Eine gebildete Frau, die ihre Herkunft nie verleugnet hat

Warum die Realschule nach Selma Rosenfeld benannt wird – „Viele gute Dinge getan“

Von Tobias Bumm

Selma Rosenfeld (vorne Mitte) in geselliger Runde 1962 im Eppinger Ratskeller. Ihre deutschen Wurzeln hat sie in Amerika nie verleugnet.Fotos: Tobias Bumm/privat

Eppingen - Am Donnerstag ist es offiziell so weit: Die Realschule wird nach der Eppinger Jüdin Selma Rosenfeld benannt. Von nun an werden Hunderte Schülerinnen und Schüler in einer Bildungsstätte unterrichtet, die an eine sehr interessante Frau erinnert.

Hohe Bildung Die 1892 geborene Selma Rosenfeld ist kein Opfer des Holocausts im Dritten Reich geworden. Sie war schon 1924 nach einem Lehramtsstudium in die USA ausgewandert. Dort hat sie an der Universität studiert. „Soweit ich weiß, war sie die erste Eppingerin, die eine so hohe Bildung genossen hat“, sagt Bernd Röcker. Er ist pensionierter Geschichtslehrer und Vorsitzender des Heimatvereins Kraichgau. Vor rund drei Jahren hat er in einer Arbeitsgemeinschaft am Hartmanni-Gymnasium zusammen mit Schülern den Band „Jüdisches Leben im Kraichgau“ erarbeitet. Dabei ging es ihm nicht nur um die Zeit des Faschismus, sondern darum zu zeigen, dass es auch bis 1933 viele Juden im Kraichgau gab.

Eine von Röckers Schülerinnen war Lisa-Damaris Heitz. Auch sie zeigte sich begeistert von Selma Rosenfeld. „Was sie geschafft hat, ist einzigartig“, sagt sie. Vor allem die Tatsache, dass die Auswandererin niemals ihr deutsches Erbe verleugnet hat, gefällt ihr.

Aus Briefen und Büchern, die Heitz während der AG gesammelt hat, geht hervor, dass Selma Rosenfeld den Kontakt zu Schulkameraden aus Eppingen bis an ihr Lebensende pflegte. In den USA unterrichte sie schließlich an der Universität in Los Angeles Deutsch und gründete einen deutschen Chor, um ihr kulturelles Erbe zu erhalten.

Vorbild „Die Realschule in Eppingen ist ja auch recht musisch ausgerichtet, da ist Frau Rosenfeld genau die richtige Namensgeberin“, meint Röcker. Ihm sei es wichtig, sagt er mit Nachdruck, dass die Umbenennung nicht Teil einer Kampagne ist, die sich darum dreht, den moralischen Zeigefinger Richtung Hitlerzeit zu richten. „Dass sie Jüdin ist, spielt eigentlich gar keine Rolle; sie hat so viele gute Dinge getan, dass sie auch so ein Vorbild ist“, findet er.

So habe Rosenfeld damals der schwarzen Sängerin Ella Lee, die später auch in Berlin engagiert war, Unterricht gegeben. „Und das in den 50er-Jahren, in denen es den Schwarzen noch richtig schlecht ging in den USA“, so Röcker. Um Material zu Selma Rosenfeld zu finden, hat der Heimatforscher alle Quellen angezapft, die zur Verfügung standen. Sogar Werner Frank, ein ebenfalls aus Eppingen nach Kalifornien ausgewanderter Jude, sei für ihn in die Katakomben der Universität gegangen, um Schriften zu Rosenfeld zu orten. „Das war schon großartig“, schmunzelt Röcker.

Den Stellenwert einer Persönlichkeit wie Selma Rosenfeld sieht er darin, dass sie den Jugendlichen ein Vorbild sein kann in ihrer Beharrlichkeit und ihrem Glauben an das Gute im Menschen. Außerdem habe sie sich nie beirren lassen und den Weg der Bildung stetig beschritten. Ähnlich sieht das Rektor Wolfgang Neumann von der Schule selbst: „Wir wollten eine Persönlichkeit, die Bezug zu Eppingen und gleichzeitig Vorbildcharakter hat.“

An die Musikliebhaberin Selma Rosenfeld denkend, geht der Schulleiter sogar noch einen Schritt weiter. „Ich finde, dass sie sehr gut in unser Kollegium gepasst hätte“, meint Neumann.

Lisa-Damaris Heitz und Bernd Röcker mit historischen Dokumenten von Selma Rosenfeld: einem Klassenfoto, einem Luftpostbrief und einem Buch über ihr Leben.
Selma Rosenfeld (vorne Mitte) in geselliger Runde 1962 im Eppinger Ratskeller. Ihre deutschen Wurzeln hat sie in Amerika nie verleugnet.Fotos: Tobias Bumm/privat