30. Open-Air-Festival: Squealer, die allererste Band, ist wieder dabei

Siegeslbach - Die Anfänge waren bescheiden. Die Bandmitglieder haben mit Musikerfreunden aus Siegelsbach, Bad Rappenau und Heinsheim im Rappenauer Jugendhaus überlegt, wie sie was losmachen können.

Von Steffan Maurhoff

Siegelsbach - Mann, waren das noch Zeiten!" Hermann Hofmann aus Hüffenhardt kommt gleich ins Schwärmen, wenn er vom Römersee-Festival spricht. Vor 30 Jahren ist es zum ersten Mal über die Bühne gegangen, und Hofmann war der Leadgitarrist der ersten Band, die damals aufgetreten ist: Squealer, ein Brüller aus Siegelsbach. Und jetzt kommt"s: Beim 30. Open Air zwischen Zimmerhof und Siegelsbach ist Squealer wieder dabei. Hofmann freut sich: "Wir werden in Originalbesetzung unsere Songs von damals live spielen." Originalbesetzung heißt außer Hofmann: Michael Wieder (Gesang), Herbert Remmele (Schlagzeug), Michael Hofmann (Gitarre) und Gerhard Koos (Bass).

Woodstock im Kleinen

Die Anfänge waren bescheiden. Die Bandmitglieder haben mit Musikerfreunden aus Siegelsbach, Bad Rappenau und Heinsheim im Rappenauer Jugendhaus, damals noch das Alte Rathaus, überlegt, wie sie was losmachen können. Auftrittsmöglichkeiten waren rar, gelegentlich klampften die Bands im Hohenstaufen-Gymnasium in Bad Wimpfen, im Obergimperner Schlössle oder im Adolf-Schmitthenner-Gymnasium in Neckarbischofsheim. Aber in Rappenau? Fehlanzeige. Und dann war sie geboren, die Idee: ein Woodstock im Kleinen, vielleicht in der Villa Rustica am Römersee.

Alle zogen mit. Hermann Hofmanns Vater, Inhaber einer Schreinerei in Siegelsbach, stellte den Firmenbus für Transporte, die Jungs von Squealer marschierten zum damaligen US-Depot und baten um einen Stromgenerator. "Die haben erst mal gelacht", erinnert sich Hofmann. "Aber dann haben die uns echt einen Generator hingestellt und drei Mann dazu." Das Problem war nur: Das Gerät lieferte US-Strom. 120 Volt Spannung statt den in Deutschland üblichen 210. "Die Verstärker sind lauter und leiser geworden. Es war abenteuerlich", lacht Hofmann noch heute. Dann kam die Premiere. "Die Stimmung war von Anfang an super."

Was die Squealer-Jungs, damals so um die 16, 18 Jahre alt, wurmte, sehen sie heute mit ganz anderen Augen: Beim ersten Festival waren sie die Kleinen, die Anfängerkombo, alles andere als der Top-Act, der erst spät am Abend auftrat. Aber sie waren halt die allererste Band, die jemals am Römersee gespielt hat. "Wer interessiert sich heute für den zweiten Mann auf dem Mond?", witzelt Hofmann. Nicht ohne festzustellen: "Damals waren wir die erste Band, weil wir zu jung waren. Heute treten wir als zweite Gruppe auf, weil wir zu alt sind." Die Musik von einst, von den Beatles, the Who oder AC/DC inspiriert, dürfte die heutige Generation nicht mehr aus den Socken hauen.

Prophetisch

Doch auf den Jubel taumelnder Massen war Squealer eh noch nie aus. Damals wie heute geht es der Band um den Spaß − aber auch darum, Politik und Selbsterlebtes zu verarbeiten. Der Falkland-Krieg, der royale Nachwuchs von Charles und Di, Anti-Atomkraft-Songs, der einst für unmöglich gehaltene Niedergang der Rentenversicherung. "Was wir damals gesungen haben, davon ist ganz schön viel eingetroffen." Übrigens damals wie heute überwiegend mit deutschen Texten. Und eben selbst geschriebene Songs. Die sind auch der Grund, warum Squealer nach wie vor auf dem Römersee-Festival auftreten darf. Da sind Coverbands nämlich nicht zugelassen.

Eintritt und Gedanken frei

In den ersten beiden Jahrzehnten wurde das Festival von Enthusiasten organisiert, Im Jahr 2000 wurde der Römersee Kulturverein in Bad Rappenau von einer Gruppe Jugendlicher gegründet, um das seit Open Air vor dem drohenden Aussterben zu bewahren. Am Freitag und Samstag, 19. und 20. August, geht das Kultfestival zum 30. Mal über zwei Bühnen. Los geht es mit dem Musikprogramm am Freitag um 16.30 Uhr, am Samstag um 16 Uhr. Freitag und Samstag gibt es ab 20 Uhr im Teezelt Musik vom Plattenteller. Am Samstag gibt es morgens einen musikalischen Brunch; Kosten: fünf Euro. Um 13 Uhr beginnt auf der Zeltbühne eine Lesung mit jungen Lesern aus der Region. Das Motto der Veranstaltung lautet „Eintritt frei – Zelten frei – Gedanken frei“. Weitere Infos im Netz unter www.roemersee.de. red  

Die Pioniere sind zurück
30 Jahre später (von links): Gerhard Koos, Michael Wieder, Hermann und Michael Hofmann (die Brüder mit gewechselten Plätzen), Herbert Remmele.Fotos: privat

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