Kommunalpolitik soll weiblicher werden

Sulzfeld - Landfrauen und Gemeinde bringen breit angelegtes Projekt auf den Weg. Im Idealfall erfüllt das Projekt einen doppelten Zweck: Mehr Sulzfelderinnen mischen in der Kommunalpolitik mit, und die Landfrauen gewinnen neue Mitglieder.

Von unserem Redakteur Alexander Hettich

Kommunalpolitik soll weiblicher werden
Landfrauenvorsitzende Hanna Fundis und Bürgermeisterin Sarina Pfründer (links) vor dem Sulzfelder Rathaus: Sie hoffen, dass sich mehr Frauen in der Politik und im Verein einbringen.Foto: Alexander Hettich

Sulzfeld - Im Idealfall erfüllt das Projekt einen doppelten Zweck: Mehr Sulzfelderinnen mischen in der Kommunalpolitik mit, und die Landfrauen gewinnen neue Mitglieder. Verein und Gemeinde starten im kommenden Jahr eine Veranstaltungsreihe, die den Damen die Scheu vor dem Engagement im Rathaus nehmen soll. Anmeldeschluss ist am 21. Dezember.

Hemmschwelle

Kooperationspartner der Initiative sind die Landeszentrale für politische Bildung und das Landratsamt Karlsruhe. Der Auftakt ist am Dienstag, 10. Januar. Danach geht es bis Dezember an sieben weiteren Terminen um verschiedene Aspekte der Kommunalpolitik, um Themen wie Gemeindehaushalt oder Kinderbetreuung. Dazu werfen die Teilnehmerinnen einen Blick hinter die Kulissen von Kreistag und Gemeinderat.

"Es kostet Überwindung, sich nach vorne zu stellen", sieht Bürgermeisterin Sarina Pfründer einen Grund dafür, dass Frauen in den Ratssälen unterrepräsentiert sind. Landesweit sind 22 Prozent der Gemeinderäte Frauen. In Sulzfeld sieht die Quote noch schlechter aus. Hier sehen sich Waltraud Schellenberger-Hagenbucher und Karin Fichtner zwölf männlichen Kollegen gegenüber. Die Reihe unter dem Titel "Unsere Gemeinde braucht Frauen" soll weiteren Sulzfelderinnen Mut machen, sich um ein Mandat zu bewerben, hofft Pfründer. Dabei hält die Bürgermeisterin nichts davon, Themen nach Geschlechtern zu verteilen. "Ich bin dagegegen zu sagen, Kinderbetreuung ist Frauensache, die Männer kümmern sich um Finanzen." Nach der Erfahrung von Hanna Fundis macht es das Wahlverhalten mitunter nicht leichter. Allgemein erweise sich das Vorurteil von der Männerdomäne Politik als ausgesprochen zäh. "Frauen wählen keine Frauen − da ist schon ein bisschen was dran", sagt Fundis.

Verein wirbt

Die Vorsitzende des Landfrauenvereins hofft, dass die Initiative zum Sinneswandel beiträgt. Ein Nebeneffekt wäre, wenn die eigenen Reihen Zulauf erhielten. "Wir wollen weg vom Klischee, die Landfrauen seien nur etwas für Bäuerinnen." Die Sulzfelderinnen würden gerne junge Frauen gewinnen. Anderen Ortsvereinenen gelingt das über Gymnastikangebote. Als sich die Landfrauen im Ort Ende der 70er Jahre, also recht spät, formierten, war die Sportsparte von den Vereinen schon umfassend bedient. "Jetzt haben wir etwas Neues, um die Frauen zu motivieren", setzt Fundis auf die Politikreihe.