Der versunkene Hafen von Heinsheim

Bad Rappenau - Ein Hauch Atlantis umgibt Heinsheim spätestens seit dem Hafenkonzert des SWR 4 auf der Landesgartenschau. Bei dieser beliebten Rundfunksendung, die üblicherweise am Bodensee zu unchristlich früher Stunde Tausende anlockt, wurde die für viele überraschende Kunde nach oben gespült: auch Bad Rappenau hatte einmal einen Hafen. Besser gesagt: der am Neckar gelegene Ortsteil Heinsheim hatte einen. Er erlitt ein recht trauriges Schicksal

Von Steffan Maurhoff

Hans Heinz Hartmann mit einem Stich des Heinsheimer Hafens vom Jahr 1843. Der Heimatkundler steht direkt an der Straße, die 1825 hierher gebaut wurde.Foto: Maurhoff
Bad Rappenau - Ein Hauch Atlantis umgibt Heinsheim spätestens seit dem Hafenkonzert des SWR 4 auf der Landesgartenschau. Bei dieser beliebten Rundfunksendung, die üblicherweise am Bodensee zu unchristlich früher Stunde Tausende anlockt, wurde die für viele überraschende Kunde nach oben gespült: auch Bad Rappenau hatte einmal einen Hafen.

Besser gesagt: der am Neckar gelegene Ortsteil Heinsheim hatte einen. Er erlitt ein recht trauriges Schicksal, denn er war in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft worden, um am Ende wieder in den Fluten des Neckars zu versinken.

Der Reihe nach: Man schrieb das Jahr 1822. In Bad Rappenau entdeckte Salinendirektor Georg Christian Heinrich Rosentritt das Salzlager. Endlich hatte das Großherzogtum Baden ein eigenes Salzvorkommen – ein ungeheurer Imagegewinn. Das Frohlocken über das weiße Gold aus heimischer Produktion beflügelte über Nacht die Entwicklung Rappenaus.

Ein Gulden Strafe: Am steilen Sträßchen nach Heinsheim mussten Fuhrwerke gebremst werden.

Als profunder Kenner der Heimatgeschichte hat der Bad Rappenauer Hans Heinz Hartmann viel über die Wege und Straßen im Kraichgau geforscht. Er und der Ur-Rappenauer Reinhard Künzel haben die Hafengeschichte beim Hafenkonzert wieder aus der Versenkung geholt. „Es wurde alles sehr schnell aus dem Boden gestampft“, berichtet Hartmann über die damalige Zeit: Die Saline musste errichtet, Baumaterial nach Rappenau und Salz in Richtung Karlsruhe und Mannheim abtransportiert werden. Das machte den Ausbau der Verkehrswege erforderlich.

Eine Sanierung kam wohl nicht in Frage, schließlich stand Rappenau zu jener Zeit im traurigen Ruf, die schlechtesten Straßen ganz Badens zu haben. Also wurden neue gebaut. Auch die noch heute existierende Straße von Rappenau über Zimmerhof nach Heinsheim, die sich seit 1825 um Burg Ehrenberg ins Neckartal hinab schlängelt und dort ein kurzes Stück direkt auf den Fluss zuführt: just zu dem Hafen, den man „Lauer“ nannte.

Der sicher kostspielige Straßenbau war der vergleichsweise sanften Steigung wegen notwendig. Denn die alte Zimmersteige hinunter nach Heinsheim schied für die erforderlichen Schwertransporte aus. Noch heute kündet dort ein sogenannter Radschuh-Stein davon, der an jener Steilpiste unter Strafe vorschrieb, die Vieh- und Pferdefuhrwerke mit einer Art hemmendem Keil – dem Radschuh – zu sichern.

Der Lauer stand kurze Zeit hoch im Kurs. Ein Stich aus dem Jahr 1843 zeigt die Anlegestelle, von dem aus Vergnügungsreisende auf Dampfschiffen Burg Ehrenberg bewundern konnten – und das freundliche Dörfchen Heinsheim, „wo man ans Land steigt, und dann auf einem wohl angelegten Wege zur Burg hinauf wandelt...“, wie es in einer Schilderung über den Fremdenverkehr aus dem Jahr 1843 heißt.

Doch der Neckar mit seinen Stromschnellen und Sandbänken war ein zu mühsamer Verkehrsweg. Schon 1862 plante man eine von Pferden gezogene Eisenbahn von der Saline Rappenau nach Waibstadt, bevor stattdessen 1868 der Schienenstrang von Meckesheim über Sinsheim nach Rappenau gebaut wurde. Damit hatte der Lauer ausgedient. Mit dem Bau der Schleuse Gundelsheim im Jahr 1935 stieg der Wasserstand. Der Heinsheimer Hafen versank in den Fluten.