Eppinger Palmbräu hat Sinsheimer Bahnhof saniert

Kraichgau - Die lange Theke ist schon installiert. Es fehlt nur noch die Eisenbahnschiene, die den Gästen als Fußtritt dienen wird. Auf der anderen Seite des Raumes schleift ein Handwerker den Boden aus rustikalen Eichendielen ab. Hier wurden einst Fahrkarten verkauft und Gepäck aufbewahrt.

Von Peter Boxheimer

Kraichgau - Die lange Theke ist schon installiert. Es fehlt nur noch die Eisenbahnschiene, die den Gästen als Fußtritt dienen wird. Auf der anderen Seite des Raumes schleift ein Handwerker den Boden aus rustikalen Eichendielen ab. Hier wurden einst Fahrkarten verkauft und Gepäck aufbewahrt. Ein Stockwerk darüber hängen Arbeiter große kreisrunde Lampen auf und renovieren alte Türen. Noch ist der Sinsheimer Bahnhof eine Baustelle. Am 29. Juli soll das von der Eppinger Brauerei Palmbräu erworbene und rundum sanierte Anwesen wieder eröffnet werden − mit einem gastronomischen Betrieb als Mittelpunkt.

"Wir sind ganz verliebt in das Gebäude", sagt Lionel Berger. "Wenn es wieder erstrahlt, macht es Spaß." Berger und Brauereichef Wolfgang Scheidtweiler sind die beiden neuen Bahnhofseigentümer. Um das Sanierungsprojekt durchzuziehen, haben sie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet: die Palmbräu Eppingen Immo.

Neues Leben neben den Gleisen
Große runde Leuchten werden im Gastraum des Obergeschosses aufgehängt.

Stil

Seit vier Monaten wird jetzt an dem alten Bau aus dem Jahr 1868 gewerkelt. "Das ganze Gebäude hat Stil und eine hohe Qualität", schwärmt Scheidtweiler. Und beides wollen die Besitzer bewahren. Neben dem Bahnsteig ist ein gläserner Vorbau entstanden, in dem ein Wintergarten, ein Wartebereich und ein Backshop mit Stehcafé eingerichtet werden. In ihn sind die alten gusseisernen Säulen integriert, die seit jeher das Vordach tragen.

Hier wird eine alte Stuckdecke aufgearbeitet, da ein Bogen wieder herausgeholt. Reverenz an das Denkmal der Eisenbahngeschichte. Doch hat auch die Moderne Einzug in den Bau gehalten. Ein Aufzug verbindet alle Etagen, eine Lüftungsanlage ist installiert. Weil die Personalräume der Bahn für eine Gastronomie viel zu klein waren, mussten viele Wände herausgerissen und Unterfangungen eingezogen werden. 180 Plätze bietet das Lokal im Gebäude, noch einmal so viele sind es im Außenbereich. Der Biergarten ist stilecht eingesplittet, seine Hainbuchenhecke gepflanzt. Im ersten Obergeschoss gibt es nicht nur eine Bar im Lounge-Stil samt Hochbank aus Leder, sondern auch eine Dachterrasse, auf der die Gäste in die Stadt blicken.

Pächter des Lokals wird die Familie Schmidt sein, die den Alten Schlachthof in Wiesloch und einen Teil des Heidelberger Palmbräuhauses betreibt. "Sie bietet gute deutsche Küche nach Hausfrauenart", sagt Lionel Berger. "Aber ein bisschen moderner und pfiffiger", ergänzt Mitgesellschafter Scheidtweiler.

Neues Leben neben den Gleisen
Ein Handwerker schleift den Boden aus alten Eichendielen ab.

Keine Zuschüsse

Öffentliche Toiletten, ein Info- und Reiseschalter der Bahn und ein Buchladen runden das neue Angebot im Bahnhof ab. Eine siebenstellige Summe wird Palmbräu am Ende hier investieren. Öffentliche Zuschüsse gibt es nicht. "Das ist unser Bier − im wahrsten Sinne des Wortes", grinst der Brauereichef.

Natürlich hat das Engagement strategische Gründe. Für Palmbräu ist die Kraichgaumetropole ein wichtiges Marktgebiet. Scheidtweiler: "Uns ging es darum, in Sinsheim Flagge zu zeigen." Das ist der Brauerei bereits gelungen. Ihr historisierter Schriftzug prangt unübersehbar auf beiden Bahnhofsseiten.