Offene Türen bringen erhebende Klänge

Bad Rappenau - Ein bis auf den allerletzten Platz besetztes Gotteshaus findet man nur noch selten. In Grombach wurde dieser Traum wahr: Mehr als 350 Männer, Frauen und Kinder waren in die katholische Kirche Sankt Margaretha gekommen. Es war kein Gottesdienst im eigentlichen Sinne, dem sie lauschten, obwohl doch viel zu Gottes Lob gesungen wurde.

Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Schneider

Offene Türen bringen erhebende Klänge
Seit 1992 gibt es den Chor Open Doors. Erstmals begeisterte er nun das Grombacher Publikum in der vollbesetzten katholischen Kirche.Foto: Gabriele Schneider

Bad Rappenau - Ein bis auf den allerletzten Platz besetztes Gotteshaus findet man nur noch selten. In Grombach wurde dieser Traum wahr: Mehr als 350 Männer, Frauen und Kinder waren in die katholische Kirche Sankt Margaretha gekommen. Es war kein Gottesdienst im eigentlichen Sinne, dem sie lauschten, obwohl doch viel zu Gottes Lob gesungen wurde.

Auf Einladung des Vereins Grombacher Kulturscheune (Grokus) war der Chor Open Doors in den Bad Rappenauer Teilort gekommen. "Wir haben sie in Bad Wimpfen erlebt und waren fasziniert", erklärte Claus-Dieter Barg von Grokus, wie es zu dem Engagement kam. Open Doors, das heißt offene Türen, und zum Namen passend, begrüßte Grokus-Vorsitzender Hartmut Schindehütte die Gäste scherzhaft: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Chor der Herrlichkeit".

Unbeschwert

Alle 21 Sänger, darunter sechs Männer, waren individuell in schwarz gekleidet. Im Laufe des Abends konnte der Eindruck entstehen, jeder hätte seine Lieblingskleidung angelegt, um besonders frei und unbeschwert singen und sich ebenso bewegen zu können. Das Repertoire reichte von Johann Sebastian Bachs "Wohl mir, dass ich Jesum habe" über Michael Jackson bis hin zu "Bohemian Rhapsody" der Rockgruppe Queen, bei dem die Sänger voller Perfektion alle Facetten ausleuchteten.

Nach knapp der Hälfte des Konzerts meinte Dirigent und Pianist Uli Dachtler schmunzelnd: "Eigentlich wären wir jetzt fertig, wenn nicht Weihnachten wäre." Eine jazzige Version des Klassikers "Alle Jahre wieder" bezauberte genauso wie "Maria durch ein‘ Dornwald ging" oder "Wenn der König kommt". Alle Solisten waren wohlüberlegt besetzt. Open Doors gelang es vorzüglich, zu Begeisterungsstürmen hinzureißen, zum Mitklatschen oder Mitschnipsen zu animieren.

Doch bei den Zugaben legte der Chor noch einen drauf. Prickelnde Gänsehaut erzeugte die Interpretation von "You raise me up", und Solistin Bärbel Hänle, die mit ihrer rockigen Stimme schon zuvor beeindruckt hatte, überraschte beim Queen-Titel "Barcelona" mit ausgebildetem Operngesang. Sie sang den Part, den im Original Montserrat Caballe hat.

Gast

Der Fürfelder Hartmut Hofmann ist großer Fan des Chors. Als er kürzlich mit Sänger Christoph Steinhoff aus dem Rappenauer Stadtteil und den Open Doors zusammensaß, sangen sie gemeinsam "You raise me up" − und Dachtler erkannte Hofmanns Potenzial. Als Überraschung holten die Musiker Hofmann in Grombach zu diesem Lied als Gastsänger in den Chor. "Für mich war das wirklich ein großer Auftritt", schwärmte er. Beim Schlusslied "Amazing grace" imitierte das Publikum den Dudelsack. Und Hartmut Schindehütte bescheinigte: "You raise me up: Sie haben uns mit Ihrem Gesang erhoben."


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