Oberst Hinckeldey schlägt den Hecker-Aufstand nieder

Vor 160 Jahren fliehen badische Offiziere vor den Revolutionären nach Fürfeld, Bonfeld und Babstadt

Von Michael Rothenhöfer

Oberst Hinckeldey schlägt den Hecker-Aufstand nieder
Oberst Heinrich Wilhelm von Hinckeldey, wie er im Museum hängt.

Kraichgau - Fast auf den Tag 160 Jahre ist es her, da ging der kleien Ort Babstadt mit 350 Einwohnern in die badische Revolutionsgeschichte ein. In Babstadt wurde Oberst Heinrich Wilhelm von Hinckeldey von den Revolutionären festgenommen. Hinckeldey war nicht irgendwer. Er war Kommandant des ersten Dragonerregiments „Markgraf Max“ und ehemaliger Begleitoffizier und Mentor der badischen Prinzen Ludwig und Friedrich.

Kommando Er war es außerdem gewesen, der nach dem Tod des Generals von Gagern das Kommando bei der Niederschlagung des Hecker-Aufstands geführt hatte. Seither galt er den Aufständischen als Verräter. Dieser Ruf verfestigte sich durch die Ereignisse während der Militärmeuterei in Rastatt. Denn es war Hinckeldey, der den Befehl gab, gegen jene Infanteristen vorzugehen, die sich mit den Demokraten verbrüdert, Offizierswohnungen verwüstet, einen Oberst verletzt und das Schloss besetzt hatten. Doch beim Kommando „Säbel ergriffen!“ verweigerten seine Dragoner den Gehorsam. Sie sollen gerufen haben: „Nicht gegen unsere Brüder!“

Flucht Endgültig zur Symbolfigur des reaktionären Staates wurde Hinckeldey dadurch, dass er gemeinsam mit General Hoffmann der großherzoglichen Familie zur Flucht in die Bundesfestung Germersheim verhalf. Die Lage in Karlsruhe hatte sich für die Fürstenfamilie zugespitzt: Soldaten, die eigentlich für Ordnung sorgen sollten, waren von den Demokraten mit Freibier versorgt worden, sangen gänzlich betrunken das Heckerlied und brachten Hochrufe auf Hecker und Struve aus. Hinckeldey und Hoffmann ergriffen schließlich selbst die Flucht vor den Revolutionären: Sie ritten mit ihren Männern über Sinsheim und Kirchardt ins Württembergische nach Fürfeld und Bonfeld.

Dort, jenseits der Grenze, glaubten sie sich vor den Verfolgern sicher. Hinckeldey quartierte sich mit 46 Mann vom ersten Dragonerregiment in Fürfeld ein. Hoffmann führte die übrigen Mannschaften mit 200 Pferden nach Bonfeld. Dort gab es einen für die Soldaten erschütternden Zwischenfall: Artilleriehauptmann Carl Großmann erschoss sich unter dem Druck der Ereignisse.

Überfall Um ein Uhr nachts wurde Hinckeldey aus dem Schlaf geweckt. Den Lärm verursachten badische Volkswehren aus Heidelberg, Sinsheim und der Umgegend. Sie waren auf der Jagd nach ihm.

Hinckeldey entkam. In Babstadt trafen die Offiziere auf eine Menge, die nach einem Bericht des badischen Obersten von Schilling rief: „Das ist der Hinckeldey! Reißt ihm die Kleider vom Leib! Nackt muss er laufen! Schlagt ihn tot!“

Es war der Anführer der Babstadter Bürgerwehr, Hermann von Gemmingen, der Hinckeldey vor Übergriffen bewahrte: Er nahm die Offiziere mit und versicherte der Menge, sie scharf zu bewachen.

Schmerzlich Verschiedene Quellen berichten, dass die Revolutionäre Hinckeldey nach Karlsruhe brachten. Dort wurde er in ein Loch mit einem stinkenden Nachtstuhl gesteckt. Doch die Haft war von kurzer Dauer: Noch bevor die Preußen die Revolution niedergeschlagen hatten, war er frei. 1851 erhielt er das Kommando über die Bundesfestung Rastatt, starb aber schon 1852 im Alter von 59 Jahren. Für Babstadt hatte die revolutionäre Episode schmerzliche Folgen: Das badische Innenministerium listete die Namen von 84 Bürgern als Revolutionsteilnehmer auf und verpflichtete den Ort zu hohen Entschädigungsleistungen.