Der Schatz im Blütenmeer

Bad Rappenau - Gefragte Lernwerkstatt: Rosarote Bilanz im Grünen Klassenzimmer

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Wolfgang Baars zeigt, wo es langgeht: Mit Schülern übt der OWK-Wanderwart auf der Landesgartenschau die Navigation per Geocaching.Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Bad Rappenau - Alexander Pieh zieht eine strahlende Zwischenbilanz: „Wir sind 20 Prozent über dem, was wir als Minimum angesehen haben. Und das vor den Ferien. Wir sind total zufrieden, wir sind ein Selbstläufer geworden.“ Der da so strahlt, ist Diplom-Biologe und Fachreferent des Grünen Klassenzimmers auf der Landesgartenschau.

374 Schulklassen – von Erstklässlern bis zu Realschulabgängern und Gymnasiasten – nahmen bisher an dem anschaulichen Unterricht im Freien teil. Die Kinder und Jugendlichen, so Pieh, seien stets begeistert: „Die führt man nach draußen, und dann kommt gleich die Frage: Wann machen wir das wieder?“ Das Grüne Klassenzimmer ist seit 1981 fester Bestandteil von Landesgartenschauen und will mit seinem praxisnahen Unterrichtsangebot Jugendliche spielerisch an die Natur heranführen. 45 unterschiedliche Bausteine sind es heuer, von „Ökolandbau, die clevere Alternative“ bis zur „Lernwerkstatt Kartoffel“.

Vielfalt

Ohne die über 70 ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre so eine Angebotsvielfalt allerdings nicht möglich: „Wir sind dankbar, dass wir auf diese Leute zugreifen können“, sagt Projektleiterin Silke Retzler. Auf Leute wie den Wimpfener Wolfgang Baars, zum Beispiel.

Der Diplom-Ingenieur und Wanderwart des Odenwaldklubs ist früher einmal als Kapitän zur See gefahren. Das merkt man ihm heute noch an, nicht nur an seiner norddeutschen Art und Aussprache. Sein Thema heißt Geocaching (sprich: Geokesching), und er vermittelt es leidenschaftlich, bis auch jeder begriffen hat: Es geht um Navigation im Gelände mit Hilfe modernster Technik. „Den Kindern will ich vermitteln, dass sie mit Hilfe der Koordinaten alles finden und immer wieder zurückfinden. Und ich gebe ihnen den Anstoß, in der Schule besser aufzupassen.“ Denn wer Geocaching verstehen will, muss in Englisch und Mathematik wach sein.

Navigation

Elf Achtklässler der Bad Rappenauer Albert-Schweitzer-Schule und Klassenlehrerin Yvonne Geier waren kürzlich bei Wolfgang Baars im Unterricht. Erst Theorie drinnen, dann Praxis draußen: Mit Hilfe von Navigationsgeräten, die der Referent vorher programmiert hatte, schwärmten die 14- und 15-Jährigen aus, um eine Schatz (sprich, einen Cache) zu finden.

Wolfgang Baars hatte zehn leere Filmdosen mit Bonbons und Zetteln gefüllt und unter Pflanzen, hinter Steinen und an Bäumen versteckt. Auf die Zettel hatte er Buchstaben geschrieben, die zusammen genommen das Lösungswort „Blütenmeer“ ergaben. Jessica kam als erste drauf. Zu finden waren die unauffälligen Filmhülsen tatsächlich nur mit Hilfe der Navigationsgeräte. Bis auf wenige Meter zeigten diese die Position der Schätze genau an. Dann half nur noch die Beschreibung, die Wolfgang Baars für jeden einzelnen ausgearbeitet hatte. Einfach war es nicht. Aber spannend.

Mehr Sicherheit

Die Schüler, erzählte Klassenlehrerin Geier, hatten sich das Thema selbst ausgesucht. Und sie hatten sichtlich Spaß an der Sache. „Können wir das nochmal machen“, fragte Saskia. Wolfgang Baars bietet sein Geocaching auch nach den Sommerferien wieder an. Und was ist das Navigationsgerät für den alten Seefahrer? „Ein Hilfsmittel, das die Sicherheit steigert.“ Ansonsten gilt beim Wandern wie im richtigen Leben, ob mit GPS-Gerät oder ohne: „Das genaue Hingucken lohnt sich immer.“