In 76 Minuten durch den Kraichgau

Vor dem Ersten Weltkrieg fuhr der "Paris-Karlsbad-Expreß" über Karlsruhe und Heilbronn

Von Ulrich Merz

Der Zug fuhr von Paris über Deutsch Avricourt, Straßburg, Crailsheim, Nürnberg und Eger nach Karlsbad. Die Ursache für diese Streckenführung lag darin, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof dem gestiegenen Durchgangsverkehr nicht mehr genügen konnte. So kam es, dass man den "Paris-Karlsbad-Expreß" zwischen Karlsruhe und Nürnberg über Heilbronn leitete. Das bereitete betrieblich kaum Schwierigkeiten, da die Kraichgaubahn bis auf das kurze Zwischenstück Grötzingen - Bretten durchgehend zweigleisig ausgebaut worden war. Die Expresszüge führten Schlafwagen der ersten Klasse und Speisewagen Paris - Karlsbad und Calais - Paris - Karlsbad.

Der Luxuszug verließ im Jahr 1914 Paris um 19.34 Uhr (WEZ) und kam in Karlsruhe um 5.45 Uhr (MEZ) an. Nach einem Aufenthalt von neun Minuten begab sich der Express um 5.54 Uhr auf seine Reise durch den Kraichgau und erreichte Heilbronn nach 76 Minuten Fahrzeit gegen 7.10 Uhr. Bis zum Ziel, der westböhmischen Bäderstadt Karlsbad, benötigte der Zug insgesamt rund 17,5 Stunden. Ankunft war um 14.01 Uhr. In umgekehrter Richtung verließ der Express, von Karlsbad kommend, Heilbronn jeweils gegen 21.20 Uhr und hatte Karlsruhe nach 78 Minuten um 22.38 Uhr erreicht.

Der Zug wurde im Jahr 1900 unter der Geschäftsführung der Eisenbahnen von Elsass-Lothringen eingeführt. Er lief im Sommer von Juni bis Ende September, letztmals 1914. Mit der Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich am 3. August 1914 fand die Zugverbindung über die Kraichgaubahn ein jähes Ende.

InfoDie Geschichte der Bahnlinie dokumentiert die Ausstellung "Bitte einsteigen" in Eppingens Alter Universität. Sie ist bis Anfang Dezember mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet.