Großer Bahnhof für den Fußball

Sinsheim - Zwei Wochen vor dem Start der Frauenfußball-WM steht es 1:0 für die Fans. Der 11,3 Millionen Euro teure neue Kreuzungsbahnhof Sinsheim Museum/Arena ist eingeweiht. "Ein besonderer Tag für die große Kreisstadt", freut sich Oberbürgermeister Rolf Geinert.

Von Peter Boxheimer

Sinsheim - Zwei Wochen vor dem Start der Frauenfußball-WM steht es 1:0 für die Fans. Der 11,3 Millionen Euro teure neue Kreuzungsbahnhof Sinsheim Museum/Arena ist eingeweiht. "Ein besonderer Tag für die große Kreisstadt", freut sich Oberbürgermeister Rolf Geinert.

Neues Gesicht

Zwei Gleise, zwei Bahnsteige, eine Unterführung, breite Rampen und Treppen, Blindenleitstreifen, digitale Fahrgastinformationen − der einst unscheinbare Haltepunkt am Rand des Industriegebiets Neulandstraße ist nach 16-monatiger Ausbauzeit kaum wiederzuerkennen. Die Fußballanhänger können kommen. Nicht nur zu den vier Partien der Weltmeisterschaft in der Rhein-Neckar-Arena, sondern auch zu den Bundesliga-Heimspielen von 1899 Hoffenheim.

"Mit dem Ausbau des Halts erfüllen wir eine zwangsläufige Verpflichtung", sagt Geinert. Bei der Standort-Entscheidung für das Stadion sei die Verkehrsanbindung ein ausschlaggebender Punkt gewesen. Die Autofahrer profitieren von der unmittelbaren Nähe zur Autobahn. Und wer auf der Schiene anreist, steigt jetzt an einem leistungsfähigen Haltepunkt aus, von dem aus das Stadion in gut einer Viertelstunde zu Fuß zu erreichen ist.

210 und 228 Meter lang sind die beiden Bahnsteige, deren östliche Teilstücke abgesenkt wurden. Ein Vorgriff auf die Schienenzukunft: Neben der S-Bahn Rhein-Neckar soll hier ab Ende 2013 auch die Heilbronner Stadtbahn Nord halten − und beide Schienenfahrzeuge, die unterschiedliche Einstiegshöhen haben, sind dann barrierefrei benutzbar. Stadtoberhaupt Geinert wünscht sich, dass Sinsheim möglichst zeitnah das Verbindungsstück zwischen den zwei erfolgreichen Nahverkehrssystemen wird: "Die technischen Voraussetzungen sind geschaffen."

Die Ausgaben für die Station seien gut angelegtes Geld, bescheinigt Staatssekretärin Gisela Splett vom baden-württembergischen Verkehrsministerium. Und der Erfolg der S-Bahn Rhein-Neckar belege, dass ein gut ausgebautes Nahverkehrssystem von der Bevölkerung auch bestens angenommen werde. Planmäßig sei der Bahnhof zur großen Bewährungsprobe WM fertig geworden: "Es ist eine Punktlandung."

Eine zusätzliche Facette für die Attraktivität Sinsheims macht Stefan Dallinger aus. "Wir haben hier wirklich ein Vorzeigeobjekt geschaffen", findet der Rhein-Neckar-Landrat. Und dazu wurden von der kommunalen Seite 4,1 Millionen Euro beigesteuert, die je zur Hälfte vom Kreis und der Stadt kommen.

Volltreffer

Über drei Treffer zu einem glatten 3:0 freut sich Sven Hantel, Leiter des Regionalbereichs Südwest bei der Bahn-Gesellschaft Station und Service: die S-Bahn, die moderne Infrastruktur der Station und die Zusammenarbeit der am Projekt beteiligten Partner.

"Das ist wirklich ein toller Tag", stimmt Christian Specht, Vorsitzender des Zweckverbands Verkehrsverbund Rhein-Neckar, zu. 1993/94 einen zusätzlichen Bahnhaltepunkt nahe des Sinsheimer Auto- und Technik-Museums zu schaffen, war in seinen Augen "eine richtige Entscheidung, die sich jetzt auszahlt".

Takt-Wunsch

In einer Viertelstunde ist der neue Sinsheimer Stadionbahnhof mit der S-Bahn-Linie 5 von Eppingen aus zu erreichen. „Mit jeder Attraktivitätssteigerung wird das Verkehrsmittel von unseren Bürgern mehr genutzt“, betont OB Klaus Holaschke bei der Einweihung. Entsprechend nehme auch die Zahl der mit dem Zug kommenden Stadionbesucher zu. Wunsch der Stadt Eppingen ist es deshalb, den Takt zu verdichten – von einer Stunde auf 30 Minuten, zumindest in den Stoßzeiten. box
 

Großer Bahnhof für den Fußball
Die WM-S-Bahn hält am ausgebauten Kreuzungsbahnhof Sinsheim Museum/Arena: Für 11,3 Millionen Euro wurde die Station fantauglich gemacht.Fotos: Peter Boxheimer
Großer Bahnhof für den Fußball
Scherenschnitte zur Bahnhofsfreigabe (von links): Sinsheims OB Rolf Geinert, Bahn-Vertreter Sven Hantel, Staatssekretärin Gisela Splett, Rhein-Neckar-Landrat Stefan Dallinger, Referatsleiter Dieter Glück vom Bundesverkehrsministerium und Christian Specht, Chef des Zweckverbands Verkehrsverbund Rhein-Neckar.