Gesundheitszentrum wird um 25 Prozent teurer

Ausbau des alten Krankenhauses kostet Eppingen wohl rund 1,5 Millionen Euro - „Künftig etwas genauer hinschauen“

Von Alexander Hettich

Gesundheitszentrum wird um 25 Prozent teurer
Für den Ausbau des alten Krankenhauses zum Gesundheitszentrum muss Eppingen mehr Geld auf den Tisch legen als geplant.

Foto: Alexander He

Kostenfalle Krankenhaus: Weil das alte Gemäuer unliebsame Überraschungen barg, läuft die Kalkulation für das Gesundheitszentrum aus dem Ruder. Für die Einrichtung mit Facharztpraxen und Vereinsräumen muss die Stadt nach derzeitigem Stand rund 1,5 Millionen Euro investieren, 300 000 Euro mehr als geplant.

Dass Eppingen tiefer würde in die Tasche greifen müssen, hatte sich abgezeichnet. Jetzt liegen Zahlen auf dem Tisch. Um 25 Prozent wird der ursprünglich anvisierte Betrag überschritten. Warum? Das erklärte Bauleiter Hartmut Rudisile den Stadträten bei einem Rundgang am Dienstagabend durch das weit gehend restaurierte Gebäude. „Das war ursprünglich so nicht vorgesehen“, war dabei einer der häufigsten Sätze. Das über 100 Jahre alte Gebäude, das über Jahrzehnte hinweg immer nur notdürftig repariert worden war, wollte nicht so wie die Planer. Es gab seine Geheimnisse erst preis, als Putz und Bodenbelag entfernt waren.

Morsche und durchweichte Balken, die zu ersetzen waren. Ein Anbau mit waghalsiger Glasdachkonstruktion, der fast komplett neu errichtet werden musste. Tragende Wände, die irgendwann einmal einfach entfernt worden waren. Das sind nur einige der Überraschungen, die Planer und Kämmerer verkraften mussten. Dazu, so hieß es bei der Begehung, hätten unerwartete Auflagen beim Brandschutz und Wünsche der Mieter die Kosten in die Höhe getrieben. Ob man das Haus nicht sorgfältiger hätte untersuchen können, bevor die Bauarbeiter anrückten, wollte SPD-Stadtrat Hartmut Kächele wissen.

Das Innenleben des Gebäudes sei wie in solchen Fällen üblich „stichprobenweise“ untersucht worden, entgegnete Rudisile, der als Bauleiter erst später hinzugezogen worden war. Die Voruntersuchungen hatte ein Stuttgarter Planungsbüro durchgeführt, dem die Fehlkalkulation aber nicht anzulasten sei, wie Klaus Holaschke betonte: „Wir hätten den Zuschlag für Unvorhergesehenes höher ansetzen müssen“, sagte der Oberbürgermeister selbstkritisch. Aus den Erfahrungen werde man Lehren ziehen. Beim Umbau des Alten Rathauses sei von vornherein ein größerer Puffer einkalkuliert worden.

„Konsequenzen für die Zukunft“ in Form gewissenhafterer Voruntersuchungen forderte auch CDU-Stadtrat Anton Varga. „Man muss sich künftig mehr Zeit lassen, nicht alles mit heißer Nadel stricken“, räumte Peter Wieser von den Grünen ein. „Etwas genauer hinschauen, bevor man Kostenvoranschläge macht“, empfahl Hartmut Kächele, der bei aller Kritik die gelungenen Renovierungsarbeiten in den Vordergrund rückte: „Wir schaffen dort auch bleibende Werte.“

Im neuen Kostenansatz von 1,5 Millionen Euro ist der Ausbau aller vier Praxen enthalten. Im Erdgeschoss haben Christoph Dorschner und Stefan Linke ihre Gemeinschaftspraxis bezogen, der Internist Ekanegoro Kasih zieht wohl im November ins erste Obergeschoss des Ostflügels. Zwei Einheiten im Westteil stehen noch leer, die Stadt hält aber am Facharzt-Konzept fest, versicherte Holaschke: „Wir werden das nicht x-beliebig vermieten.“