Vulpius Klinik korrigiert Kurs

Bad Rappenau - Es riecht wie bei Muttern: Küchenchef Joachim Heimberger hat Linsen und Spätzle auf dem Speiseplan. Die Spätzle sind selbstgemacht, die Linsen frisch zubereitet, und das ist seit 1. März bei der Vulpius Klinik wieder ganz normal.

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Bad Rappenau - Es riecht wie bei Muttern: Küchenchef Joachim Heimberger hat Linsen und Spätzle auf dem Speiseplan. Die Spätzle sind selbstgemacht, die Linsen frisch zubereitet, und das ist seit 1. März bei der Vulpius Klinik wieder ganz normal. Während die vier Stadt- und Landkreis-Kliniken (SLK) von Brackenheim über Heilbronn und Bad Friedrichshall bis Möckmühl seit Mitte Februar ihr Essen aus der Küche der Klinik Löwenstein bekommen, geht die Vulpius Klinik genau den umgekehrten Weg − und kocht wieder frisch.

Noten

Die Fachklinik für Orthopädie hat bereits zehn Jahre Erfahrung mit vorproduzierten Essen hinter sich. Zuletzt war sie mit 100 Essen am Tag ihr einziger Kunde: "Die Noten der Patienten für die Verpflegung waren nicht wirklich schlecht", erklärt Prokurist Klaus Harder. "Aber sie lagen immer deutlich hinter den Noten für die medizinische Behandlung oder die Pflege." Das habe man ändern wollen.

Und noch etwas wollte die Geschäftleitung unter der Regie von Joachim Off korrigieren: Vor dem Bau einer hochmodernen Großküche im Jahr 2000 hatte man 1998 die Klinik- und Management-GmbH KMS, die spätere Resona, gegründet und einzelne Betriebsteile samt Mitarbeiter ausgegliedert. Seit 1. März sind nun alle 13 Beschäftigten wieder mit einem Vertrag der Vulpius Klinik versorgt.

Für sie bedeutet das mehr Sicherheit und tatsächlich auch mehr Geld: Jahrelang wurden sie nach einem anderen Tarif bezahlt als ihre Kolleginnen und Kollegen. Die ungleiche Bezahlung in der Belegschaft habe zu großer Unzufriedenheit geführt, so die Geschäftsleitung. Mit einem einheitlichen Tarif für alle Vulpius-Mitarbeiter wolle man ganz bewusst den Teamgedanken stärken: "Wir sind ein Unternehmen und eine Belegschaft", so Klaus Harder. Das Küchenpersonal wurde außerdem um drei Mitarbeiter aufgestockt, weil jetzt natürlich auch am Wochenende frisch gekocht werden muss .

"Wir sind alle glücklich, dass wir wieder zur Klinik zurückkehren durften", sagt die stellvertretende Küchenchefin Lydia Ehrling. Und noch einer ist glücklich: Joachim Heimberger, der neue Küchenchef.

28 Jahre lang kochte er am Kreiskrankenhaus in Möckmühl. Lange wusste er nicht, wie es für ihn weitergehen würde. Jetzt startet er in Bad Rappenau neu durch. Zusammen mit Lutz Clemens, der ebenfalls in Möckmühl gearbeitet hatte, und Rico Schenker produziert er derzeit 400 Essen täglich. Die Auszubildende Maria kann ihre Lehre an der Vulpius Klinik beendet: "Das Mädchen blüht wieder auf", so Heimberger. Der Küchenbetrieb in Möckmühl wurde nur wenige Monate vor ihrem Ausbildungsende geschlossen.

Konzept

Mit dem neuen Küchenkonzept hat die Vulpius Klinik erstmals seit vielen Jahren die Zahl ihrer externen Kunden − derzeit sind das vier Kindergärten in Heilbronn und in Bad Friedrichshall sowie die Seniorenresidenz in Möckmühl, die bislang vom Kreiskrankenhaus mitversorgt worden war − wieder erhöht. Tatsächlich gehen einzelne Kühlhäuser erst jetzt, zehn Jahre nach Bau, in Betrieb. Der alte Plan, von der Vulpius Klinik aus sowohl die Häuser, die damals noch zum Konzern gehörten, als auch die Bad Rappenauer Kurkliniken mitzuversorgen, war nie aufgegangen. Cook and Chill, zu deutsch Kochen und Kühlen, betrachtet man in der Kurstadt inzwischen als gescheitert.

Hintergrund: Lehrgeld bezahlt

Für die Auslagerung einzelner Betriebsteile hat die Vulpius Klinik Lehrgeld bezahlt. Allein die hochmoderne, Küche, die für 1200 Essen täglich ausgerichtet ist, schlug im Jahr 2000 mit 2,5 Millionen Euro zu Buche. Pläne, weitere Dienstleistungen wie das Labor oder Teile der Verwaltung in die Servicegesellschaften KMS (Klinikmanagement- und Service-GmbH) und spätere Resona GmbH auszugliedern, sind schon früh gescheitert. Das Cook-and-Chill-Verfahren, also Essen zu kochen, schnell zu kühlen, zu transportieren und andernorts fertig zu garen, war anderen Kunden und vor allem den örtlichen Kurkliniken nicht schmackhaft zu machen. Nach gut zehn Jahren, so die Klinikleitung, ist man wieder dort, wo man vorher war. Der Aufsichtsrat der Vulpius Klinik habe seinen Vorschlag, zur Frischkost zurückzukehren, einstimmig abgesegnet, so Klinik-Geschäftsführer Joachim Off. rik


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