Das Ensemble erhalten

Eppingen - Eigentlich dient der denkmalpflegerische Werteplan der Gesamtanlage Eppingen vor allem Behörden dazu, besser miteinander kommunizieren zu können: Sie haben einen gemeinsamen Nenner, können so bei Anfragen über einen Anbau schneller Entscheidungen fällen, weil Vororttermine wegfallen. Das ist ein Sinn des Werks, das das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) gestern im Eppinger Rathaus vorgestellt hat. Ein weiteres liegt für Bad Wimpfen vor. Allerdings zeigt sich eine ganz besondere Bedeutung erst, wenn Heinrich Vogel anfängt zu schwärmen. „Eindrucksvoll“ war eines seiner milderen Worte. „Ich bin begeistert“, trifft das Lob eher, das der Vertreter der Heimatfreunde benutzte.

Von Simon Gajer

Das Ensemble erhalten

„Wir legen offen, wo die Werte einer Stadt stecken.“

Martin Hahn

Eppingen - Eigentlich dient der denkmalpflegerische Werteplan der Gesamtanlage Eppingen vor allem Behörden dazu, besser miteinander kommunizieren zu können: Sie haben einen gemeinsamen Nenner, können so bei Anfragen über einen Anbau schneller Entscheidungen fällen, weil Vororttermine wegfallen. Das ist ein Sinn des Werks, das das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) gestern im Eppinger Rathaus vorgestellt hat. Ein weiteres liegt für Bad Wimpfen vor.

Allerdings zeigt sich eine ganz besondere Bedeutung erst, wenn Heinrich Vogel anfängt zu schwärmen. „Eindrucksvoll“ war eines seiner milderen Worte. „Ich bin begeistert“, trifft das Lob eher, das der Vertreter der Heimatfreunde benutzte.

Vernetzt

Der Plan besticht durch seine Vernetzung. Es geht bei dem Werk um die Gesamtanlage, betont Martin Hahn, der beim RP Konservator im Referat Denkmalpflege ist. Das Ensemble einer Kommune sei eben mehr als nur die einzelnen Kulturdenkmale. Der Werteplan stellt die gewachsene Struktur oder „die Körnung“ vor, wie er es nennt. Deshalb sind zu jedem Element Daten über die Geschichte enthalten. Doch der Werteplan greift neben den ausgewiesenen Kulturdenkmälern der Altstadt außerdem erhaltenswerte Gebäude, Straßenzüge sowie Plätze und Grünflächen auf und beschreibt sie. Neben den historischen Einzelfakten stellt der Plan einen größeren Zusammenhang her: Historische Straßenzüge überlappen sich mit dem aktuellen Verlauf, und Betrachter sehen, dass etwa ein Anbau an die katholische Kirche fehlt und die aktuelle Zehntgasse einst kein Durchgang war.

Mit einer Anregung stößt Heimatfreundesprecher Heinrich Vogel auf offene Ohren. Er sieht den Plan lediglich als einen Entwurf und denkt an eine Fortschreibung beispielsweise in Richtung der Brettener Vorstadt, der Petersgasse oder des Behördenviertels mit den angrenzenden Pfarrhäusern. Nicht zu vergessen: der Blick in die Keller, empfahl der Hobbyhistoriker. Martin Hahn gab Heinrich Vogel recht. Der nun vorgelegte Plan habe sich allerdings auf die Altstadt beschränken müssen, weil für diese im Jahr 1983 eine Gesamtanlagenschutzverordnung entsprechend des Denkmalschutzgesetzes erlassen wurde.

Das Ensemble erhalten
Viele Schmuckstücke prägen die Altstadt. Doch ohne Ensemble-Wirkung gleichen sie Perlen ohne eine verbindende Kette, sagt Baubürgermeister Muckle.Foto: Gajer

Wie eine Perlenkette

Eppingens Baubürgermeister Eduard Muckle schätzt das Werk. Ziel der „Daueraufgabe Sanierung“ müsse sein, die Substanz der Gebäude und das Ensemble zu erhalten. Sonst blieben den Kommunen irgendwann einmal nur noch die einzelnen Perlen, „und die Schnur ist gerissen“. Der Werteplan gehe in zwei Richtungen, sagte er unserer Zeitung. Zum einen stellt er ausführlich den Bestand dar. Damit verbunden sei zugleich die Frage, wie man die Ensemble bewahrt.

Bei der Präsentation - am idealen Ort, dem historischen Rathaus Eppingens - wurde beispielsweise das ehemalige Kino angesprochen, das teilweise abgerissen werden muss. Doch so soll es nicht mehr kommen. Mit dem Werk an der Hand könne man unter Eigentümern wieder verstärkt dafür werben, in ihre historischen Gemäuer zu investieren. „Der Plan ist eine Diskussionsgrundlage“, sagte Eduard Muckle.