Bundesweit einmalig: Kaufland-Pilotprojekt geht in Betrieb

Eppingen - Sekt und Häppchen für die Kunden: Gestern öffnete Kaufland in der Fachwerkstadt. Einen Grund zu feiern dürfte damit auch die Kaufland-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm haben. Ihr bundesweit einmaliges Pilotprojekt ging in Betrieb.

Von Simon Gajer

Pilotprojekt geht in Betrieb
In den kommenden Wochen wird noch der Handelshof abgerissen.Foto: Gajer

Eppingen - Sekt und Häppchen für die Kunden: Gestern öffnete Kaufland in der Fachwerkstadt. Einen Grund zu feiern dürfte damit auch die Kaufland-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm haben. Ihr bundesweit einmaliges Pilotprojekt ging in Betrieb.

Einsparung

In der Neckarsulmer Zentrale stand zwar niemand für Fragen zur Verfügung, allerdings wirbt Kaufland ganz offen an seinem neuen Standort für das Vorhaben. "Eppingen ist bundesweites Pilotprojekt", heißt es in einer Broschüre. Einsatz erneuerbarer Energien, klimaschonende Technik: In der Fachwerkstadt werden demnach zukünftige Standards getestet, die zum Schutz von Umwelt und Klima beitragen sollen. "Allein in Eppingen werden Energieeinsparungen von umgerechnet rund 187 Tonnen CO2 jährlich erwartet, was etwa dem Jahresverbrauch von 36 Einfamilienhäusern entspricht."

Wie dies gelingt? Die Filiale werde in erster Linie durch überschüssige Abwärme aus der vorhandenen Kälteanlage beheizt, der Standort komme ohne einen konventionellen Heizkessel aus, Ökostrom werde bezogen, und an der Fassade und auf dem Dach seien großflächige Fotovoltaik-Paneele installiert, erläutert die Informationsschrift.

Disskussionen

Der Bau am zentraler Stelle führte in den vergangenen Monaten zu vielen Diskussionen in der Stadt. Zu groß und zu wuchtig falle das Gebäude an jener Stelle aus, an der man eigentlich freien Blick auf die Altstadt haben könnte, hieß es häufig.

"Im Moment ist er schon protzig", urteilte Ramona Blum über den Bau. Sie zählte zu den Kunden, die bereits am ersten Vormittag zum Einkaufen kamen. Allerdings war sie weniger kritisch als viele im Ort. "Man gewöhnt sich dran."

Eine Kundin verließ das Gebäude in Richtung Bahnhof, unterm Arm ein Schokoladengetränke. Eine Stadtbahn pfiff, und sie rannte über den Kreisel, den Kaufland finanziert hatte, zum Bahnsteig. Währenddessen packten Marita und Bernd Friedel ihre Einkäufe ein. Man brauche viel mehr Zeit als im Handelshof, beschrieben sie ihre Einkaufserfahrungen. In den vergangenen Monaten seien sie unsicher gewesen, ob dieses Gebäude so dicht an die Altstadt passe. Nun stehen sie dem Bau positiv gegenüber. "Jetzt ist ist es schön verkleidet", sagte Bernd Friedel. Außerdem könnten Besucher, die mit der Stadtbahn kommen, weiterhin die Altstadt sehen.

Branche

Kaufland vergrößert sich im Osten der Kernstadt, im Westen soll Lidl einen neuen Standort erhalten und Rewe zurückkommen. Aldi hat bereits im Jahr 2008 die Verkaufsfläche um rund 300 auf 1050 Quadratmeter Verkaufsfläche vergrößert. Die Vollsortimenter- und Discounter-Branche in der Stadt ist in Bewegung. "Die Zeiten werden härter", sagte Edeka-Chef Alexander Sommer, für den nach eigenen Angaben Kaufland der Hauptkonkurrent ist. Edeka wurde ebenfalls umgebaut. Das sei schon lange geplant gewesen, erklärte Inhaber Sommer. Allerdings habe er auf die Genehmigung warten müssen.