Kosten auf dem Prüfstand

Bad Rappenau - Als die große Politik begann, milliardenschwere Konjunkturpakete zu schnüren, keimte auch bei der Kur- und Klinikverwaltung Bad Rappenau (KuK) Hoffnung - vergeblich. „Ich habe einen Investitionsstau von zehn bis 15 Millionen Euro. Es wäre sehr hilfreich für uns gewesen, wenn wir diese Baumaßnahmen nicht über Banken finanzieren müssten, sondern eine Förderung bekommen würden“, sagt KuK-Geschäftsführer Olaf Werner. Dass die Kliniken die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen werden, damit rechnet Werner fest.

Von Steffan Maurhoff

Kosten auf dem Prüfstand

„Es ist nicht vorhersehbar, wie tief es die Reha treffen wird.“

Olaf Werner

Bad Rappenau - Als die große Politik begann, milliardenschwere Konjunkturpakete zu schnüren, keimte auch bei der Kur- und Klinikverwaltung Bad Rappenau (KuK) Hoffnung - vergeblich. „Ich habe einen Investitionsstau von zehn bis 15 Millionen Euro. Es wäre sehr hilfreich für uns gewesen, wenn wir diese Baumaßnahmen nicht über Banken finanzieren müssten, sondern eine Förderung bekommen würden“, sagt KuK-Geschäftsführer Olaf Werner. Dass die Kliniken die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen werden, damit rechnet Werner fest. „Aber es ist nicht vorhersehbar, wie tief es die Reha treffen wird.“ Mit den Kostenträgern hat es bereits Gespräche gegeben. Doch einige Kassen versuchen, Fallpauschalen nach unten zu schrauben, statt die wichtige Einnahmequelle der Kliniken etwas üppiger sprudeln zu lassen. „Das kann nicht funktionieren, irgendwann ist die Effizienz zu Ende“, weiß Werner. Im Gegenteil. Wegen der hohen Leistungsdichte habe das Personal der KuK vergangenes Jahr sogar etwas aufgestockt werden müssen.

Einsparungen

Trotzdem versucht die KuK gegenzusteuern. Derzeit werden erneut die Kostenstrukturen, beispielsweise beim Sachaufwand, untersucht: „Wo haben wir noch Luft?“ Außerdem nimmt die Kur den Personalbereich unter die Lupe. Notfalls sollen befristete Arbeitsverhältnisse auslaufen oder die Fluktuation genutzt werden. „Wir wollen aber aktiv niemanden entlassen“, so Werner.

Derzeit stehe man mit Rentenversicherungsträgern in Verhandlungen über eine Anhebung der Pflegesätze. Schließlich sind nach den Tarifverhandlungen des vergangenen Jahres seit dem 1. Januar allein 4,4 Prozent mehr Personalkosten zu bezahlen; hinzu kommen Ausgabensteigerungen aus dem Energiebereich. Auch mit den Krankenkassen laufen Verhandlungen. Olaf Werner zitiert mit Wonne den Vorsitzenden der Fachgruppe Rehabilitation des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Wilhelm Brokfeld: „Die Kassen schauen mehr auf die Qualität, sollten sie dann aber auch bezahlen.“

Strategien

Eine wichtige Rolle spielt für die KuK in Zukunft auch das Marketing. Seit kurzem ist deshalb Ingmar Schiedel hauptamtlich bestallter Öffentlichkeitsarbeiter des Konzerns. Zu seinen Aufgabenbereichen gehört es unter anderem, den Informationsfluss zum Patienten zu verbessern. Etwa darüber aufzuklären, dass man bei einer Kur in Bad Rappenau auch Nebenleiden behandeln kann - unter Umständen ohne Mehrkosten für den Versicherungsträger. „Das ist ein Pluspunkt von Bad Rappenau, den sonst keiner an einem Standort in dieser Bandbreite hat“, betont Olaf Werner. Viele Patienten wüssten auch nicht, dass sie ein Wunsch- und Wahlrecht hätten, sich also Kliniken heraussuchen oder an eventuellen Mehrkosten beteiligen könnten.

Die KuK hält auch Ausschau nach neuen Geschäftsfeldern. So will die Kur in ein bis zwei Monaten auch Kurzzeitpflege anbieten. Außerdem sucht man die Zusammenarbeit mit Gesundheitsreise-Veranstaltern, denkt über die Optimierung der Speiseversorgung, Wundmanagement und Schmerztherapie nach. Kostenträchtig ist die Idee, alle Leistungen für die Patienten unter einem Dach anzubieten (siehe Hintergrund). Geschäftsführer Olaf Werner hofft auf eine gute Zukunft nach der Krise: „Das ist eine Diskussion, die in den nächsten drei bis fünf Jahren geführt wird.“


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