und vom Männerchor.

Die St.-Cyriak-Kirche selbst steht beim Kirchplatzfest am 4. Juli im Mittelpunkt, wenn die wechselvolle Geschichte der Konfessionen in Obergimpern und der Bau des Gotteshauses in einer Ausstellung gezeigt wird. Eine Quelle ist der Bericht von Wilhelm Both, der am 15. Oktober 1894 Pfarrer des kleinen Kraichgaudorfes wurde. "Bei meinem Eingang" schrieb er in dem Büchlein "Wilhelm Both erzählt aus seinem Leben", "machte ich beim Anblick der Kirche den Vorsatz, Obergimpern nicht zu verlassen, bis eine neue katholische Kirche gebaut ist. Und das Werk ist mit Gottes und meiner treuen Pfarrkinder Hilfe gelungen." Die Simultankirche und heutige evangelische Kirche von Obergimpern, die bis dato beide Konfessionen nutzten, war zu eng geworden. Die 700 Katholiken am Ort brauchten einen neuen Versammlungsort. Also verkauften sie 1904 ihren Anteil an der Simultankirche für 3000 Mark - "eine Glocke hatte schon diesen Wert", beschwerte sich Wilhelm Both allerdings noch Jahre später über den aus seiner Sicht schlechten Handel.

Das neue Gotteshaus, das mitten im Dorf an der Nordseite des Burggartens gebaut worden war, wurde drei Jahre später geweiht. "Ich hätte gerne die neue Kirche weiter von der Straße weggestellt, da ich ein Feind von lärm und Staub bin", bemängelte Wilhelm Both. Als Grund ließ er seine Leser wissen, dass er Mitglied des Antilärmvereins in München mit seinem Organ "Recht auf Stille" war. Damals schon, möchte man betonen: Die St.-Cyriak-Kirche in Obergimpern liegt direkt an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt.