Zukunft der Katzenzuflucht Flinsbach ungewiss – Verein muss Haus verlassen
Die Katzenzuflucht bei Helmstadt-Bargen (Rhein-Neckar-Kreis) sucht dringend Helfer und ein neues Domizil. Ende Februar läuft der Mietvertrag aus.
Eigentlich ist Xaver ein eher ängstlicher Zeitgenosse. Doch in letzter Zeit, erzählt Nico König, ist der stattliche Kater offener geworden. "Da haben die Helferinnen ganze Arbeit geleistet", sagt der Vorsitzende der Katzenzuflucht Flinsbach und schaut zufrieden auf den großen Käfig, in dem Xaver seit einigen Wochen lebt. Geschätzte drei Jahre alt ist der Kater, der genauso wie fast 20 weitere Tiere zur Vermittlung steht.
Platz für mehr Fellnasen gäbe es in dem großen Haus in Flinsbach. Doch der Verein muss Ende Februar raus, das Gebäude wird verkauft. Deshalb werden aktuell keine neuen Tiere aufgenommen. "Die Kündigung kam nicht unerwartet und stand schon länger im Raum", erzählt Nico König. Trotzdem: "Es ist natürlich eine Herausforderung." Besonders die Sorgen um die Katzen treiben den Vorsitzenden und die anderen Mitglieder um.
Katzenzuflucht Flinsbach blickt in ungewisse Zukunft – ohne Helfer geht nichts
Bis zum Stichtag wird versucht, alle zu vermitteln oder im Anschluss auf Pflegestellen unterzubringen. Die Suche nach einem neuen Domizil läuft bereits länger. Man wolle im Umkreis bleiben, um die Helfer nicht zu verlieren. "Wir könnten natürlich etwas finden", sagt König. Die Miete wäre allerdings um einiges höher als jetzt.
Doch ein weiteres Problem des Vereins ist der Mangel an helfenden Händen. Ist die Versorgung der Katzen nicht gesichert, würde eine neue Unterkunft wenig Sinn ergeben. Das müsse man vorher lösen, so der Vorsitzende. Um die Zukunft zu sichern, wird seit einigen Wochen aktiv Werbung gemacht − ganz klassisch mit Flyern, aber vor allem durch Infostände wie kürzlich im Fressnapf in Sinsheim. Man müsse viele Personen ansprechen, um am Ende eine zu gewinnen.
Eine Schicht in der Katzenzuflucht Flinsbach dauert rund drei Stunden
Der zeitliche Aufwand als Helfer hält sich derweil in Grenzen. Rund drei Stunden dauert eine Schicht, die entweder morgens oder am späten Nachmittag startet. In der Zeit müssen die Boxen gereinigt, Medikamente gegeben und Futter verteilt werden. Und natürlich sollte noch der ein oder andere Moment zum Beschmusen der Katzen und Kater abfallen.

Die sind oft sehr jung, denn der Verein nimmt viele trächtige Tiere auf, die dann in Flinsbach ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Die Mütter werden anschließend kastriert und in den meisten Fällen später wieder zurück an ihre Besitzer gegeben. Oft sind das Landwirte, die für die Kastration nichts zahlen müssen. Für die Kitten wird schließlich ein neues Zuhause gesucht. Die dafür anfällige Schutzgebühr ist einer der Grundpfeiler, die den Fortbestand der Katzenzuflucht sichern. Auch Geld- und Sachspenden halten das Rad am Laufen.
Katzenzuflucht bei Helmstadt-Bargen erhält keine Unterstützung durch die Kommunen
Bis zu 200 Tiere leben über das Jahr verteilt in dem historischen Gebäude. Oft müssen sie medizinisch behandelt werden. "Die Tierärzte kommen uns finanziell sehr entgegen", sagt Nico König. Beim Veterinäramt ist der Verein offiziell geführt, erhält allerdings im Gegensatz zu Tierheimen keine Unterstützung durch die Kommunen.
Trotzdem wurden in der Vergangenheit alle Tiere aufgenommen, die Hilfe gebraucht haben. Zum Beispiel Sunny. Die schwarz-weiße Katze lief einer Frau zu, die sie kurzerhand einpackte. Jetzt sucht sie ein neues für-immer-Zuhause. Schwierig sollte das nicht werden, meint Nico König. Denn Sunny liebt Menschen, miaut sofort, wenn sie in ihrer Nähe sind und wirft sich auf den Rücken, um Streicheleinheiten zu bekommen.
Etwas komplizierter lief es bei zwei Katzen, die positiv auf Leukose getestet wurden. Weil die unheilbare Krankheit über Flüssigkeiten übertragbar ist, dürfen sie nicht mit Tieren zusammenleben, die das Virus nicht in sich tragen. Doch auch für Antonia und Alba wurde ein Zuhause gefunden.
Dass auch der ehemals ängstliche Xaver neue Dosenöffner findet, davon ist Nico König fest überzeugt. Der Kater schnurrt wie ein Weltmeister und freut sich über jeden Besuch. Die Vereinsmitglieder sind derweil weiter auf der Suche nach Unterstützung − damit auch in der Zukunft allen Katzen geholfen werden kann.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare