Fast 70.000 Fahrgäste steigen täglich in die S 4

Region Heilbronn - Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) hat seine Fahrgastzahlen und Einnahmen erneut gesteigert. Mit Geschäftsführer Walter Casazza sprach Peter Boxheimer über Stärken, Schwächen und Projekte des Nahverkehrsangebots.

Fast 70 000 Fahrgäste steigen täglich in die S 4

„Unser erklärtes Ziel ist, dass wir in der Kooperation mit den Nachbarverbünden weiterkommen.“

Walter Casazza

Region Heilbronn - Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) hat seine Fahrgastzahlen und Einnahmen erneut gesteigert. Mit Geschäftsführer Walter Casazza sprach Peter Boxheimer über Stärken, Schwächen und Projekte des Nahverkehrsangebots.

Neue Rekordzahlen bei Fahrgästen und Tarif-Einnahmen: Sind Sie damit am Ende der Fahnenstange angelangt?

Walter Casazza: Nein. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Fahrgastzahlen auch im Jahr 2009 gut entwickeln werden. Wir haben entsprechende Zahlen für das erste Quartal vorliegen und glauben, diesen Trend, den wir im KVV schon über Jahre verzeichnen, fortsetzen zu können.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass die Entwicklung weitergeht?

Casazza: Wir können uns auf ein sehr gutes Angebot abstützen, das wir weiter verbessern und ausbauen. Außerdem ist die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entsprechend hoch.

Wo muss der KVV noch Hausaufgaben machen?

Casazza: Unser erklärtes Ziel ist, dass wir in der Kooperation mit unseren Nachbarverbünden weiterkommen, also den Kunden Überlappungstarife für ein noch bequemeres Fahren anbieten - sowohl in Richtung Verkehrsverbund Rhein-Neckar als auch in Richtung Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr. Außerdem planen wir die weiteren Streckenausbauten mit vollen Kräften.

Thema Sicherheit: Sie haben mit Videoschutzanlagen in den Zügen gute Erfahrungen gemacht. Werden auch die Zweisystemwagen der Stadtbahn damit ausgerüstet?

Casazza: Ja, die Werkstätten sind beauftragt, hier tätig zu sein. Die erste Bahn ist schon realisiert, weitere werden im zweiten Halbjahr 2009 folgen, sodass auch die Zweisystemfahrzeuge konsequent mit Videoschutzanlagen ausgestattet werden.

Wie haben sich die Fahrgastzahlen auf der S 4 in den vergangenen Jahren entwickelt?

Casazza: Wir haben insgesamt einen sehr positiven Trend. Wir hatten 2006 zwischen Karlsruhe-Grötzingen und Öhringen-Cappel 56.000 Fahrgäste pro Tag befördert, 2007 waren es schon 64.000, und jetzt, 2008, sind wir knapp unter 70.000.

Auffällig ist, dass relativ viele Stadtbahnzzüge im Kraichgau Verspätung haben. Ist der Fahrplan für die hier weitgehend eingleisige Strecke zu eng gestrickt?

Casazza: Unpünktlichkeiten ergeben sich durch vielerlei Einflussgrößen. Dazu gehören die notwendigen Baustellen und die starke Nachfrage. Wir sind aber stets dran, hier Verbesserungen zu erzielen, und deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir schon in diesem Jahr einen deutlich höheren Prozentsatz an pünktlichen Zügen erhalten werden. Beispielsweise müsste im Sommer durchaus eine sehr stabile Fahrplanlage vorhanden sein.

Kommt der weitere Ausbau der Kraichgaubahn voran?

Casazza: Wir sind dabei, solche Nadelöhre wie in Karlsruhe-Grötzingen auf einen zweigleisigen Ausbau umzustellen. Die Planfeststellung läuft hier, und das wird dazu beitragen, eine Fahrplanverbesserung zu erzielen. In Bretten haben wir auch eine Infrastrukturmaßnahme vorgesehen. Der zweigleisige Ausbau zwischen Bahnhof und Stadtmitte kommt frühestens 2012.

Brauchen Sie nicht auch irgendwo zwischen Eppingen und Gölshausen einen längeren zweigleisigen Abschnitt, um Zugverspätungen aufzufangen?

Casazza: Aufgrund der gerade erwähnten Ausbauten sind vorerst keine weiteren Schritte notwendig.

Fahrgäste bemängeln, dass es nach 20.30 Uhr für den Raum Eppingen nur noch einen Stundentakt gibt. Warum lassen Sie nicht wenigstens einige der Züge weiterfahren, die in Flehingen oder Gölshausen enden?

Casazza: Das ist natürlich auch dem geschuldet, dass der Besteller, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, hier limitierte Zugkilometer vorsieht. Wir sind aber stets bemüht, dass wir weitere Zugkilometer zugesprochen bekommen, um solche Verbesserungen zu erreichen.

Beim Brettener Peter-und-Paul-Fest sind in der Nacht zum Sonntag Fahrgäste stehen geblieben, weil pro Verbindung nur ein Wagen eingesetzt wurde. Hat Ihre Logistik nicht gestimmt?

Casazza: An und für sich hat alles sehr gut funktioniert. Der letzte Zug nach Eppingen war aber wie im vergangenen Jahr ein Einfachzug. Da hat es diesmal einen Engpass gegeben, und die Fahrgäste konnten nicht alle nach Hause fahren. Aufgrund der neuen Erfahrung werden wir im nächsten Jahr diesen Bedarf berücksichtigen.


 

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