Eppingen beim Nachtumzug ganz in Narrenhand

Eppingen - Viele tausend Zuschauer kamen am Samstagabend zum neunten Nachtumzug der Hexen in die Eppinger Innenstadt. 71 Gruppen mit 1500 Hästrägern sorgten für viel Radau und ausgelassene Stimmung.

Von Steffan Maurhoff



Eppingen - Das war eine Gaudi – aber manchmal hat einem durchaus auch der Atem gestockt beim neunten Nachtumzug durch die Eppinger Innenstadt. Die Pfinztrolle Remchingen mit ihren glühenden Augen gaben ein geradezu gespenstisches Bild ab. Für Angst und Schrecken bei den Schönheiten am Straßenrand sorgten unter anderem die Bad Rappenauer Kannibalen, die kreischende Opfer aus der Zuschauermenge schnappten, sie wild herumwirbelten und ihnen kurzerhand die Schuhe klauten.

„Der Schabernack ist einfach besser bei Nacht“, beschrieb Jürgen Gärttner von den Kraichgauperlen und Kraichgauhexen den Charme des Nachtumzugs. Vor neun Jahren hatten er und Bernd Henke von der Hexenzunft Eppingen bei einem Guggentreffen in Bad Rappenau die Idee, in der Fachwerkstatt einen Umzug zu veranstalten.

Mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt konnte der närrische Gedanke in die Tat umgesetzt werden. Bernd Henke ist stolz auf das carnevalistische Alleinstellungsmerkmal für Eppingen: „Einen Nachtumzug gibt es im weiten Umkreis nicht.“ Das mag einer der Gründe sein, warum das Spektakel am Samstagabend geschätzte 15.000 bis 20.000 Zuschauer anlockte. Die Fachwerkstadt verwandelte sich in einen brodelnden Hexkenkessel.



Besonders die schwäbisch-alemannische Fasnacht hält bei dem Spektakel Einzug ins badische Eppingen. 71 Vereine waren diesmal beteiligt, und zwar hauptsächlich Fußgruppen, nur wenige wenige Wagen. „Es sind viele Gruppen aus dem Schwarzwald dabei“, berichtete Henke. Hästräger, geschnitzte Masken und natürlich massenhaft Rambazamba mit schmissiger Guggenmusik – das war der Mix, der die Zuschauer mitriss.

Ein bisschen Pech hatten die Organisatoren des Nachtumzugs mit dem Wetter. Nach optimalem Start begann es gegen 20 Uhr zu Nieseln, und die große Narrensause geriet zu einer ziemlich nassen Angelegenheit. Weil viele der Zuschauer die Gasse für den Umzug nicht freihielten, kam der Tross gegen Ende nur noch recht langsam voran. Gegen 21.30 Uhr tobte das Narrentreffen in der Hardwaldhalle weiter. Die Polizei vermeldete außer vereinzelten Ruhestörungen keine besonderen Vorkommnisse.