Mit Moos was los

Markus Reimann ist ein so genannter Bryologe und kartiert das Allgäu

Von Adrian Hoffmann

Mit Moos was los
Alles fürs Moos: Markus Reimann, 33, aus Bad Rappenau verbringt seinen Urlaub mit der Kartierung des Allgäus.Foto: Adrian Hoffmann

Bad Rappenau - Die niedersten Landpflanzen haben es Markus Reimann aus Bad Rappenau angetan. „Moose sind doch viel interessanter als Blumen“, sagt er und lacht. Der gelernte Gärtner, 33 Jahre alt, gehört seit dem Jahr 2000 dem Verein der Bayerischen Moosfreunde an.

Was am Anfang nur ein kleines Interesse war, ist mittlerweile zum intensiven Hobby geworden. „Ich verbringe meinen ganzen Urlaub damit“, erzählt Reimann. Zurzeit arbeitet er an der Mooskartierung des Allgäus. Er packt seinen Rucksack, ein paar topografische Karten dazu, läuft querfeldein über Berge und durch Täler und spricht auf sein Diktiergerät, sobald er Moos sieht. Das ist nicht einfach entspanntes Wandern, das ist durchaus auch harte Arbeit. „Ich könnte mich natürlich auch in irgendeinem Wellnesshotel flachlegen und mir ein Schlammpaket machen“, sagt Reimann, „das will ich aber nicht.“

Viele der Moose tütet er ein und beschriftet sie, im Dokumentieren macht ihm keiner was vor. In einem separaten Zimmer lagert er mehr als 3000 Moosarten, auf dem Boden liegt jede Menge Butterbrotpapier, in das er alles, was Grün ist, einwickelt. Und im Herbst kommt der erste Deutsche Moosatlas heraus, an dem er mitgearbeitet hat.

Aber was bringt es eigentlich, eine Mooskartierung zu erstellen? Was für einen Nutzen hat das? Auf diese Frage reagieren Moosexperten ein wenig allergisch. Dr. Ludwig Meinunger, quasi Reimanns Chef, antwortet: „Diese saudumme Frage hört man andauernd.“ Warum müsse alles einen Nutzen haben? „Das Leben wird erst spannend, wenn man sich mit Dingen beschäftigt, die keinen Nutzen haben.“ Außerdem seien Moose genauso schützenswert wie der Kölner Dom und „empfindliche Indikatoren“ dafür, wie es der Natur geht.

Auf Markus Reimann sind die Bayerischen Moosfreunde stolz. Zum einen ist er ein verhältnismäßig junges Mitglied der Gruppe, und zum anderen laut Meinunger einer der besten Mooskenner Deutschlands.

Neue Arten Reimann selbst würde das so nie sagen, aber es freut ihn natürlich. Manchmal kann er mit seiner Moosbegeisterung auch jemanden anstecken, sagt er. So wie den Wirt der Allgäuer Enzianshütte. „Der saß einen ganzen Abend lang nur bei uns“, erinnert sich Reimann. Der Hüttenwirt habe das spannender gefunden als die Anekdoten irgendwelcher Kletterkünstler.

Markus Reimann war damals mit einem Freund unterwegs, der sich für Allgäus Blüten und Blumen interessiert, bei den beiden geht es nicht etwa darum, „über Klettersteige zu rammeln“. Schon mehr als 800 Moosarten hat Markus Reimann im Allgäu gezählt und kartiert, und auch eines gefunden, dessen Existenz bisher nur im Schwarzwälder Höllental bekannt war.

Es heißt tetrodontium ovatum und ist quasi Reimanns Lieblingsmoos. „Da habe ich einfach einen Blick dafür“, meint der 33 Jahre alte Bad Rappenauer - das Moos falle durch seinen metallischen Glanz auf, wenn man mit der Taschenlampe in einen Felsvorsprung leuchte.

Kennzeichen der Moose sind laut Wikipedia die Photosynthesepigmente Chlorophyll a und b, Stärke als Speichersubstanz und Zellwände aus Zellulose. Es soll 16 000 Arten geben, wobei Zahlen hier nicht verlässlich sind. Moose wachsen langsam und an Orten, die von anderen Pflanzen nicht besiedelt werden können.